11. Dezember 2009 (Freitag) - von Johannes
USA: Preiskrieg erreicht eBooks
Amazon scheint sich in den USA momentan ein Stück weit von seiner $9,99-Preispolitik für Kindle-Bestseller zu verabschieden – allerdings aus Verlagssicht in die falsche Richtung. Statt nämlich die Preise anzuziehen und im Zuge dessen die wenig üppigen Margen für Publisher zu erhöhen, setzt Amazon pünktlich zum Markteintritt von Barnes & Noble ein Ausrufezeichen. Im Print-Bereich liefert sich Amazon bereits einen erbitterten Preiskrieg mit Walmart.
Zwei sichere Kindle-Bestseller – eine Autobiographie von der Ex-Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin und der neue Steven King -, erscheinen um Heiligabend, waren bislang für die üblichen $9,99 vorbestellbar. Im Laufe dieser Woche fiel der Preis dann aber auf $7,99 – 20% Minus. Auch andere aktuelle Titel sind betroffen, berichtet die New York Times.
Der erst seit wenigen Monaten erhältliche The Girl Who Played with Fire von Stieg Larsson etwa wurde genauso auf acht Dollar verbilligt. Die ersten drei Teile der populären Twilight-Saga von Stephenie Meyer – allesamt in den Top 15 der Kindle Charts und damit nicht gerade Ladenhüter – kommen inzwischen sogar für jeweils um fünf Dollar aufs heimische Leseegerät.
Barnes & Noble hat sein Preisniveau teilweise bereits angeglichen, teilweise sind die eBooks beim Buchhändler noch ein paar Dollar teurer. Noch kostspieliger ist digitale Literatur momentan im Sony Store – laut eReaderchoice (repräsentativer Preisvergleich von 45 eBooks) muss man bei Sony im Durchschnitt fast zwei Dollar mehr pro eBook bezahlen als bei Amazon.
Für viele Interessierte spielt das Kriterium “Preis für wireless verfügbare Inhalte” bei der eReader-Wahl durchaus eine Rolle. In besonderem Maße muss dabei Amazon angesichts seiner geschlossenen Plattform über den Preis punkten, lässt sich Lesefutter für die anderen Reader doch an beliebiger Stelle shoppen.
Bei den Verlagen regte sich bereits im Sommer öffentlich Unmut über die Niedrigpreispolitik von Amazon. Um die lukrativeren Hardcover-Verkäufe nicht zu kannibalisieren, kam schon damals ein potenzieller Bestseller mit Verzögerung in den Kindle Store. Das Beispiel hat Schule gemacht, in den letzten Tagen verkündeten eine ganze Reihe Großverlage ähnliche Strategien bzw. praktizieren sie schon. Auch die Hardcover-Ausgaben der Bücher von Palin und King erschienen bereits im November.
Deutsche Kindle-Nutzer gehören noch nicht zu den Profiteuren des Wettbewerbs in den Vereinigten Staaten. Aufgrund von vertraglichen Gebietsbeschränkungen zählen nach wie vor nur wenige Bestseller zum hierzulande momentan 317.000 eBooks umfassenden Angebot. The Help (Platz 18 in den US-Charts, Platz 1 in Europa) ist eines dieser wenigen Bücher. Auch die älteren Twilight-Titel sind hierzulande verfügbar, kosten sogar trotz Roaming-Aufschlag nur umgerechnet 3,70 Euro pro Datei.
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Der Artikel "USA: Preiskrieg erreicht eBooks" wurde am 11. Dezember 2009 (Freitag) um 08:27 Uhr von
Johannes geschrieben.
Johannes Haupt ist Chefredakteur und Herausgeber von lesen.net.
7 Kommentare
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11. Dezember 2009
09:51 Uhr
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jazznrhythm schreibt:
Grundsätzlich bin ich ja der Meinung, das Lesen so günstig sein sollte wie möglich, aber ich habe irgendwie das Gefühl, das diese “Vergünstigungen” auf dem Rücken der Lektorate und Autoren ausgetragen werden, und das kann irgendwie nicht die Lösung sein.
12. Dezember 2009
15:37 Uhr
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Mark schreibt:
Wenn ich mir so anschaue, was zum Beispiel der neue Stephen King Roman bei Erscheinen (als Buch) in den USA gekostet hat und dann die dt Preise sehe.. dann kommen einem hier echt die Tränen.
Zur Zeit 14$ (etwas weniger als 10 Euro) zu 26,95 Euro…
Ich würd viel mehr Neuerscheinungen bei solchen Preisen kaufen, daher glaub ich nicht, dass das für die Autoren so schlecht ist….