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EFF: Datenschutz bei eBooks mangelhaft

22.12.2009 - von - Debatte 2 Kommentare

nook_212eBook Reader mit kabellos angebundenem Online-Shop – Amazon Kindle 2, B&N Nook, Sony Reader Daily Edition, … – gelten momentan als “state of the art”. Diese Gerätegattung ermöglichen Anwendern einen besonders komfortablen Zugriff auf digitale Literatur – allerdings auf Kosten der Privatsphäre. Marktführer Amazon erhebt umfassende Nutzungsprofile von Kindle-Nutzern, und auch die Konkurrenz zeigt derzeit wenig Respekt vor der Privatsphäre ihrer Kundschaft.

Die Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF) hat in einem “E-Book Buyer’s Guide to Privacy” die Verfehlungen der Marktteilnehmer zusammen getragen. Einmal mehr steht dabei auch im eBook-Geschäft Google in der Schusslinie der Datenschützer: Die (geplante) Privacy Policy von Google Books erlaube dem Suchmaschinenspezialisten die Erhebung umfangreicher Nutzungsstatistiken, kritisieren die Datenschützer.

So speichere Google jede Suchanfrage, jeden Buchkauf (und über welche Wege er zustande kam), wie lange bei der anschließenden Lektüre jede Seite angesehen und wie innerhalb von Büchern geblättert wird. Die Daten sind dabei alles andere als anonymisiert – zur Nutzung von Google Books ist ein Google-Account Voraussetzung. Die Informationen werden zudem mit etlichen anderen Parteien geteilt, unter anderem haben  “externe Serviceanbieter” Zugriff auf die Profile.

Ähnlich verfährt Amazon: Die Kindle-Reader tracken “Informationen im Zusammenhang mit Inhalten auf Ihrem Device und Ihren Gebrauch” (Geschäftsbedinungen), senden via Wispernet regelmäßig entsprechende Berichte an Amazon. Was für Daten konkret übertragen werden, bleibt unklar – die EFF mutmaßt, Amazon könnte auch Informationen über außerhalb des Kindle Store besorgte Literatur übermitteln.

Sony kommt im Vergleich recht gut weg; vor allem weil man beim eBook-Kauf dank epub-Support nicht an den Reader Store gebunden ist. Die Erschaffung eines “gläsenern Lesers” wird schwerer, wenn Literatur an verschiedenen Stellen gekauft werden kann. Theoretisch könnte aber zumindest die neue Sony Reader Daily Edition auch relativ problemlos Informationen zu ihren Inhalten “nach Hause funken”.

Die Sammelwut der eBook-Player ist natürlich nicht Selbstzweck, sondern dient allein wirtschaftlichen Interessen. Features wie Amazons “Was kaufen Kunden, nachdem sie diesen Artikel angesehen haben?” erhöhen die Umsätze, stellen für die Kundschaft durchaus auch einen Mehrwert dar. Auch für die Werbewirtschaft ist immer an Nutzungsdaten ihrer Kontakte interessiert – für Werbung in eBooks hält Amazon bereits Patente, hierzulande ist gibt es sogar schon anzeigenfinanzierte Literatur.

Auf der sicheren Seite ist man mit seinen Daten bei elektronischen Lesegeräten ohne Wireless-Funktion, die aber wohl auf absehbare Zeit (zurecht) in die Low Budget Nische abtauchen werden. Es ist an den Herstellern, transparente und maßvolle Datenschutzrichtlinien für ihre Online-Plattformen und 3G-Reader zu formulieren. Auch Google sollte sich in diesem Zusammenhang wieder auf seinen alten Claim “don’t be evil” besinnen.

ebook-privacy2

<via Spon>

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Der Artikel "EFF: Datenschutz bei eBooks mangelhaft" wurde am 22. Dezember 2009 (Dienstag) um 16:24 Uhr von geschrieben. Johannes Haupt (Xing / Twitter) ist Chefredakteur und Herausgeber von lesen.net.

2 Antworten auf EFF: Datenschutz bei eBooks mangelhaft (zum Thread im Forum)

Kai 1. Januar 2010 um 11:59 Uhr

Datenschutz als Bringschuld der Hersteller ist Pflicht. Allerdings ist das Mitteilungsbedürfnis der Nutzer so stark (siehe Facebook, WkW, usw.), daß eine Lese-Community für eBooks sich anbietet.
Auch der Sony eBook Reader kann dabei ausgelesen werden und seine zuletzt gelesenen Bücher kann man dann (freiwillig) dort publizieren.
Ein Beispiel ist auf der Webseite von didread zu finden.