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Von Johannes

US-Studenten unzufrieden mit “Riesen-Kindle”

Debatte

Kindle-DX-7-Angle_airplane engine.jpgIm vergangenen Sommer sorgte der hochverschuldete US-Bundessstaat Kalifornien mit dem Vorhaben für Aufregung, gedruckte Schulbücher sukzessive komplett durch eLearning-Angebote zu ersetzen. Der Plan von Gouverneur Arnold Schwarzenegger fand auch in der deutschen Kommunalpolitik Anhänger – nicht zuletzt aufgrund großer Einsparpotenziale. Die aktuelle Generation dedizierter elektronischer Lesegeräte ist aber kaum im Bildungsbereich einsetzbar, wie erste Praxisberichte aus den USA zeigen.

uowSeit Mitte 2009 sind im Institut für Geschichte an der University of Wisconcin 20 eBook Reader im Einsatz. Dieser besonders literaturlastige Fachbereich schien prädestiniert: Laut einer vorab durchgeführten Umfrage geben Geschichtsstudenten in Wisconcin jedes Semester rund 600 Dollar für Pflichtlektüre aus, entsprechend viel Geld ließe sich durch eine Umstellung sparen. In Sachen Hardware entschied man sich für den Amazon Kindle DX – neben dem augenfreundlichen Display waren die große Bildschirmdiagonale von 9,7″ sowie nativer pdf-Support (inzwischen auch beim Kindle 2) wesentliche Kriterien für die Kaufentscheidung.

Doch das Projekt stand von Anfang an unter keinem guten Stern. Im November etwa gelangte vom Bibliotheksleiter geäußertete Kritik an der Barrierefreiheit des Kindle DX bis in deutsche IT-Medien, zwangen hier sogar Hersteller Amazon zur Nachbesserung. Und auch bei den Studierenden konnte der Kindle DX nicht überzeugen.

In einem Artikel (pdf, S. 8) der Fakultätszeitung nimmt Projektleiter Kenneth Frazier schon im ersten Satz das Fazit vorweg: “It may be the wave of the future – but it is still some distance from shore.” Die anfängliche Begeisterung der Tester über die elektronischen Lesegeräte war demnach schnell einer gewissen Resignation im Bezug auf den Nutzwert digitaler Bücher gewichen.

Dabei wurde den Studenten schon die Arbeit der Literaturbeschaffung abgenommen: Die Kindle DX wurden vorab mit acht Pflichtbüchern befüllt, unter anderem Leo Tolstois 1200 Seiten Epos “Krieg und Frieden” – dagegen fallen selbst die  535 Gramm von Amazons Riesen-Kindle sprichwörtlich kaum ins Gewicht. Während die Studenten dann auch bei Portabliät und Lesbarkeit wenig zu meckern hatten, fiel der eBook Reader als Instrument für wissenschaftliches Arbeiten glatt durch.

Für “nachhaltiges und ernsthaftes Lesen” hätten die meisten Studenten schnell wieder zu gedruckten Büchern gegriffen, berichtet Frazier. Viele kauften auf dem Kindle DX vorinstallierte Titel nach ein paar Wochen auch als Print-Ausgabe, arbeiteten dann damit. Am eBook Reader bemängelten sie “die umständliche Notizfunktion” und “das Fehlen einer zuverlässigen Seitenangabe” – die Kindle-Firmware zeigt statt Seitenzahlen grundsätzlich die Leseposition in Prozent an (bei S. 20 eines 400 Seiten starken Buchs z.B. 5%), ist für wissenschaftliches Zitieren damit kaum geeignet.

apple_tabletEntsprechend verschwanden Pläne einer Ausweitung des Pilotprojekts auf den gesamten Unibetrieb erst einmal in der Schublade – die Technik sei einfach noch nicht so weit. Trotzdem sieht man in Wisconcin die Zukunft im digitalen Lesen: “Still, electronic books, course materials, and multimedia are here to stay.” Schon Apples zeitnah erwartetes Tablet iSlate könne dem Thema eLearning einen entscheidenen Schub geben.

<via eReads>

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Zugeordnete Tags: Amazon Kindle DX • e-learning • elearning • Kalifornien

Der Artikel "US-Studenten unzufrieden mit “Riesen-Kindle”" wurde am 3. Januar 2010 (Sonntag) um 10:30 Uhr von Johannes geschrieben. Johannes Haupt (Xing / Twitter) ist Chefredakteur und Herausgeber von lesen.net.

3 Kommentare

Was sagst du dazu?



  1. 3. Januar 2010
    14:43 Uhr

    Permalink

    doxanus schreibt:


    Bei den spezifizierten Anforderungen an verstehe ich nicht ganz, warum die Uni nicht (übergangsweise bis in 2-5 Jahren ernsthafte Lesegeräte für Geisteswiss. da sind) auf Tablet-PC und PDF/OCR setzen … . Wie man ohne Stift (oder Wacom Digitizer) ernsthaft mit und in Texten arbeiten kann, ist mir schleierhaft.

    Was die fehlenden Seitenzahlen angeht: Das ist einfach Schlamperei. Die dt. Digitale Bibliothek setzt in ihre Digitalisate einfach die Seitenzahlen der Originale in eckige Klammern im fortlaufende Text. Außerdem ließen sich neue Zitationsmöglichkeiten denken: statt Seitenzahlen nach der Anzahl der Wörter, Kapitel oder Abschnitte usf. Auch in der Bibel oder in Gesetzestexten finde ich zuverlässig Stellen, ohne dass alle die seitengleiche Ausgabe haben müssen.



  2. 22. Februar 2011
    19:39 Uhr

    Permalink

    Feliks_Dzerzhinsky schreibt:


    Vielen Dank! Auch wir haben das Verfahren hier mal übersichtlich dargestellt:
    Grundlagen wissenschaftlichen Zitierens


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