28. Oktober 2012 - Von Johannes
Dünne Kindle Leihbücherei öffnet in Deutschland
Der Einstieg von Amazon in den E-Book-Verleih fällt hierzulande wenig beeindruckend aus. In den Regalen der neuen Kindle Leihbücherei tummeln sich vorwiegend Self-Publisher. Damit ist auch das Preis-Leistungsverhältnis noch ein wenig schief.
Amazon.de hat seinen zur Frankfurter Buchmesse angekündigten Verleihdienst “Kindle-Leihbücherei” eröffnet. Deutsche Amazon-Prime-Kunden (Jahresgebühr: 29 Euro) können sich monatlich ein neues Kindle Book ausleihen. Leihfristen gibt es nicht (und entsprechend auch keine Säumnisgebühren), das E-Book gibt sich bei der Ausleihe des nächsten E-Books automatisch zurück.
Wenig Highlights und ein großer Haken
Amazon Deutschland spricht in seiner Pressemitteilung zur Eröffnung des E-Book-Verleihs von insgesamt 200.000 verfügbaren Kindle Books, darunter immerhin 8.500 in deutscher Sprache. Zum Verleih bereitstehende E-Books sind auf amazon.de mit einem “Prime”-Symbol gekennzeichnet. Eine Übersicht über alle ausleihbaren Titel gibt es auf der Website nicht – wobei sich Amazon wohl etwas gedacht hat, denn das Angebot ist abgesehen von “Leuchtturm-Titeln” wie den Harry-Potter-Bänden eher bescheiden.
Die Bestseller-Liste der deutschen amazon.de-Leihbücherei wird derzeit von fünf Self-Publisher-Titeln angeführt: Der 7. Tag von Nils Lubitsch (aktuell immerhin auf Platz 2 der “regulären” Kindle-Charts), Männer unerwünscht, Der Hundeflüsterer, Das Gesicht des Mörders und Dunkles Feuer. Das sind allesamt keine schlechten E-Books, das Prime-Angebot übt in dieser Form aber natürlich wenig Attraktivität aus – auch, weil die meisten Self-Publisher-Titel um die 3-Euro-Marke liegen und die Preisersparnis des Abo-Modells damit überschaubar ist. Immerhin schlägt jeder Leihvorgang rechnerisch mit 2,42 Euro zu Buche, lässt man den schnelleren Prime-Versand außer acht.
Dabei müssen die “Prime-E-Books” nicht nur zurückgegeben werden, sie haben gegenüber gekauften Kindle Books einen nicht zu unterschätzenden Nachteil: Geliehene E-Books können nur auf Kindle-Geräten gelesen werden (E-Book-Reader und Kindle Fire Tablets), nicht aber über Lese-Apps etwa auf iOS- oder Android-Geräten oder auf PC/Mac, räumt Amazon in seinem Hilfe-Bereich ein.
In den USA ist das Verleih-Angebot quantitativ (180.000 Titel) und auch qualitativ schon einen Schritt weiter – mehr als 100 aktuelle oder ehemalige New-York-Times-Bestseller locken die Kundschaft. US-Prime-Highlights wie The Hunger Games stehen deutschen Prime-Kunden leider nicht offen. Amazon Prime ist dort allerdings grundsätzlich etwas anders konzipiert: Der Premiumdienst kostet stattliche 79 US-Dollar jährlich, neben dem obligatorischen schnelleren Versand gibt es dafür aber auch eine ganze Reihe Gratis-Inhalte, etwa mehrere Tausend streambare Filme.
Angebot der Verlage besser, aber nichts für E-Ink-Leser
Ob die deutschen Großverlage auf den Kindle-Verleihzug aufspringen (und was für Anreize beziehungsweise Druckmittel Amazon hier noch in der Hinterhand hat), bleibt abzuwarten. Immerhin betreiben Random House und Holtzbrinck bereits einen eigenen E-Book-Verleih: Skoobe hat über 13.000 Titel im Angebot und im Vergleich zum deutschen Prime auch mehr Qualität. Das Angebot spieltmit 10 Euro Monatsgebühr (aktuell für unbegrenzt viele Titel, ab Februar 2013 2/Monat) aber in einer anderen Liga – aufs Jahr gerechnet ist Skoobe viermal teurer als Amazon Prime. Skoobe-Bücher können außerdem nur auf Tablets und Smartphones gelesen werden, E-Book-Reader bleiben außen vor. Schöne neue DRM-Welt.
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8 Kommentare
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28. Oktober 2012
15:02 Uhr
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SuseAnne schreibt:
Kein Wunder. Auch hier tun sich die deutschen Verlage wieder schwer. Der Deutsche Bibliotheksverband hat neulich die hohen Kosten für E-Book-Verleih-Lizenzen beklagt (verschärft noch durch eine höhere Mehrwertsteuer) und sich eine harsche Antwort vom Börsenverein eingehandelt.
Libreka, die börsenvereinseigene Tochter, bietet seit jüngstem E-Books zum Verleih an, die kaum unter dem Kaufpreis liegen.
Und jetzt Amazon? Die deutschen Verlage haben noch einen langen und schmerzhaften Weg vor sich.
29. Oktober 2012
17:33 Uhr
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Agent Orange schreibt:
Ich würde soweit gehen und behaupten: Der deutsche Buchtitel-Markt wehrt sich mit Händen und Füßen gegen die neuen Mechaniken und Möglichkeiten, die elektronische Leselizenzen und DRM mit sich bringen. Um sich ‘zu schützen’ bemühen sie stattdessen Mechaismen, die bei Printmedien funktionieren.
Amazons Leihbücherei ist – sehr gelinde formuliert – ein echter Witz, und zwar in jeder Hinsicht. Ein Vergleich mit dem amerikanischen Amazon-Markt ist hier wenig hilfreich. Denn dieser funktioniert offenkundig nach anderen Markt-Mechanismen. Immerhin haben eBooks dort drüben einen völlig anderen Stellenwert, weshalb Amazons Prime-Service dort schlicht funktioniert. Aber hier in der BRD? Ich sehe schwarz; Amazon wird dieses Angebot auf einige Zeit bereitstellen, aber vermutlich mittelfristig wieder einstellen. Denn dieser Prime-Service funktioniert nicht wegen einerseits des Konsumentenverhaltens und andererseits der ausbleibenden Moderne der Verlagshäuser.
30. Oktober 2012
12:30 Uhr
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Ad rem schreibt:
Es ist sicherlich nicht ganz korrekt, wenn man die “Denke” jenseits des Atlantiks mit in die Überlegungen einbezieht. Gleiches gilt sicher auch für die Marktgrösse bei englischsprachigen Büchern. Von daher wäre es falsch, einfach nur eine Schablone auf den deutschen Markt aufzuziehen.
Aber der US-Markt z.B. zeigt doch sehr gut, was technisch möglich ist – und das es funktionieren kann, weil Kunden es gerne annehmen.
Hier bei uns wären sicher sehr viele Kunden/Buchleser sowie auch Autoren bereit, auf den Zug der digitalen Lesewelt aufzuspringen. Man muss ja nicht digitalisiert lesen: man kann, wenn man möchte. Auch sind p- wie eBook parallell möglich.
Die Verlage allerdings “beschneiden” bewusst Abläufe, stutzen die “Denke” der deutschen Buchfreunde, nur um verlagseigene Pfründe abzusichern. Bevormundung anstatt Lösungen zu suchen/finden.
Die technischen Möglichkeiten könnten hier Vorteile bringen – für alle Seiten wohlgemerkt..
Allerdings lässt man dem Leser oder einem Autor keine oder nur wenig Möglichkeit, hier mitzuentscheiden. Erst ein quasi-Boykott oder ein Aufbegehren gegen die Verlage wird wohl ein Umdenken ermöglichen. Wobei aber hier sicher wieder die Lobbyisten und Juristen einen Prozess so verzögern werden, dass die deutsche Medienlandschaft nur verlieren kann.
Was viele wohl irgendwie übersehen: der eBook-Markt wird nie 100% erreichen, sondern m.E. in den nächsten 5 bis 15 Jahren lediglich ein kleinen bis mittleren Part in der Buchlandschaft spielen. Ihn also zu bekämpfen, wird langfristig mehr Schaden anrichten, als der Versuch, eBooks ernsthaft in das etablierte Geschäft zu integrieren.
Anstatt sich darüber zu freuen, dass immer mehr Interessse am Kulturgut Buch/Literatur finden, soll plötzlich ein leichter Zugang verhindert werden. Und das von denen, die jahrelang angeblich dafür gekämpft haben? Sehr denkwürdig!
Wirtschaftliche Interessen und Kultur müssen sich nicht ausschliessen. US-Unternehmen zeigen, dass man trotz Öffnung und Innovation Geld verdienen kann (mal losgelöst von Pro&Contra). Mehr noch, sie zeigen auch, wie leicht man als Dinosaurier vom Aussterben bedroht sein kann!
1. November 2012
10:30 Uhr
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Samy schreibt:
skobie ist mist. Würde ja evtl. auf meinen gerooteten T1 gehen (oder einem gerooteten T2 bzw. Nook) aber nein.
10 Euro im Monat für 2 Bücher.. Und 13.000 Titel hat so manche Onleihe auch im Angebot dazu noch Filme, Musik etc. Okay da muss man evtl. warten und hat eine Leihfrist. Aber man kann mehrere Bücher gleichzeitig ausleihen und zahlt zwischen 10-30 Euro im Jahr!! Ich zahle etwa 30 Euro für meine 3 Onleihen und hab damit mehr Bücher zur Auswahl als bei Skoobie….
26. November 2012
21:16 Uhr
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Paule schreibt:
Wir nutzen ein Skoobe Abo seit 3 Monaten zu zweit,mit iPad iPhone und Sony xperiaT. Vorher haben wir im Monat ca 3-4 Bücher gekauft, die Regale sind voll, in der Wohnung und im Keller. Es gibt nichts vergleichbares für mich,hoffe das es auch nach März nächsten Jahres ein derartiges Angebot aktueller Belletristik gibt.
30. Januar 2013
22:50 Uhr
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njordewind schreibt:
Hallo,
ich erlaube mir, in diesem Zusammenhang auf meine Website http://kindle-neuerscheinungen.de zu verweisen, auf der die Neuerscheinungen für kindle nach Preisklassen, Ausleihbarkeit und Gratisbooks gegliedert sind. Auf Wunsch verlinke ich von dort gerne auch auf lesen.net (Mail genügt).