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Buchpreis-Kandidaten als eBooks: teuer, nicht verfügbar, DRM

15.8.2013 - von - Debatte eBook News 7 Kommentare

deutscher buchpreis20 Romane finden sich auf der am gestrigen Mittwoch veröffentlichten Longlist für den deutschen Buchpreis, der wohl wichtigsten hiesigen Literaturauszeichnung. Wer mit den nominierten Titeln seinen eBook Reader füttern will, sieht sich allerdings in vielen Fällen mit deftigen Preisen konfrontiert, teilweise sind die Bücher überhaupt nicht digital erhältlich.

Die nominierten Titel sind zwischen Oktober 2012 und September 2013 erschienen oder erscheinen noch, bislang liegen sie in gedruckter Form nur als gebundene Ausgabe vor. Weil Verlage sich beim eBook-Pricing meist an der teuersten Print-Ausgabe orientieren, fallen die Digital-Preise entsprechend gesalzen aus. Die 125 Seiten dünne Novelle Frühling der Barbaren ist mit 12 Euro noch das günstigste nominierte eBook. Zur Einordnung: Damit kostet allein dieses eBook mehr als 9 der 10 aktuellen Kindle-Bestseller zusammen. Auf diesem Preisniveau wird also vermutlich keiner der Buchpreis-Nominierten die Digital-Verkaufscharts stürmen.

Wenig Abschlag zu Print

Die meisten eBooks kosten knapp unter oder genau 20 Euro, die Ersparnis gegenüber Print ist mit meist 10-20 Prozent (beispielhaft sei F von Rowohlt genannt: 23 Euro als Hardcover, 20 Euro als eBook) sehr überschaubar. Eine löbliche Ausnahme ist der österreichische Verlag Jung und Jung, der mit gleich zwei Titeln auf der Longlist vertreten ist. Sowohl Unter der Hand als auch Berlin liegt im Osten kosten 15 Euro als eBook und 22 Euro als Hardcover – ein Rabatt von mehr als 30 Prozent.

Noch ärgerlicher aus Kundensicht ist die Nicht-Verfügbarkeit einiger nominierter Titel. Während bei noch nicht erschienenen Büchern wie Das Ungeheuer die fehlende Vorbestellmöglichkeit für das hoffentlich bald ebenfalls verfügbare eBook verzeihlich ist, erinnert die digitale Abstinenz von seit Monaten erhältlichen Büchern wie Nichts von euch auf Erden (Hardcover erschien im Februar!) an längst vergangene Zeiten.

Spiegelbild des deutschen eBook-Marktes

Die Longlist des deutschen Buchpreises ist in vielerlei Hinsicht ein Spiegelbild des Status Quo in Sachen “eBook in Deutschland”. Die eBooks sind teuer (zumindest aus Lesersicht, aber nur das zählt), einige Print-Titel gibt es nicht oder zumindest noch nicht in digitaler Form – legal, wohlgemerkt. Und: Nur 2 der 20 buchpreisnominierten Romane werden ohne hartes DRM verkauft, nämlich Soutines letzte Fahrt (Wallstein) und Die Ordnung der Sterne über Como (Aufbau). Wir haben übrigens weder das eine noch das andere Buch auf einer der einschlägigen illegalen eBook-Download-Plattformen finden können, wohl aber einige der vermeintlich “geschützten” eBooks aus der Longlist. [Update 17:45 Uhr: Bei Beam eBooks sind auch die beiden Jung-und-Jung-eBooks sowie “Nie mehr Nacht” kopierschutzfrei erhältlich – bei Weltbild sind diese drei Titel mit Adobe DRM versehen. Bemerkenswert. /danke Christoph ]

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Der Artikel "Buchpreis-Kandidaten als eBooks: teuer, nicht verfügbar, DRM" wurde am 15. August 2013 (Donnerstag) um 16:32 Uhr von geschrieben. Johannes Haupt (Xing / Twitter) ist Chefredakteur und Herausgeber von lesen.net.

7 Antworten auf Buchpreis-Kandidaten als eBooks: teuer, nicht verfügbar, DRM (zum Thread im Forum)

Chräcker Heller 15. August 2013 um 17:48 Uhr

Das mit dem fehlendem (nennenswertem) Preisnachlaß kann ich noch verschmerzen. Ich finde die Preise der Neuveröffentlichungen nur “an sich” als zu hoch. Diese Denke, in der ersten Abverkaufszeit X den Preis mittels festem Pappdeckel hoch ansetzen, danach mittels dünnerem Pappdeckel niedriger, halte ich heutzutage in den Zeiten des Netzes für überholt. Lese ich HEUTE eine mir zusagende Empfehlung, dann möchte ich HEUTE das Buch kaufen. Ich schreibe mir doch keine eigene Warteliste, um dann die jeweilige Taschenbuchausgabe ab zu warten. Und kommen die betreffenden Bücher dann eines Tages als Taschenbuch (und somit auch günstigerem eBook) raus, dann lesen wir doch längst schon (wieder) woanders. Die positive Buchempfehlung ist dann doch länsgt vergessen.

LG 17. August 2013 um 15:52 Uhr

Es ist mir auch schon aufgefallen, dass die gleichen Ebooks bei manchen Plattformen mit und auf anderen ohne DRM verkauft werden.

Und immer heißt es, der Verlag würde das vorschreiben. Da kann doch was nicht stimmen, oder?

mausilein 17. August 2013 um 18:31 Uhr

Besten Dank für diesen interessanten Artikel. Eigentlich wollte ich mir gerade ein Indie-Buch für 99 Cent downloaden. Aber dann ist mir eingefallen das ich bei meinen Gadgets ja auch Wert auf Qualität lege, warum also nicht bei meinen Büchern? Ich werde mir mal drei Bücher aus der Longlist kaufen und da mal reinschnuppern. Oder ich schaue mal besser ob es die nicht in der Onleihe meiner Bücherei zum Ausleihen gibt.

finanzer 18. August 2013 um 21:32 Uhr

Das mit der unterschiedlichen Behandlung von DRM liegt an den Portalen, die ignorieren schlicht was sie von den Distributoren übergeben bekommen. Wir vertreiben unsere Bücher bei Weltbild über Libreka und wollen kein DRM. Dennoch sind die Bücher bei Weltbild mit DRM versehen. Vermutlich ist das denen zu mühselig eine Lösung zu implementieren, die zwischen den Wünschen der Verlage differenziet. Also wird kurzerhand DRM draufgeklatscht, egal ob gewünscht oder nicht.

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