Von Johannes
PaperC: “Virtueller Copyshop” für Fachliteratur
Wenn im Oktober an das Wintersemester 2009/2010 startet, finden Studenten (und andere Interessierte) unter PaperC.de einen noch umfangreicheren Bestand an kostenloser Literatur. Zum Winterhalbjahr wird auf der Website Fachliteratur von dann insgesamt 15 Wissenschaftsverlagen zur gratis Betrachtung sowie zum kostenpflichtigen Kopieren offeriert.
Das Berliner Startup versteht sich dabei als “virueller Copyshop”, bei dem es ähnlich wie in einer Universitätsbibliothek zugeht. Online können (nach einmaliger Anmeldung) gegenwärtig 188 Bücher aus den verschiedensten Bereichen kostenlos im Volltext gelesen werden.
Darunter befinden sich Ratgeber wie das Office-Lexikon. ebenso wie universitäre Standardliteratur, etwa Die betriebliche Standortwahl aus einer prozessorientierten Perspektive. Die Bücher werden in einem eingebetteten Dokumenten-Viewer angezeigt, wie man ihn von kostenlosen Lesecommunitys kennt.
Bei der Darstellung gibt es aber einige Einschränkungen, die schon auf das Geschäftsmodell der Berliner hinweisen. Die Kopie von Text ist nicht ohne weiteres möglich. Möchte man eine Textstelle übernehmen, hat man die gesamte angezeigte Seite zu kaufen. Kostenpunkt: 5 bis 10 Cent, die vom Kundenkonto abgebucht werden.
Auch ganze eBooks (im pdf-Format) können auf diesem Weg geshoppt werden, wobei die Dateien dann aber meistens auf einem Niveau mit den gedruckten Ausgaben liegen und damit wenig attraktiv sind. Spannend ist hier tatsächlich nur der Kauf einzelner Seiten – bezahlt wird nur, was auch genutzt wird.
Zumindest von Verlagsseite scheint man diesem Micropayment-Konzept auch einverstanden zu sein und unterstützt den Dienst. PaperC-Chef Michael Fröhlich sieht im Gespräch mit deutsche-startups.de den Benefit für die Verlage darin, dass sie hier – im Gegensatz zu Kopien in Universitäten, womit man sich vergleicht – an der Dublizierung ihrer Inhalte finanziell teilhaben.
Aus (studentischer) Nutzersicht ist PaperC durch das schon jetzt respektable Angebot an kostenloser Fachliteratur einen Blick wert. Die Zahlungsbereitschaft für das virtuelle Kopieren von Textstellen dürfte aber gerade bei dieser Zielgruppe eher gering sein.
Weiterhin sieht man dem erst im April in die Beta-Phase gegangenen Dienst an, dass noch vieles in Entwicklung ist. So wird die Standard-Zahlungsart Überweisung/Lastschrifteinzug nur über Umwege (Paypal) unterstützt. Die Bücher sind nicht nur unzureichend kategorisiert, im Dokumentenviewer ist ein Sprung zu einer bestimmten Seite – oder gar Links im Inhaltsverzeichnis – nicht möglich. Für die Darstellung auf eBook-Readern wäre die Bereitstellung der (gekauften) Dateien als epubs von Vorteil.
Zweifellos ist PaperC aber ein interessantes Experiment mit viel Nutzwert und eine gute Ergänzung bzw. Alternative zum werbefinanzierten BookBoon. Bei einem finanziellen Erfolg für Betreiber und Verlage wird das Geschäftsmodell “Bezahlung pro Seite” vielleicht auch auf Belletristik ausgedehnt. Anderswo wird auf diesem Weg schon gutes Geld mit eBooks verdient.
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3 Kommentare
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11. August 2009
09:35 Uhr
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Valentina schreibt:
Ich finde das Modell von PaperC sehr gut! Endlich eine alternative zu vergriffenen Ausgaben in der Unibib ;-)
Das Zahlen für einzelne Seiten finde ich nur fair. Ist nur die Frage, warum man das machen sollte, wenn es doch Screenshots gibt…