15. Januar 2010 (Freitag) - von Johannes
Kindle-Plattform öffnet sich deutschen Publishern
“Der Kindle ist ein englischsprachiges Gerät”, kommentierte der Amazon Deutschlandchef im Oktober das bislang äußerst spärliche Angebot an deutschsprachiger Literatur. Unter den aktuell fast 340.000 eBooks im europäischen Kindle Store befinden sich gegenwärtig nur wenige gemeinfreie Titel in deutscher Sprache. Das dürfte sich in den nächsten Wochen grundlegend ändern: Amazon ermöglicht es ab sofort auch deutschen Autoren und Verlagen, ihre Inhalte auf einfache Weise in den Kindle Store einzustellen.
Auf Amazons Digital Text Plattform (DTP) können von nun an auch Deutsche (und Franzosen) eigene Inhalte einstellen und über den Kindle Store in über 100 Länder verkaufen, gab das Unternehmen heute via Pressemitteilung bekannt. Genutzt wird die DTP mit einem internationalen Amazon.com Account; bislang war das Angebot “US-only”.
Ein simples Backend (Screenshot) steht Publishern zur Eingabe relevanter Daten zur Verfügung. Mit Upload der Dokumente, Bestätigung des eigenen Copyrights und Festsetzung von “empfohlenen Verkaufspreisen” gehen Inhalte in eine kurze (Kontroll-)warteschlange, bevor digitale Bücher auf Amazon.com und in den mobilen Kindle-Stores geschätzter rund 1,5 Millionen Lesegeräten und etlicher iPhones sicht- und kaufbar werden. Außerdem haben Publisher die Wahl, ob ihre Inhalte mit DRM versehen werden sollen.
Zum Pricing der im Kindle Store eingestellten eBooks gibt es in den Nutzungsbedingungen einen interessanten Passus: Amazon untersagt nicht nur einen höheren Verkaufspreis des Kindle Books im Vergleich zur günstigsten Print-Ausgabe; auch in digitaler Form darf das hochgeladene eBook nirgendwo günstiger zu haben sein als im Kindle Store. Im Origital:
The List Price does not exceed the lowest of: (a) the lowest suggested retail price or equivalent price for any digital or physical edition of the Digital Book; (b) the lowest price at which you list or offer any digital or physical edition of the Digital Book on any website or other sales channel; and (c) any maximum List Price we provide from time to time in the Program Policies.
In Anbetracht des eher mageren Revenue Shares (Amazon spricht von “Royalty”) von 35% des Verkaufspreises für den Publisher ist das Angebot momentan in Deutschland von mäßiger Attraktivität. Während die Kindle-Plattform in den USA über 60% Marktanteil hat und Autoren entsprechend viel Geld mit ihren dort eingestellten eBooks verdienen, teilen sich den (noch weitgehend unerschlossenen) deutschen Markt viele verschiedene Anbieter.
Am Kindle Store käme man also – noch – vorbei. Gerade verlagslose Hobbyautoren sollten die DTP aber schon heute eines zweiten Blicks würdigen, auch wenn die Kindle-Verbreitung in Deutschland noch überschaubar ist. Als ergänzender Publishing-Kanal zu reinen Online-Plattformen wie Xinxii (wo 70% ausgeschüttet werden) ist Amazon sicherlich keine schlechte Wahl, geringere Erlöse pro verkauftem eBook könnten sich durch größere Stückzahlen ausgleichen.
Für Kindle-Käufer der ersten Stunde bleibt die Hoffnung, dass das Angebot an deutschsprachigen Inhalten nun endlich wächst (nachdem sich Amazon Anfangs auf deutsche Verlagsanfragen tot stellte). Die breite Auswahl im txtr Store ist Beweis genug dafür, dass auch deutsche Verlage offen für Plattformlösungen sind – allerdings vielleicht nicht zu den Bedingungen vom Unternehmen aus Seattle.
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Der Artikel "Kindle-Plattform öffnet sich deutschen Publishern" wurde am 15. Januar 2010 (Freitag) um 16:55 Uhr von
Johannes geschrieben.
Johannes Haupt ist Chefredakteur und Herausgeber von lesen.net.
10 Kommentare
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15. Januar 2010
17:23 Uhr
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Matt schreibt:
“(Amazon spricht von “Royalty”)”
Als Royalties werden allgemein Zahlungen von Lizensnehmer zu Lizensgeber bezeichnet.
In dem Falle kriegen die Autoren (Lizenznehmer) für die Nutzung von Amazon (Lizenzgeber) eben eine Royalty von 35%. ^^
Ich wollte nur zur allgemeinen Allgemeinbildung beitragen und anmerken das dieses Wort keine Schöpfung von Amazon ist (wie man vermuten könnte).
Ansonsten weiter so, tolle Seite!
15. Januar 2010
17:25 Uhr
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Matt schreibt:
Verdammte Axt, wieso kann man hier nicht Editen… -.-
;D
So muss es heissen:
In dem Falle kriegen die Autoren (Lizenzgeber) von Amazon (Lizenznehmer) eben eine Royalty von 35%, dafür das Amazon die Bücher verkaufen darf. ^^
15. Januar 2010
17:32 Uhr
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Johannes schreibt:
Wieder was gelernt, danke für die Info!
Ciao
Johannes
15. Januar 2010
17:34 Uhr
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Jazznrhythm schreibt:
Für den Selbstverlag vom Autor ist das durchaus interessant, aber ansonsten…
15. Januar 2010
20:36 Uhr
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Horst schreibt:
Das werde ich doch glatt mal probieren. Immerhin habe ich die digitalen Rechte explizit nicht beim BoD-Verlag abgegeben. Allerdings ist das mittlerweile eine Standardpassage im Autorenvertrag, die nicht entfernt werden kann. Da werden wohl einige Autoren darüber stolpern.
16. Januar 2010
23:40 Uhr
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Melvenue schreibt:
Interessante Geschichte, werde ich in Zukunft mit Sicherheit im Auge behalten. Vor allem die Möglicheit der Selbstvermarktung – nicht schlecht!
17. Januar 2010
14:07 Uhr
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Thomas Knip schreibt:
Ich habe jetzt einmal ein erstes Sortiment von mir eingestellt und beobachte, wie sich die Verkäufe entwickeln.
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