23. Juni 2009 (Dienstag) - von Johannes
Scribd: “YouTube für Texte”
Die Geschichte von Scribd.com ähnelt ein wenig der von Videoportalen wie YouTube. Anfangs von der Industrie kritisch beäugt und bekämpft, entdeckt die Verlagsbranche in den USA inzwischen immer mehr das Absatzpotenzial des monatlich von über 60 Millionen Menschen besuchten Dienstes.
Für diese Entwicklung brauchte Scribd gerade einmal zwei Jahre – erst im März 2007 ging die Plattform online. Der vorläufige Höhepunkt des Projekts ist die vorige Woche announcierte Zusammenarbeit mit dem Verlagshaus Simon & Schuster, das ab sofort Bestseller von Stephen King, Dan Brown und vielen anderen Top-Autoren über Scribd verkauft.
Mehrere Millionen Dokumente sollen den Betreibern zufolge auf Scribd verfügbar sein. Allein in deutscher Sprache sind viele Tausend Dokumente verfügbar. Umfangreiche Filter (nach Länge, nach Dateiformat, kostenlos/kostenpflichtig, Kategorien, Tags, …) machen es trotzdem möglich, die Übersicht zu behalten.
Die Inhalte werden wie bei txtr – Ähnlichkeiten in der Konzeption sind nicht zu übersehen – direkt im Browser angezeigt. Neben der klassischen Dokumentenansicht gibt es auch einen “Büchermodus” (erreichbar über “more”->”View Mode”), der das Leseerlebnis eines gedruckten Buchs möglichst authentisch abzubilden versucht – bis zur Animation umblätternder Seiten. Ein Download in zumeist verschiedenen gängien Formaten (pdf, txt, doc) ist ebenfalls möglich.
Beim Stöbern wird schnell klar, dass trotz der jüngsten Entwicklungen Nutzungsrechte (und Jugendschutz) bei Scribd immer noch eher kleingeschrieben werden. Die Plattform dürfte auch für deutsche Verlage ein Alptraum massiver Copyright-Verstöße sein.
Die Betreiber sind aber offensichtlich bemüht, Scribd in dieser Hinsicht “zu säubern”. Aufgrund der Vielzahl an Inhalten ist das sicherlich nicht von heute auf morgen möglich, mittelfristig kann die Plattform allein aufgrund ihrer Reichweite aber ein guter Partner für die (US-)Verlagsbranche werden.
Ein Vorbild für deutsche Plattformen muss die vitale Community von Scribd sein. Die Betreiber tragen dazu ihren Teil bei, indem beispielsweise zur Abstimmung über die beste Festansprache von Prominenten aufgerufen wird (die selbstverständlich alle im Volltext bei Scribd zu finden sind).
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Der Artikel "Scribd: “YouTube für Texte”" wurde am 23. Juni 2009 (Dienstag) um 14:50 Uhr von
Johannes geschrieben.
Johannes Haupt ist Chefredakteur und Herausgeber von lesen.net.
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