14. Oktober 2009 (Mittwoch) - von Johannes
[Update] Libreka: Nur 32 eBook-Verkäufe in 09/09?
Dass der vom Börsenverein betriebene eBook-Shop Libreka bislang nicht gerade ein Erfolgsprojekt ist, gilt als gesichert. Seit der Live-Schaltung im März immer wieder als Usability-Katastrophe kritisiert, krankt das Portal nicht zuletzt an mangelnder Mitarbeit innerhalb der Verlagsbranche. Trotz offenen Briefen und drastischen Worten im Verbandsblog ist das Angebot nach wie vor dürftig, zudem schrecken hohe Preise und DRM die Kundschaft ab.
Wie schlecht es tatsächlich um Libreka bestellt ist, legt nun ein Mitarbeiter aus dem inneren Zirkel des Projekts offen. In einem vierseitigen Brief an themenaffine Medien (Titel: “Libreka ungeschminkt”) geizt der Insider nicht mit pikanten Details zur Plattform Demnach soll Libreka in seiner jetzigen Form 1 Million Euro jährlich verschlingen – eine Summe, der momentan praktisch keine Erlöse gegenüber stehen.
So seien abzüglich Testkäufen im gesamten Monat September gerade einmal 32 eBooks an Endkunden abgesetzt worden, heißt es im Schreiben. Auch bei den bisherigen Download-Days war die Resonanz eher mau, die kostenlosen eBooks seien je nur knapp 1.000x heruntergelanden worden.
Dabei müsste über die Plattform schon für eine schwarze Null mehrere Tausend eBooks täglich verkauft werden. Aktuell werde das Angebot massiv durch gestiegene VLB-Beiträge querfinanziert, was bereits im vergangenen Jahr für dicke Luft in der Branche sorgte.
Kritisiert wird vom Insider insbesondere die Konzeptlosigkeit der Projektleitung. So heißt es: “Von Planung im engeren Sinne kann man bei Libreka überhaupt nicht sprechen. (…) Es gab und gibt keinerlei nachhaltige Strategie, Planung und Umsetzung. (…) Getrieben wird Libreka von einer Mischung aus Utopien über das Internet und Techniknutzung in der Zukunft sowie kurzfristigem Handlungsdruck.”
Auch die Funktion des Portals innerhalb der Internetlandschaft sei überhaupt nicht geklärt. “Auf info.libreka.de heißt es etwas nebulös, dass Libreka eine Branchenlösung zur Teilnahme am digitalen Buchmarkt ist. Gleichzeitig wird Libreka als Plattform zur Volltextsuche angepriesen. (…) Inzwischen sieht Libreka allerdings aus wie ein weiterer Online-Shop für E-Books, der dann noch auf Buchhandel.de zum Kauf von gedruckten Büchern verweist.”
Die Perspektive sei ebenfalls zweifelhaft. “In Zukunft will man mit Libreka aber noch mehr Dinge machen, wie zum Beispiel die Onlineversion des Kundenmagazins Buchjournal integrieren und Buchcommunities Konkurrenz machen (…) Allerdings stellt sich die Frage warum man dafür viel Geld ausgibt. Denn diese Sachen gibt es alle schon mehrfach in wirtschaftlich tragfähigen Formen.”
Weiterhin spricht der Autor den Libreka-Betreibern von der verbandseigenen Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels (MVB) die Sachkompetenz zum Betrieb eines solchen Angebots ab, hinterfragt grundsätzlich den Nutzen eines solch kostspieligen (Prestige-)projekts als Konkurrenz zu spezialisierten Unternehmen. Die MVB habe keinerlei Erfahrung im Betrieb mit B2C-Angeboten, die Betriebsabläufe seien eine Katastrophe. Schon die Stornierung eines Kaufs sei eine Herausforderung.
Am Ende des Tages gefährde das Experiment Libreka gerade in diesen für die Buchbranche schwierigen Zeiten “eigentlich sichere Arbeitsplätze durch Investitionen in ein Fass ohne Boden”, müsse schnellstmöglich zu Grabe getragen werden. Viele Mitglieder des Börsenvereins seien mit ihrer Geduld “gegenüber den Fehlleistungen der MVB Strategen” bereits am Ende.
Der anonym verfasste und mit Internas gespickte Brandbrief wirkt authentisch, der Autor scheint bereits seit mehreren Jahren in das Projekt involviert und mit seiner Geduld nun am Ende zu sein. Den aufgeworfenen Fragen kann man sich anschließen: Zumindest in seiner jetzigen Form ist das Portal nicht mehr als ein (alles andere als bedienfreundlicher) gewöhnlicher eBook-Shop, dem andere Angebote im Bezug auf den Nutzwert haushoch überlegen sind. Der Börsenverein muss sich die Frage gefallen lassen, ob die für Libreka aufgewendeten Verbandsgelder nicht an anderer Stelle besser investiert wären.
[Update 14:30 Uhr] Libreka-Chef Ronald Schild hat sich inzwischen auf der Verbandsseite boersenblatt.net zum Brief geäußert. Er könne den Inhalt “in keinster Weise nachvollziehen”, wolle das Schreiben darüber hinaus “nicht weiter kommentieren.” Entsprechend gab es auch kein Dementi der im Brief genannten drastisch niedrigen Verkaufszahlen – statt dessen den Verweis, Libreka mache solche Daten grundsätzlich nicht publik.
Verteidigt wurden dagegen die ebenfalls im Brief kritisierten Download-Days. Laut Schild übertreffe die Resonanz schon jetzt die eigenen Erwartungen, mit dem morgen kostenlos angebotenen “Atemschaukel” von der Nobelpreis-prämierten Herta Müller sei ein weiterer Schub garantiert.
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Der Artikel "[Update] Libreka: Nur 32 eBook-Verkäufe in 09/09?" wurde am 14. Oktober 2009 (Mittwoch) um 08:00 Uhr von
Johannes geschrieben.
Johannes Haupt ist Chefredakteur und Herausgeber von lesen.net.
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14. Oktober 2009
10:59 Uhr
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Leser schreibt:
…das ist doch kein Wunder.
Lesenswert dazu:
http://klawtext.blogspot.com/2009/10/kostenfreie-ebooks-wahrend-der.html
14. Oktober 2009
11:32 Uhr
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scheichxodox schreibt:
Schön dass ich nicht der einzige bin. Ich wollte mir auch das kostenlose Ebook holen und vor allem das momentan gehypte “Atemschaukel” hat mich interessiert. Als ich dann aber vom DRM Wind bekommen habe, habe ich mich lieber dagegen entschieden. DRM will ich nicht mal geschenkt. Dann nehme ich lieber die kostenlosen Gutenberg-Bücher.
14. Oktober 2009
14:32 Uhr
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markus schreibt:
50% vom Papierpreis ohne DRM im epup Format :) dann bin ich Kunde
14. Oktober 2009
16:20 Uhr
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bommel schreibt:
naja ist ein zweischneidiges Schwert
hab bei der Thalia-Gebrauchtaktion zugeschlagen das Teil ist schon genial,klein und handlich
allerdings wenn man bedenkt 180 Euro allein für den Reader… und dann der Preis eines epubs annähernd/oder gleich der gedruckten Ausgabe noch dazu mit shit Kopierschutz – Buch einmal ausgelesen kann z.B. weiterverkauft werden anders das epub mit DRM … daran müsste sich etwas ändern an der Preisgestaltung sowie am bzw. Art des verwendeten Kopierschutzes
15. Oktober 2009
16:03 Uhr
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gewappnet schreibt:
Das hier ist euch offenbar entgangen: http://www.buchmarkt.de/content/39981-libreka-mit-neuen-funktionen-in-neuem-design.htm
Eine eigene Libreka-E-Book-Reader-App für das iPhone! Damit gäbe es erstmal einen EPUB-DRM-Reader für das iPhone und damit eine Vervielfachung von potenziellen mobilen Readern. Das halte ich für eine kleine Sensation im deutschsprachigen E-Book-Markt.
19. Oktober 2009
22:01 Uhr
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Thumbshirn schreibt:
Kann mich nur dem ersten Kommentator anschließen: Das ist kein Wunder! Und zwar nicht nur bei Libreka, den anderen geht’s ja keineswegs besser. Siehe:
http://www.thumbshirn.com/?p=183