25. Oktober 2009 (Sonntag) - von Johannes
Kindle: PC-Software, aber keine deutschen Bücher
“Kindle for PC” heißt die Software, mit der Amazon den Sprung auf den Desktop schaffen will (genau genommen ist man hier bereits über Stanza Desktop präsent, allerdings ohne Verknüpfung zum Kindle Store). Über das schon im November erwartete Leseprogramm lassen sich Kindle Books auch am heimischen Rechner lesen. Plattform-typisch synchronisisiert das Tool Literatur, Lesezeichen und Notizen automatisch mit dem Amazon.com Account und anderen Lesegeräten.
Die kostenlose Software ist nach Veröffentlichung der iPhone-App ein weiterer Schritt in Richtung Öffnung der zu Beginn äußerst engen Verbandelung von Amazon Kindle 2 und Kindle Store. Im Juni kündigte Amazon-Chef hier eine deutlich liberalere Produktpolitik an – mehr unterstützte Dateiformate von Kindle-Lesegeräten eingeschlossen. Deutsche Kindle-Nutzer würden davon besonders profitieren.
Denn momentan ist nicht absehbar, dass das noch äußerst spärliche deutschsprachige Angebot im Kindle Store (knapp über 1.000 Public Domain Titel) auf absehbare Zeit nennenswert wachsen wird. Anders als txtr, die hierzulande alle bedeutenden Verlage im Boot haben, stehen bei Amazon entsprechende Verhandlungen aktuell nicht auf der Agenda.
Was nach bislang eher zurückhaltenden Reaktionen auf Verlagsanfragen schon zu vermuten war, hat nun Amazon-Deutschlandchef Ralf Kleber bestätigt: “Der Kindle ist ein englischsprachiges Gerät”, Ziel sei es vorerst, englischsprachige Inhalte zu vertreiben. Das diktierte Kleber am Freitag einem Kollegen der dpa in den Notizblock.
In Deutschland wolle man zunächst die große Gruppe anglophiler Lesefreunde bedienen, deutschsprachige Inhalte “wollen wir gar nicht in den Vordergrund stellen.” Bei der Konkurrenz wird man das mit Genugtuung hören, wildert der US-Marktführer damit hierzulande doch zunächst erklärter Maßen in einer überschaubaren Marktnische.
Langfristig wird das Unternehmen aus Seattle aber ein gewichtiges Wort beim Kampf um die Gunst des (digitalen) deutschen Normallesers mitreden wollen, auch daraus machte Kleber keinen Hehl. Bis dahin muss der jüngst reduzierte Kindle 2 ganz konventionell via USB-Kabel mit eBooks in deutscher Sprache befüllt werden. Über entsprechende kostenlose wie komerzielle Angebote in vom Kindle 2 unterstützten Dateiformaten informieren wir in den nächsten Tagen mit einer Übersicht.
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Der Artikel "Kindle: PC-Software, aber keine deutschen Bücher" wurde am 25. Oktober 2009 (Sonntag) um 12:56 Uhr von
Johannes geschrieben.
Johannes Haupt ist Chefredakteur und Herausgeber von lesen.net.
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25. Oktober 2009
14:01 Uhr
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Jazznrhythm schreibt:
Ich vermute jetzt einfach mal, das die Zurückhaltung bei deutschen Inhalten in den Aussagen von Amazon, eher etwas damit zu tun hat,das es aktuell noch keine internationalisierten Geräte gibt, in den entsprechenden Sprachversionen und Layouts in der Produktion sind oder vorliegen. Ebenso ist sicherlich die hiesige Distribution inkl. Garantieabwicklung etc. noch in der Vorbereitung, da man wohl auch in Deutschland (wie auch sonst auf der Welt)nicht auf diese überstürzte Aktion gefasst war. Das Ganze liest sich derzeit wie ein Beschwichtigen und Abwerten, damit kein Boom mit Supportanfragen bzgl. einer lokalisierten Soft- und Hardwareversion eintritt. Ob die hiesigen Verlage das Amazon-Format unterstützen wollen, und damit in eine Art Abhängigkeit zu Amazon treten, die wiederum möglichst viel Einfluss auf den Preis haben wollen, ist noch eine ganz andere Geschichte. Ich vermute, im Zeitungs- und Zeitschriftenbereich könnte man sich da vielleicht noch am ehesten darauf einlassen, aber im normalen Belletristik-Bereich dürfte TXTr oder alle Varianten von Libreka bis Thalia, die bessere Wahl bleiben, weil man sich nicht von einem Distributor abhängig macht. Lustige Situation. Würde mich mal interessieren, ob sich in anderen Ländern auch lokale Start-Ups an das Thema ranwagen und Amazon mit epub Paroli bieten wollen. Wäre das so, dann könnte ich mir vorstellen, das Amazon irgendwann auf epub einlenken muß :-)
26. Oktober 2009
12:52 Uhr
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Sven schreibt:
Du hast einen wichtigen Punkt vergessen: Die Software kommt nur für Windows raus. Die lese starke Linux Gemeinde wird hier außen vor gelassen. Logisch begründen kann ich das nicht, da es heutzutage kein Problem mehr ist eine neu geschriebene Software Plattform übergreifend zu gestalten.
Aber vermutlich passt Windows weit besser zum proprietären Verhalten von Amazon.
3. November 2009
13:41 Uhr
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Tat schreibt:
Ich verstehe den ganzen Wirbel um dieses neue Leseprogramm für den PC irgendwie nicht. Ist es nicht so,dass man beispielsweise auf buecher.de schon eBooks auf dem PC lesen kann? Was bringen mir die ganzen englischen eBooks und wieso fixieren wir uns so aufs Ausland wenn’s in Deutschland schon tolle Seiten für eBooks (auf deutsch) gibt? Gerade gestern habe ich mir Perry Rhodan umsonst auf buecher.de runtergeladen und auf meinem PC gelesen. Was macht denn Amazon jetzt anders? Ich bin verwirrt und wäre dankbar für Antworten. Lg