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epub und kindle DRM entfernen: Vorsicht vor “gratis” Tools

25.6.2013 - von - eBook News Software 24 Kommentare

adobe drm entfernenDas Entfernen des DRM von Kindle Books wie epub E-Books ist populär, schränkt der Kopierschutz die Nutzbarkeit und das Handling von E-Books doch deutlich ein. Auf der Suche nach den richtigen Tools ist aber Vorsicht geboten: Mit einem falschen Klick fängt man sich schnell Viren oder Malware, auch Anbieter dubioser Software Suites wittern ein gutes Geschäft.

Die Mehrheit der Kindle Books ist ebenso wie die meisten aktuellen epub E-Books (8 von 10 der aktuellen Weltbild.de E-Book-Charts) mit “hartem” Kopierschutz versehen – Amazon und Apple setzen auf eigene Lösungen, “offene” E-Book-Stores arbeiten mit Adobe Adept. Kopiergeschützte E-Books haben eine ganze Reihe Nachteile: So ist zur Lektüre von verschlüsselten epub-Dateien eine extra Registrierung bei Adobe nötig, für die Verwaltung und Übertragung braucht man eigene Software wie die wenig intuitive Adobe Digital Editions, die Anzahl der nutzbaren Endgeräte ist eingeschränkt. Ein wesentlicher Knackpunkt ist die Nicht-Konvertierbarkeit, die insbesondere beim Wechsel des Ökosystems zum Fallstrick wird: Ohne Entfernen des DRM können bei Amazon.de gekaufte E-Books nicht auf Geräten geschmökert werden, die nicht zur Kindle-Familie gehören. Umgekehrt versteht sich der Kindle nicht mit epub-Dateien, einer Konvertierung ins mobi-Format steht der Adobe-Kopierschutz im Weg.

DRM entfernen: Das Geschäft der Tool-Anbieter

Der häufigste Weg führt Interessierte über Google. Bei einschlägigen Suchbegriffen stehen hier Infoseiten mit eindeutigen Namen wie epubdrmentfernen.com ganz oben, die zum Entfernen des harten Kopierschutzes von Kindle Books und epub E-Books einen Tool-Download anbieten. Anders als häufig suggeriert sind die angebotenen Programme (epubsoft, epubor und andere) allerdings nicht kostenlos: Tatsächlich handelt es sich um Shareware, die nach einer bestimmten Anzahl von Konvertierungen oder nach einer Testphase zur weiteren Nutzung eine Zahlung von meist 30-50 US-Dollar verlangen.

Die deutschsprachigen Seiten zum Thema gehören wohl nicht von den Tool-Anbietern selbst, sondern Werbepartnern (Affiliates), die pro Transaktion eine Umsatzvergütung in Höhe von bis zu 75% bekommen. Die hohe Ausschüttung ist auch dadurch möglich, weil die Technologie hinter der DRM-Entfernung gar nicht von den “Entwicklern” stammt, sondern dem kostenlosen DeDRM Calibre Plugin von Apprentice Alf entnommen und um ein simples GUI (Benutzeroberfläche) ergänzt sowie mit Preisschild versehen wurde. Die Tool-Anbieter, die selbst anonym bleiben (keine Kontaktseiten, anonym registrierte Domains), piraterieren hier also gewissermaßen. Da entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, dass die DRM-Entfernen-Tools selbst pirateriert werden, eine Google-Suche nach Softwarename + Crack spuckt Dutzende Seiten mit Scripts aus, die den Tools eine kostenpflichtige Entsperrung vorgaukeln.

Beim Besuch dieser Seiten ist allerdings höchste Vorsicht geboten: Die Meldung der von movie4k.to verbreiteten Malware ist nur das bekannteste Beispiel dafür, was einem im Internet-Untergrund blühen kann. Selbst der Blog von Apprentice Alf warnt beim Download des DeDRM Calibre Plugin davor, ja nicht auf “falsche” Download-Buttons (im Bild oben) zu klicken und sich somit unerwünschte Software einzufangen.

download

Entfernen von epub- und kindle-DRM in Deutschland illegal

Wer seine E-Books “befreien” möchte, braucht also zumindest anfänglich gute Nerven und eine gewisse Internetkompetenz, die sicherlich nicht bei jedem E-Book-Einsteiger vorhanden ist. Die Zwielichtigkeit des Angebots hat einen guten Grund: Das Entfernen von Kopierschutz ist in vielen Ländern illegal, so auch in Deutschland. § 95a UrhG ist hier eindeutig: “Wirksame technische Maßnahmen zum Schutz eines nach diesem Gesetz geschützten Werkes oder eines anderen nach diesem Gesetz geschützten Schutzgegenstandes dürfen ohne Zustimmung des Rechtsinhabers nicht umgangen werden (…)”.

Schlechte Werbung für E-Book-Kauf

Der Status Quo müsste eigentlich für alle unbefriedigend sein: Gerade technisch wenig beschlagene Leser verzweifeln beim Umgang vor allem mit Adobe DRM und fangen sich beim Versuch der Entfernung schnell Viren oder Malware ein – oder werden von dubiosen Geschäftemachern zur Kasse gebeten. Und Verlage und Händler vergraulen sich so genau die Lesefreunde, die derzeit für E-Books bezahlen. Nach negativen Erfahrungen mit gekauften DRM-E-Books könnte der nächste Titel direkt von einer E-Book-Warez-Seite bezogen werden, deren Files “von Haus aus” 100%ig DRM-frei sind.

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Der Artikel "epub und kindle DRM entfernen: Vorsicht vor “gratis” Tools" wurde am 25. Juni 2013 (Dienstag) um 12:11 Uhr von geschrieben. Johannes Haupt (Xing / Twitter) ist Chefredakteur und Herausgeber von lesen.net.

24 Antworten auf epub und kindle DRM entfernen: Vorsicht vor “gratis” Tools "> (zum Thread im Forum)

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    Basti 25. Juni 2013 um 12:58 Uhr

    Ist § 95a UrhG wirklich so eindeutig? Die “Wirksamkeit” aus dem Gesetzestext halte ich bei einem seit mehreren Jahren gebrochenen Verschlüsselungsverfahren für nicht gegeben. Ein höchstrichterliches Urteil zu diesem Thema steht nach meiner Kenntnis noch aus.

    Beim DVD-Schutz CSS sieht’s ähnlich aus: Seit langem ist bekannt, wie die DRM-Mechanismen funktionieren. Ausländische Gerichte (konkret Finnland) haben deshalb vor Jahren die Wirksamkeit von CSS explizit verneint.

    finanzer 25. Juni 2013 um 14:39 Uhr

    Wenn § 95a UrhG bei der Wirksamkeit verlangen würde, dass das Verfahren nicht oder nur sehr schwer gebrochen werden kann, dann bräuchte man den Paragraphen nicht, der die Umgehung verbietet, da dann ja nix umgangen werden würde.

    Mit Wirksamkeit ist nur gemeint, dass das Verfahren nur das hält was es verspricht, nämlich dass man nicht kopieren, nicht konvertieren kann oder das nicht machen kann was auch immer jeweils verhindert werden soll. Solange das Verfahren das macht, was ja beim E-Book-DRM unstreitig sein dürfte, dann ist dessen Umgehung verboten. Dabei spielt eben keine Rolle ob es schwer oder leicht zu umgehen ist.

    Stellt man sich hingegen ein DRM-Verfahren vor, dass zB durch Handauflegen vermeint dass Kopieren verhindern zu können und das selbstverfreilich nicht kann, dann darf man solch ein Verfahren umgehen (schlicht durch Ignorieren des Spinnerns), da das Verfahren nicht wirksam wäre.

    Basti 25. Juni 2013 um 16:34 Uhr

    finanzer, in der Tat beschreibt das Gesetz das, was es als “wirksam” bezeichnet, und in der Tat ist damit (vermutlich) etwas anderes als das gemeint, was wir intuitiv darunter verstehen.

    Die Übergänge sind imho aber fließend.

    Ist ein Mechanismus wirksam, wenn ich mit einem geeigneten (nicht gebrochenen) Public-Key-Mechanismus verschlüssele, den privaten Schlüssel aber niemandem verrate? Vermutlich ja, das ist das, was das Gesetz meint.

    Ist der Mechanismus wirksam, wenn ich den Schlüssel aber auf meiner eigenen Website veröffentliche? Eher nicht, oder?

    Ist er wirksam, wenn der Schlüssel zwar nicht bei mir, aber an tausenden Stellen auf der Welt veröffentlicht wird, Stellen, die eine Suchmaschine wie Google trivial findet?

    Ist er wirksam, wenn ich statt starker Verschlüsselung ein simples XOR vornehme?

    Ich halte es für bezeichnend, dass es zu diesen Themen eben gerade /keine/ umfassenden/abschließenden/höchstrichterlichen Urteile gibt; die sind nämlich für die Inhalts-Anbieter möglicherweise gar nicht erstrebenswert.

    Juergen 28. Juni 2013 um 17:29 Uhr

    Muss man über sowas berichten? Mal ganz ehrlich. Ich schreibe ja auch nicht über die neuesten Einbruchswerkzeuge.

    Aber trotzdem: DRM bringt nichts. Diebe hält es nicht ab und ehrliche Käufer werden sinnlos genervt.

    Pierrette 8. Juli 2013 um 15:50 Uhr

    Anfangs gab es auch verschlüsselte mp3-Songs zum runterladen (die heute keiner mehr anhören kann). Aber inzwischen kann man sie unverschlüsselt nach dem Kauf runterladen – offenbar ohne finanzielle Verluste für die Branche wie man so liest.

    Ich persönlich glaube, dass DRM-verschlüsselte Bücher vielleicht im Familien- und Freundeskreis weitergegeben werden, aber ein Printbuch macht ja auch die Runde – und kann wieder verkauft werden (oft teuerer als beim Einkauf, wenn es das neu nicht mehr gibt).

    Deshalb verstehe ich nicht, warum an diesem DRM so sehr festgehalten wird. Ich denke, viel mehr Leser würden sich diese ebooks ohne DRM kaufen und die Gewinnspanne ist doch wesentlich größer bei ebooks als bei Printmedien, da die Kosten des Drucks und Papiers eingespart werden würden.

    Ich kann Leser verstehen, die sich aufmachen, das DRM seines gekauften ebooks entfernen zu wollen, um es auf verschiedenen Medien (Smartphone, Tablet, PC usw.) immer dabei haben zu können. Es lebe Alf!

    KuXli42 29. Juli 2013 um 18:30 Uhr

    Die Angstmacherei vor DRM-Entfernungstools ist einfach zu durchsichtig. Bei sorgfältigem Nutzen der alf-Technik geht nichts schief. Anleitungen hierzu sind in diesem Forum aufgeführt und leicht zu befolgen. Also!

    Basti 28. August 2013 um 11:59 Uhr

    Also verboten ist das umgehen von einem Wirksamen Kopierschutz in Deutschland nicht. Jeder der sich auskennt, weiß, dass es zu einem Verbot eine Ahndung geben muss. Diese steht im § 98 UrhG

    Da steht eindeutig, dass man es nur eine Straftat ist, wenn es nicht zur ausschließlichen privaten Nutzung umgangen wird. Ein Lesefreund umgeht den Kopierschutz aber ausschließlich zur privaten Nutzung. Er wird also nicht bestraft. Da es keine Straftat ist. Somit wird er auch nicht von der Staatsanwaltschaft verfolgt oder von der Polizei!

    Strafbar ist also das gewerbliche Umgehen des Schutzes!

    Tennissandmann 31. August 2013 um 19:18 Uhr

    Nach 4 Wochen Besitzer eines EReaders und 3 Buecher mit DRM gekauft :
    viel zu umständlich, zu viele Fehlermeldungen , Zeitverschwendung,
    also doch lieber Papier.

    DRM-Hasser 23. September 2013 um 12:47 Uhr

    Mich nervt es besonders, da ich noch durch andere Dinge daran gehindert werde, mein Buch zu lesen. Ich bin blind und bediene meinen Computer mit einem Screenreader. Gestern habe ich mir ein Buch über C++ Programmierung für stolze 70 Euro gekauft. Das blöde ist jetzt nur, dass ich die Software Adobe Digital Editions zwar bedienen kann, die Zeilenumbrüche aber falsch an meinen Screenreader weitergegeben werden.

    Das heißt, dass die Zeilen unheimlich lang sind und das, was auf mehrere Zeilen unterteilt sein sollte, in einer steht.
    Bei Programmcode, der normalerweise Zeilenweise nur aus einem Befehl besteht, ist das unheimlich unpraktisch und für mich quasi nicht zu gebrauchen. Tja, was nu?

    Tja 4. Oktober 2013 um 02:33 Uhr

    Nun, wenn dir §95a UrhG gleich ist, sollte eindeutig sein, was zu tun wäre. Ob der Converter es

    1. Adobe darüber informieren. Dabei sei zu sagen, dass es an ADE liegen kann, aber nicht muss.
    Wir Software-Entwickler wollen so wenig Hürden für Benutzer aufstellen, wie möglich. (Dass ein Kopierschutz das so oder so ist, lasst mal außen vor. Für den eBook-Verleih zum Beispiel macht ja gar nix anderes Sinn.)

    2. Den Rechteinhaber ausfindig machen – Verlag, Autor – und ihn darüber informieren. Es kann auch an diesen liegen. Im Falle einer Bibliothek wäre es angeraten auch diese zu informieren.

    3. Beim Rechteinhaber auf deine besonderen Bedürfnisse aufmerksam machen und um eine Sondernutzungserlaubnis bitten, die dich das DRM entfernen lässt. (Falls das Problem mit anderer Software bzw. nach Konversion gelöst wäre.)

    4. Wenn das alles nix bringt, Buch zurückgeben und ein anderes suchen… -.-

    Thommy 24. Oktober 2013 um 22:11 Uhr

    @finanzer
    Dazu habe ich aber auch schon anderes gelesen. Bei Audio-CDs gab es z.B. einen Kopierschutz der nur gegriffen hat wenn man Autorun aktiviert hat. War das nicht der Fall oder hat man die SHIFT-Taste gedrückt wenn man die CD eingelegt hat so konnte man die CD problemlos rippen.

    Hier wurde in einem Artikel (war glaube ich von der ct) mal verneint dass es sich um einen “wirksamen Kopierschutz” handeln würde. Eine gewisse Hürde sollte er also wohl schon darstellen.