Von Johannes
Issuu: Magazine und mehr
“Digitales Publizieren” heisst bei Issuu mehr als bloßes Sharing von Dokumenten. Die Ende 2007 online gegangene US-Plattform (mit wachsendem deutschsprachigen Angebot) möchte sich über die Präsentation der Inhalte erkennbar von Konkurrenten wie Scribd abgrenzen.
Dabei gibt es viele Gemeinsamkeiten: Auf beiden Portalen werden die Dokumente im Browser dargestellt, können aber auch (zumeist im pdf-Format) gedownloadet werden. Die Betreiber von Issuu haben sich aber deutlich mehr mit im digitalen Raum gegebene Darstellungsformen beschäftigt.
Die Inhalte – hauptsächlich periodische Titel von Tageszeitungen bis zu Fachzeitschriften – nehmen im Anzeigemodus fast den gesamten Bildschirm ein. Mit einem Klick kann ins Dokument gezoomt und sich darin bewegt werden. Hochauflösende Fotos (wie in diesem Bildband über Uruguay) kommen viel besser zur Geltung als auf Portalen, die den Fokus eher auf den Austausch von Dokumenten legen.
Publisher können bei Issuu ihre digitalisierten Dokumente mit Links zu versehen. Das niedersächsische Lokalmagazin Subway beispielsweise macht davon bereits in großem Umfang Gebrauch. Nur eine Frage dürfte es sein, bis bewegte Bilder in die “Online-Zeitschriften” eingebettet werden können. Eine Musikreportage – im gedruckten Heft mit einem Foto der Band bebildert – ließe sich bei Issuu mit einem Musikclip viel besser illustrieren.
Ein Bezahlsystem hat der Dienst im Moment noch nicht, dürfte aber nur eine Frage der Zeit sein. Aktuell stellen die Verlage vielfach nur (im Umfang) abgespeckte Ausgaben ihrer Publikationen bei Issuu ein, verweisen für die komplette Ausgabe auf den Print-Titel. Bei Special Interest Angeboten wie einem Nano-Magazin wäre die Online-Distribution langfristig aber sicherlich der lukrativere Weg.
Für die Befüllung gängiger eReader ist Issuu – noch – nicht erste Wahl. Die visuelle Kraft, im Browser-Viewer die große Stärke des Portals, verblasst bei der Darstellung auf einem kleinen e-ink Display. Einzig der Amazon Kindle DX ermöglicht ein akzeptables Leseerlebnis. Erst mit der Einführung von großflächigen Lesegeräten wie dem Plastic Logic Reader (Anfang 2010) und farbigen eReader-Displays (2011) könnte die Lektüre von Magazinen und Zeitungen auch auf eBook Readern wirklich interessant werden.
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24. Juni 2009
15:05 Uhr
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Hans-Jörg schreibt:
Solche Angebote sind sicherlich ganz wunderbar und man kann groß “Web 2.0″ drauf schreiben. Dass bei mir die Begeisterung ausbleibt, liegt wahrscheinlich an meinem fortgeschrittenen Alter. Wenn ich im Web publizieren will – mit Audio und Video, wie es im Artikel als Zukunftsvision genannt wird -, kann ich das mit HTML bereits seit vielen Jahren. Derlei Bemühungen, einen Zwischenschritt zum Printprodukt (PDF) für den Bildschirm tauglich zu machen, dürften immer eine mit Eye-Candy geschmückte Krücke bleiben.
24. Juni 2009
17:14 Uhr
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Johannes schreibt:
Hallo Hans-Jörg,
als exklusive Publikationsform sehe ich Dienste wie Issuu auch eher nicht. Aber im Vergleich zum “klassischen” ePaper im Acrobat Reader ist die Zugänglichkeit über einen solchen Dokumentenviewer doch schon erheblich besser. Hinzu kommt die wegfallende Bindung an ein Endgerät.
Zu Multimedia: Bei Spiegel Online gibt es schon heute zu vielen Themen (Agentur- und selbstproduzierte) Videos, die auch im gedruckten Heft behandelt und da natürlich nur mit Fotos illustriert wurden. Das Bild im ePaper durch ein Video zu ersetzen, wäre naheliegend.
Ciao
Johannes
25. Juni 2009
01:04 Uhr
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Tapio Liller schreibt:
@Hans-Jörg: Ich sehe das ähnlich wie Johannes, diese Art Online-Publishingdienste sind sicher nicht als Ersatz für HTML gedacht. Eher schon als schnell und einfach zu bedienender Viewer für bestehende Inhalte. Man könnte ja zum Beispiel ganze Back-Kataloge von Magazinen online stellen oder Unternehmen könnten Gebrauchsanleitungen von Produkten publizieren etc.
@Johannes: Das Thema embedded Video in der Publikation hat der mehrsprachige Dienst Calaméo (http://de.calameo.com) schon gelöst. Da kann man entweder Flash oder YouTube-Videos an definierte Stellen in der Publikation einbinden. Audiotracks gehen auch. Das bietet auch Designern neue Möglichkeiten einerseits “magazinig” zu gestalten, andererseits multimedial anzureichern.
(Disclosure: Ich kümmere mich für Calaméo um die Öffentlichkeitsarbeit und um Community Relations in Deutschland und twittere unter @calameo_de.)
25. Juni 2009
08:36 Uhr
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Hans-Jörg schreibt:
@Tapio: Ja, so wie du es beschreibst, macht es schon Sinn: Für den Rechteinhaber ist es für eine Zweitverwertung sicherlich attraktiv, für mich als Privatsurfer wäre aber eine ordentlich aufbereitete HTML-Seite mit den gleichen Inhalten, die sich meiner Fenstergröße anpasst und wo ich die Schriftgröße selbst wählen kann, deutlich komfortabler, deshalb kein Jubel von mir, zumal ich trotzdem ein schlichtes PDF, das ich ebenso schnell im Browser öffnen oder bei Bedarf um 90° gedreht im Vollbildmodus betrachten kann, vorziehen würde. Flash-Inhalte sind nun schon einige Zeit in PDFs möglich.