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eBooks ● eReader ● eCommerce


4. April 2010 - Von Johannes

Lesetipp: “Autoren sind die Gewinner”

Debatte eBooks

800px-anne_chapet_2008Mitten im Trubel um den iPad-Rollout publizierte die Journalistin und Krimiautorin Cora Stephan (alias Anne Chaplet) einen kontroversen Artikel in der Neuen Züricher Zeitung, in welchem sie der gesamten deutschen Buchbranche zwanghafte Schlafmützigkeit beim Thema “eBooks” vorwirft und insbesondere Autoren in derem eigenen Interesse zum Handeln aufruft. Statt sich von den Furchtappellen rund um Raubkopien, Preisverfall und Monopolbildungen anstecken zu lassen, sollten Schriftsteller die sich bietenden Chancen ins Auge fassen – mit oder ohne ihre Hausverlage.

Würden Autoren ihre eBooks konventionell über Großverlage publizieren, brächte ihnen das selbst bei gleichen Preisen kaum Vorteile. Grund: Die Verlagshäuser müssten weiterhin Fixkosten für den Print-Vertrieb tragen, hinzu komme meist ein großer Verwaltungsapperat. Reine eBook-Verlage oder “wendige Agenten” seien da flexibler, entsprechend machten Schriftsteller dort einen besseren Schnitt und könnten ihre eBooks ganz nebenbei günstiger an den Markt bringen (woraus sich wiederum höhere Umsätze ergäben).

kindle-2.jpgFür erfolgreiche Autoren sollte auch die Publikation im Eigenverlag kein Tabu sein: Amazons Digital Text Plattform sowie der App-Store von Apple machen die Veröffentlichung zum Kinderspiel. Dass sich trotz Preiskrieg zumindest für die Autoren gutes Geld verdienen lässt, verdeutlicht Stephan im heutigen Sonntagsgespräch mit dem Fachmagazin Buchmarkt mittels einer einfachen Rechnung: “10 Prozent vom Ladenpreis eines Hardcovers zu 19,90 Euro oder 6 Prozent von dem eines Taschenbuchs oder 70 Prozent von einem E-Book zum Preis von 3,99 Euro – was ist uns lieber?”

Entsprechend haben sich vor allem Verlage und Buchhandel vor der digitalen Revolution zu fürchten – auch, weil diese Parteien ihre eigentlichen Funktionen kaum noch wahrnehmen. In den (Filial-)Buchhandlungen schreitet der Personalabbau mit großen Schritten voran, das Nonbook-Geschäft (DVDs, Merchandise) gewinnt an Bedeutung; fachkundige Beratung bekomme man hier immer seltener. Und die Verlage berufen sich zwar ständig auf ihre Nutzen als Schleusenwärter und Qualitätssiegel, publizierten aber “erstaunlich viel Mist (…) Bücher als Massenware, die sich entschieden weniger leicht entsorgen lassen als elektronische Impulse. Und vieles ist den Verlagen auf ihrer Jagd nach dem garantiert Verkäuflichen sogar entgangen.”

bbbookUnter dem Strich sieht Stephan für die kommenden Jahre ein Nebeneinander verschiedener Geschäfts- und Publikationsmodelle, bei dem sich Autoren auf ihre Bedeutung besinnen und sich bietende Chancen nutzen sollten; denn: “Auch das Internet braucht Content – also Urheber”. In 1-2 Jahren rechnet sie mit schicken und günstigen Lesegeräten, die “auch wir Leserinnen gern mit ins Bett nehmen wollen”.  An einen bedingungslosen Siegeszeug von multimedialen eBooks glaubt die Krimiautorin hingegen nicht: Leser wollen auch weiterhin imaginieren und träumen; über eine Musikbegleitung hinausgehende ‘Anreicherungen’ seien dem nur abträglich.

  • Revolution in der Gutenberg-Galaxis (nzz.ch)
  • “Ich glaube an eine große Zukunft für clevere E-Book-Designer” (buchmarkt.de)

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Der Artikel "Lesetipp: “Autoren sind die Gewinner”" wurde am 4. April 2010 (Sonntag) um 16:49 Uhr von Johannes geschrieben. Johannes Haupt (Xing / Twitter) ist Chefredakteur und Herausgeber von lesen.net.

12 Kommentare

Was sagst du dazu?



  1. 5. April 2010
    11:49 Uhr

    Permalink

    PeterS schreibt:


    Interessante Ansicht, vielleicht bringt das die Verlage ein wenig unter Zugzwang was die Bepreisung und Vielfalt ihrer eBooks angeht.

    Die Idee dass die Autoren ihre Werke selbst publizieren sollen ist zwar gut und schön, aber man sollte dabei die Werbemaschinerie der Verlage nicht vergessen. Denn was nützt es einem Autor wenn er sein eBook günstig anbieten kann wenn kaum einer davon weiß? Er kann höchstens hoffen dass es sich durch genügend Mundpropaganda verbreitet.

    Natürlich würde auch ich mir günstige eBooks wünschen bei denen die Autoren auch gut daran verdienen, aber der Weg dahin wird wohl nicht so einfach sein.



  2. 6. April 2010
    10:48 Uhr

    Permalink

    Noverus schreibt:


    @PeterS:
    Die Werbemachinerie ist sicher ein Argument, um noch auf “echte Verlage” zu setzen, aber kaum noch in der heutigen Realität von massiver Bedeutung.

    Dank Appstores (egal von wem), stehen heute bereits Plattformen zur Verfügung wo man selbst als Privatperson (oder Kleinbetrieb) sich oder seine Artikel vermarkten kann. erledigt dann noch den Rest.

    Die Verlage haben das Problem, dass sie einfach den selben Fehler machen, wie damals die Musikindustrie. Sie ignorieren die Bedürfnise der “neuen Generation von Kunden”.

    Ich will gerne ein E-Book kaufen.
    Wenn ich es auf Englisch haben möchte, möchte ich das auch in einem Englischen E-Store kaufen (und nicht darauf verwiesen werden, dass ich es nicht darf und im DE Store gibt das Buch nicht zur Auswahl -> weder DE noch EN).
    Wenn ich ein E-Book kaufe, möchte ich auch eine echte Preisdifferenz sehen (oder einen entsprechenden Mehrwert geboten bekommen).
    usw…..

    Doch wie erwähnt, die Verlage versuchen es nach Schema Musikindustrie: Am Monopol solange klammern, bis es zu Bruch geht…

    Hier müssen die Autoren eben den Mut zur Lücke haben (wie es die Artisten getan haben -> NIN oder Radiohead als 2 Prominente Beispiele)



  3. 8. April 2010
    15:47 Uhr

    Permalink

    Thomas schreibt:


    @ PeterS: Die Werbemaschinerie funktioniert aber auch nur dann, wenn man sie tatsächlich anwendet.
    Ein Freund von mir hat zwei Bücher bei Ueberreuter herausgegeben. Das erste wurde beworben und hat sich solide verkauft.
    Das zweite wurde nicht mehr beworben und ist trotz guter Kritiken gnadenlos abgestürzt, so dass der Verlag meinem Freund durch die Blume zu verstehen gegeben hat, dass man jetzt nicht zwingend auf ein drittes Buch von ihm warte.

    Was hat ein Autor also von einer theoretischen Möglichkeit, wenn sie praktisch nicht zur Anwendung kommt?

    Im Vergleich dazu: Eben dieser Freund publiziert über BoD ein Sachbuch selbst, ohne großes Marketing, und hat inzwischen 2000 Stück über Amazon davon verkauft …

    Wenn Autoren ihre eBooks selbst veröffentlichen, haben sie vor allem eines: alle Rechte in der eigenen Hand.
    Oder wie soll ein Autor damit umgehen, dass er seine Romane gerne als eBooks veröffentlichen würde, es aber nicht in die Programmpolitik des Verlags passt?

    Unbekannte Autoren werden es schwer haben, davon können wir ausgehen. Bekannte(re) sollten die Möglichkeit der Selbstpublikation vorbehaltlos ins Auge fassen.



  4. 4. Mai 2010
    20:48 Uhr

    Permalink

    Sabina schreibt:


    Ein interessanter Artikel mit guten Kommentaren. Zum Thema Werbemaschinerie von Autoren ohne Verlag hat die Plattform Xinxii eine Übersicht mit Möglichkeiten veröffentlicht:

    Buchmarketing
    http://www.xinxii.com/gd_cms.php?page=tools

    Auch sonst möchte ich Xinxii hier erwähnen – als gute Möglichkeit für Autoren, ihre Bücher online und in völliger Eigenregie zu veröffentlichen, ohne dass sie Rechte abgeben oder sonstige Verpflichtungen eingehen.


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