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Bücher selber digitalisieren

12.12.2009 - von - eBook News 4 Kommentare

diybookscanner2Wer einen liebgewonnen Roman oder Arbeitsliteratur auch in digitaler Form lesen möchte, ist weitgehend auf die Verlagshäuser angewiesen. Zwar sind die meisten aktuellen Fachbücher als eBook erhältlich und auch bei Belletristik wuchs das Angebot in den vergangenen Monaten enorm, immer noch klaffen aber Lücken in den Sortimenten. In jedem Fall müsste das Buch aber ein zweites mal und damit doppelt bezahlt werden.

Im professionellen Bereich kommen viele Tausend Euro teure automatische Scanroboter zum Einsatz, die für Privatanwender weder erschwinglich noch sinnvoll sind. Scannen auf dem heimischen Flachbettscanner bei anschließender automatischer Texterkennung ist möglich (und Quelle der meisten “raubkopierten” eBooks), allerdings relativ mühsam und zeitaufwendig. Für Bastler gibt es nun aber eine interessante Alternative.

diybookscanner_dsc9744Die Kollegen von Wired berichten über einen US-Studenten, der sich aus Material im Wert von nur 300 US-Dollar seinen eigenen Buchscanner zimmerte. Das Gerät besteht aus zwei Canon A590 Kameras, die Buchseiten auf einer Holz-Acryl-Konstruktion (teilweise aus Müllcontainern) abfotografieren. Für die richtige Beleuchtung sorgen zwei Lampen.

Geblättert werden muss händisch, ansonsten lassen Bedienkomfort und Qualität keine Wünsche offen. Besonders beeindruckend ist die Scangeschwindigkeit: Ein 400 Seiten starkes Buch lässt sich innerhalb von 20 Minuten digitalisieren. Professionelle Buchscanner brauchen doppelt so lange, weiß Teleread.

Damit die innovative Konstruktion kein einmaliges Hobbyprojekt bleibt, hat Entwickler Daniel Reetz eine detaillierte bebilderte Bauanleitung ins Netz gestellt. Auf DIYbookscanner.org gibt es neben Tipps außerdem eine Bildergalerie mit (teilweise alternativen) Nachbauten.

Auch mit diesen Konstruktionen bleibt die Digitalisierung von Text ungleich komplizierter als etwa von Musik oder Bildern. Für handwerklich interessierte Bibliothekare und stolze Besitzer großer Buchsammlungen sind die selbstgemachten Scanner aber sicherlich einen zweiten Blick wert, die Arbeitsgeschwindigkeit dieser Konstruktionen ist unerreicht.

Auf der anderen Seite haben diese kostengünstigen Maschinen ein großes “Missbrauchspotenzial”, über das sich auch Reetz bewusst ist. In Anleitung wie Video weist der Student auf die Vielzahl noch nicht digitalisierter gemeinfreier Werke hin, welchen private Buchscanner zum Sprung ins digitale Zeitalter verhelfen. Das Argument ist aber sicherlich eher Rechtfertigung als realistische Einschätzung der Verwendungszwecke: Im Regelfall dürften die Konstruktionen zumindest auch zur “digitalen Privatkopie” geschützter Bücher genutzt werden.

DIY Book Scanner Introduction and Motivation from Daniel Reetz on Vimeo.

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Der Artikel "Bücher selber digitalisieren" wurde am 12. Dezember 2009 (Samstag) um 14:48 Uhr von geschrieben. Johannes Haupt (Xing / Twitter) ist Chefredakteur und Herausgeber von lesen.net.

4 Antworten auf Bücher selber digitalisieren (zum Thread im Forum)

jazznrhythm 14. Dezember 2009 um 15:28 Uhr

Ich gebe es ganz ehrlich zu: Ich würde einige Bücher, die sich in meinem Besitz befinden gerne mal im eReader lesen, aber unterm Strich ist mir der benötigte Zeitaufwand dann doch zuviel. So sehr mich auch diese Lösung fasziniert. Aber ich hoffe mal darauf, das es andere Menschen genauso fasziniert.

Didi 18. Dezember 2009 um 21:05 Uhr

Über dieses Thema zerbreche ich mir auch schon seit geraumer Zeit den Kopf. Wie bekomme ich meine Holzsammlung in meinen Sony-Reader… Mit dem Scannen ist es ja leider nicht getan. Die PDf’s sind für e-Reader nur bedingt lesbar. Die beste Lösung war bis jetzt. PDF mit geeigneter Freeware (sprich calibre) ins epub-Format bringen. Leider sind die Ausfälle dabei recht hoch. Nach jeder Zeile ein Absatz etc…

Matt 29. Juni 2010 um 20:28 Uhr

Würde das gerne nachbauen, allerdings verstehe ich noch nicht, wie die beiden Kameras synchron gesteuert werden, und welche Software da im Einsatz ist.

Hat das vielleicht schon jemand nachgebaut?

Gibt ja auch mittlerweile günstige 12 Mio Pixel Digitalkameras.

Wäre dankbar für Infos.

Gruß
Matt

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