iqd logo

RSS-Abo: Newsfeed | Kommentare | E-Mail

E-Book-Wüste Deutschland [Studie]

25.3.2013 - von - Debatte eBook News Topnews 6 Kommentare

Dass der deutsche E-Book-Markt im Vergleich zum angloamerikanischen Raum in den Kinderschuhen steckt, ist allgemein bekannt. Wie gewaltig der digitale Graben tatsächlich ist, offenbart eine neue Studie der E-Book-Plattform Bookboon.

40.337 Menschen aus 13 Ländern befragte Bookboon zwischen Dezember 2012 und Februar 2013 zu ihrem digitalen Leseverhalten, darunter 5.166 Deutsche. In einer ersten Auswertung werden sieben Länder miteinander verglichen: USA, UK, die Niederlande, Deutschland sowie die drei skandinavischen Länder Dänemark, Norwegen und Schweden (Bookboon sitzt in Dänemark und Großbritannien).

Gerätebesitz: Ausnahmeerscheinung E-Book-Reader

ereading device vorhanden
12% der befragten Deutschen gaben an, ein Tablet zu besitzen. In den USA, Großbritannien und den Niederlanden liegt dieser Wert mehr als doppelt so hoch (28-30%). Noch krasser ist die Schieflage beim E-Book-Reader-Besitz: 2,6% der Befragten nennen ein dediziertes Lesegerät ihr Eigen. In Großbritannien sind es 13,2% der Befragten, in der Kindle-Heimat USA gar 16%. Selbst dort besitzen aber nur 2,7% Tablet und E-Book-Reader – in Deutschland sollen es sogar nur 0,3% sein. Andere Studien kamen hier zu teilweise deutlich differierenden Ergebnissen.

ereading devices geplant

9,5% der befragten Deutschen planen für die nächsten 12 Monate die Anschaffung eines dedizierten Lesegeräts – ein bemerkenswert hoher Wert im Vergleich zu UK (3,6%) und den USA (1,9% – allerdings plus 7,6%, die im Zeitraum Tablet und E-Book-Reader kaufen wollen). Das bestätigt unsere Vermutung, dass Deutschland in Sachen dedizierte Lesegeräte noch “Nachkaufbedarf” hat und das Peak hierzulande noch nicht erreicht ist, auch wenn der weltweite Absatz aufgrund der hohen Durchdringung in den USA schon erreicht sein mag.

16% der befragten Deutschen wollen in den nächsten 12 Monaten ein Tablet kaufen. Demnach verfügen in 12 Monaten geschätzte 45% der Befragungsgruppe über ein mobiles Gerät zum Lesen von E-Books.

E-Book-Kauf: In Deutschland weithin unbekannt

ebook käufe

Bitter wird es bei einem Blick auf die Frage, wer momentan E-Books kauft beziehungsweise wer dies für die Zukunft plant. In den USA kaufen 27% der Befragten schon regelmäßig E-Books, in Großbritannien sind es 24% – in Deutschland gerade einmal 3,5%. Immerhin gaben 23% der Befragten an, innerhalb der nächsten 12 Monate mit kommerziellen E-Books anzufangen. Bookboon fragte auch nach dem Kauf- und Leseverhalten in drei Jahren, diese Werte scheinen aber doch arg spekulativ.

Pricing und Angebot ausbaufähig

30% der befragten Deutschen finden E-Books gegenwärtig zu teuer – dieser Wert bezieht sich allerdings nur auf Amazon.de-Kunden. Das sind mehr als in UK (17%) und den USA (12%) – dort gibt es mangels E-Book-Preisbindung allerdings auch immer wieder Dumping- und Sonderpreise, gerade auf Bestseller. Die “Unzufriedenen-Quote” ist sogar erstaunlich gering, beachtet man die häufig marginale bis nicht vorhandene Differenz zwischen Print- und E-Book-Preis, die für viele Lesefreunde nicht nachvollziehbar ist.

ebook haendler kaufe

Auch die Zufriedenheit mit dem E-Book-Sortiment ist in Deutschland grundsätzlich gegegeben – gerade einmal knapp 6% beurteilten das Angebot als schlecht (ebenfalls ausschließlich Amazon.de). In den skandinavischen Ländern sind es dagegen gut 40% der Befragten; Bookboon führt das auf einen Mangel an lokalisierten Titeln zurück.

grund nichtlesen

Danach gefragt, warum nicht digital gelesen wird, antworten die Deutschen höchst unterschiedlich. Wer ein Tablet sein Eigen nennt (37% geben das als Grund fürs Nicht-Lesen an), dem sind E-Books im Zweifel dann doch zu teuer (38%). 19% lesen nicht gerne auf einem Bildschirm, 14% bevorzugen aus unspezifizierten Gründen gedruckte Literatur und 16% finden “ihre” E-Books nicht. Eine Auswertung für E-Reader-Besitzer fehlt leider.

Amazon.de-Kunden besonders zufrieden – Trendwende mit Tolino?

kundenzufriedenheit

Höchst interessant ist die Aufschlüsselung zwischen den Kunden von Amazon.de und denen anderer E-Book-Stores. So sind Kindle-Nutzer durchweg zufriedener mit Pricing (trotz Buchpreisbindung! Grund ist wohl das Angebot kostenloser und günstiger Self-Publisher-Titel sowie gemeinfreier Bücher plus das subjektive Empfinden), Sortiment und ganz besonders mit der Zugänglichkeit digitaler Literatur. Es wird spannend zu sehen sein, ob sich dieser Wert mit dem Tolino Shine verändert – genau in diese Richtung ist das Gemeinschaftsprojekt von Thalia, Weltbild/Hugendubel & Co. konzipiert.

Zur Methodik der Studie: Die Umfrage führte Bookboon über seine Website und hierzulande über den Kooperationspartner semesterbooks.de durch, daneben gab es nach eigenen Angaben Straßeninterviews. Bookboon verlegt Sachbücher aus Wirtschaft und Wissenschaft sowie Reiseführer und bietet die E-Books auf seiner Website zum gratis Download an (über 8 Millionen E-Book-Downloads in Deutschland 2012), Geld wird vor allem mit Werbung verdient. Die Zielgruppe ist somit ohnehin schon recht digital-affin, Bookboon-Bücher werden allerdings derzeit noch üblicherweise über den PC gelesen.

Ähnliche Meldungen:

Zugeordnete Tags:

Der Artikel "E-Book-Wüste Deutschland [Studie]" wurde am 25. März 2013 (Montag) um 16:45 Uhr von geschrieben. Johannes Haupt (Xing / Twitter) ist Chefredakteur und Herausgeber von lesen.net.

6 Antworten auf E-Book-Wüste Deutschland [Studie] (zum Thread im Forum)

Juergen 26. März 2013 um 08:42 Uhr

Deutsche sind halt ein bisschen technikmuffelig.
Das war bei Handys nicht viel anders. Ich kann mich noch erinnern, dass anno 1999 noch Leute als Angeber bezeichnet wurden, die ein Handy nutzen.
Aber jetzt hat jeder Deutsche im Schnitt gefühlte 20 Handys im Schrank.
Holzbücher werden die Rolle von Schallplatten übernehmen.

Markus 26. März 2013 um 11:23 Uhr

“Holzbücher werden die Rolle von Schallplatten übernehmen.”
Geiler Satz mit leider falschem Ausdruck. Weder gibt es Holzbücher, wohl aber welche aus Papier, und auch wenn Papier aus Holz gewonnen wird, so ist ein Buch dennoch nicht aus Holz. So wenig wie ein Plastklöffel ein Öllöffel ist.
Außerdem schräg ist die Vorstellung, ein Buch, selbst wenn es regelgerecht aus Papier ist, auf den Plattenspieler zu legen, die Nadel aufzusetzen und zu erwarten, nun Musik hören zu können.
Herr Ober, bitte bringen Sie mir ein Kitzelbesteck, ich fühle mich belustigt. :-)

Gast 26. März 2013 um 13:39 Uhr

Zitat:
“Holzbücher werden die Rolle von Schallplatten übernehmen.”
Geiler Satz mit leider falschem Ausdruck. Weder gibt es Holzbücher, wohl aber welche aus Papier, und auch wenn Papier aus Holz gewonnen wird, so ist ein Buch dennoch nicht aus Holz. So wenig wie ein Plastklöffel ein Öllöffel ist.
Außerdem schräg ist die Vorstellung, ein Buch, selbst wenn es regelgerecht aus Papier ist, auf den Plattenspieler zu legen, die Nadel aufzusetzen und zu erwarten, nun Musik hören zu können.
Herr Ober, bitte bringen Sie mir ein Kitzelbesteck, ich fühle mich belustigt. :-)

Sorry, aber selten so einen hirnlosen und überflüssigen Kommentar gelesen!
Anstatt auf einzelne Begriffe “klugzuscheissen”, hätte man besser mal versucht, den Kontext zu verstehen.

Jürgen hat soweit recht, allerdings halte ich die Deutschen nicht unbedingt für Technikmuffel. Sie sind in der Mehrzahl eher kritisch oder misstrauisch. Dies macht Kaufentscheidungen etwas langsamer.

Ich glaube auch nicht, dass man sich an einzelne Zahlen festbeissen sollte. Der Trend bzw. die Tendenz ist zu sehen und es wird sich einpendeln.
Auch wenn es ein paar Monate länger dauert.
Soll halt jeder aufspringen, wann er möchte.

Bernd 30. März 2013 um 10:09 Uhr

Bei digitalen Produkten immer der Erste zu sein, ist eh nicht clever. Ausserdem assoziiert man in D ebooks mit Amazon. Und diese Fa. hat das Image eines Sklavenhändlers. Das mögen viele nicht… .

Jens 31. März 2013 um 14:24 Uhr

@Bernd: Die Debatte um die Amazon-Arbeitsbedingungen ist aber erst vor wenigen Wochen aufgeflammt und war m.E. insgesamt zu kurzlebig, um die langfristige Diskrepanz zu erklären.

Ich denke, dass hier einerseits die lange Zurückhaltung der Verlage eine Rolle spielt – es hat ewig gedauert bis deutschsprachige Top-Titel überhaupt als E-Books erschienen – und natürlich auch die Preispolitik der Verlage: Trotz Buchpreisbindung wäre es ja möglich, den Kostenvorteil der elektronischen Ausgabe an den Kunden weiterzugeben – statt dessen werden die Preise aber m.E. bewusst so hoch gehalten, dass der Absatz von Papierbüchern nicht zu weit angegriffen wird.

Dennoch: Inzwischen liest und kauft sogar meine 70-jährige Mutter viele ihrer Bücher auf dem Kindle – und ist sehr zufrieden…