Von Johannes
Bertelsmann plant XXL E-Kiosk
Nachdem branchenfremde Unternehmen wie der E-Commerce Spezialist Amazon und das Mobilfunkunternehmen Vodafone schon seit längerem an digitalen Zeitungsläden stricken, kommt mit Bertelsmann nun (endlich) auch ein nativer Medienkonzern aufs digitale Parkett. Dabei backen die Gütersloher erwartungsgemäß nicht gerade kleine Brötchen, brauchen aber auch noch etwas Zeit: Bis die Plattform fertig ist, liegt wohl schon wieder Schnee in Deutschland.
Der Fachzeitschrift Horizont zufolge haben Verlage (sollten sie nicht ohnehin Bertelsmann gehören) zwei verschiedene Optionen, sich an dem Mammutprojekt zu beteiligen: Als verantwortliche Gesellschafter einer Servicefirma – dann ist Content-Exklusivität Pflicht – oder als Kooperationspartner, womit Publisher ihre Inhalte auch noch anderswo (Kindle Store, txtr Store etc.) anbieten dürften. Bertelsmann selbst ist über die 100%ige Tochter DPV GmbH im Boot, die mit ihrem etwas trashingen und angestaubten eReader-Blog bereits einschlägige Erfahrungen im Themenfeld vorzuweisen hat.
Hinsichtlich der Vertriebswege wird sich der Bertelsmann E-Kiosk nicht groß von Amazon und txtr unterscheiden: Angedacht sind Apps für Mobile-Betriebssysteme (iPhone, Android, …), Kooperationen mit Hardware-Herstellern bzw. der Vertrieb eigener gebrandeter Geräte sowie ein offener Online-Shop. Informationen zur konkreten Ausgestaltung (Devices, Preise, DRM) folgen zeitnäher zum Projektstart “spätestens zu Weihnachten”.
Dass es Bertelsmann ernst ist mit dem Einstieg ins E-Content Geschäft, zeigt die schon heute geplante Werbekampagne. Der Horizont spricht von “eine(r) der größten Kampagnen dieses Jahres (…) gemessen am Brutto-Mediavolumen”, um dessen Kreation derzeit vier Agenturen konkurrieren. Weil Bertelsmann große Teile des deutschen Pressefeldes beackert, muss man sich um die Publizität des Angebots sicherlich keine Sorgen machen. Im Wettstreit mit Konzernen wie Amazon, Apple und Google müssen die Gütersloher aber auch ein überzeugendes Gesamtkonzept auf die Beine stellen, um sich die Gunst der deutschen Leserschaft zu sichern.
<via Spiegel Online>
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