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15. Dezember 2010 - Von Johannes

Japan: Viel Piracy im iBookstore

eBooks

ibooks1Amazon ist in diesen Tagen nicht der einzige Konzern, dem problematische Inhalte seines Online-Buchladens zu schaffen machen. Konkurrent Apple hat sich Ärger mit einem großten Teil der japanischen Buchindustrie eingehandelt. Die Lobbyverbände der Buch-, Comic- und Zeitschriftenverlage Japans beschuldigen Apple in einer gemeinsamen Presseerklärung (Google Translate), einem massiven Piracy-Problem im App Store sowie im iBookstore weitgehend tatenlos zuzusehen.

Bei den piraterierten eBooks handelt es sich nicht etwa um unscheinbare Backlist-Titel mit unklarer Rechtelage; statt dessen sind (auch) topaktuelle Bestseller wie Haruki Murakamis 1Q84 im japanischen App Store/iBookstore zu finden, ohne dass die dortigen Rechteinhaber auch nur einen Cent der mit ‘ihren’ Werken erzielten Umsätze zu sehen bekommen.

Doch Apple wird nicht nur eine mangelhafte Prüfung eingereichter Inhalte vorgeworfen. Selbst gemeldete illegale eBooks würden von Apple zumeist (!) in den Stores belassen, so die Lobbyverbände in ihrer Pressemitteilung. Apple hat bereits auf die Vorwürfe reagiert: Man nehme den Schutz geistigen Eigentums ernst und werde sich zeitnah mit den Beschwerden beschäftigen, so das Unternehmen aus Cupertino.

Der Vorgang mutet fast unglaublich an, immerhin gilt der App Store als meistbehüteter und am härtesten reglementierter Online-Marktplatz überhaupt. Entsprechend hat sich Apple in der Vergangenheit öfters Kritik über zu rigide Zulassungsregeln anhören müssen; wirklich problematische Inhalte (wie Lese- und Hörbuchapps mit Mussolinireden und Hitlers Mein Kampf) waren bislang die absolute Ausnahme.

Dass Apple in Japan offenbar weitgehende und systematische Copyrightverstöße  mehr oder weniger von der Seitenlinie betrachtet hat, ist da schon erstaunlich – dass das Unternehmen im Problemfall schlecht bis überhaupt nicht erreichbar war, dagegen nicht. Der App Store Betreiber hatte in der Vergangenheit freilich durchaus gute Gründe dafür, die Füße still zu halten – auch von illegalen Apps bekommt das Unternehmen natürlich 30% Umsatzbeteiligung. Mit der durch die beispiellose gemeinschaftliche Presseerklärung praktisch der gesamten organisierten Buchindustrie eines Landes erzeugten Publicity zahlen die Strategen in Kalifornien nun aber auch einen hohen Preis für ihre Nachsichtigkeit.

<via AFP & buchreport>

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Der Artikel "Japan: Viel Piracy im iBookstore" wurde am 15. Dezember 2010 (Mittwoch) um 11:47 Uhr von Johannes geschrieben. Johannes Haupt (Xing / Twitter) ist Chefredakteur und Herausgeber von lesen.net.

3 Kommentare

Was sagst du dazu?



  1. 15. Dezember 2010
    13:07 Uhr

    Permalink

    Thomas Knip schreibt:


    Apple setzt halt die Prioritäten anders: nackte Haut ist eben viel heikler als geduldete Urheberrechtsverletzungen.



  2. 15. Dezember 2010
    19:11 Uhr

    Permalink

    SkyDream schreibt:


    Ich frage mich warum Apple in Japan dann nicht wegen Verkauf von Raubkopien (oder so) angeklagt wird ? Sollen die doch Apple vor Gericht zerren. Anscheinend wird nur reagiert wenn der Staatsanwalt vor der Tür steht. Bis dahin regiert das Geld vor Copyright. Aber wehe jemand verkauft irgendwelche Schwarzkopien von Apple-Produkten…


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