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21. Februar 2010 (Sonntag) - von Johannes

“Sexual Content”: Apple kickt >5.000 Apps

eBooks

ibooks1Die Beziehung zwischen App-Entwicklern und Apple lässt sich als Hassliebe beschreiben: Auf der einen Seite lässt sich über den von 50 Millionen mobilen Geräten (iPhones, iPod Touches, bald auch iPads) erreichbaren App Store gutes Geld verdienen, wovon auch schon etliche Buchverlage Wind bekommen haben. Auf der anderen Seite geht Apple seit jeher restriktiv gegen Inhalte vor, die dem Konzern nicht (mehr) adäquat erscheinen.

Zum Wochenende hat Apple mal wieder den ganz großen Kehrbesen aus dem Keller geholt und sich über 5.000 Apps mit mehr oder weniger sexuell anstößigen Inhalten entledigt – immerhin gut 3% des gesamten Angebots. Betroffen sind auch etliche eBooks, wobei Apple hier offenbar lieber ein Buch zuviel als ein Buch zu wenig auf die Abschussliste nahm. So beklagen die Betreiber der deutschen eBookplattform Readbox den Ausschluss ihrer “Boys and Toys” App – die digitale Ausgabe eines Sachbuchs, das mit Erotik eigentlich nichts am Hut hat.

Zum Verhängnis wurde den Dortmundern dabei offenbar das zweideutige englischsprachige Wording; ein Grund, warum tatsächlich anzügliche Titel wie die Bestseller “Lustsklavin – mach mich wild!” (Platz 1 der gekauften Buch-Apps) oder “Vom Mädchen zum Luder” (Platz 1 der kostenlosen Buch-Apps) aktuell immer noch – aber wohl auch nicht mehr lange – im deutschen App Store zu haben sind.

Die App-Entwickler von ChilliFresh, wo infolge der Löschaktion ebenfalls “Verluste” zu vermelden waren, brachten bei Apple die neuen Regeln in Erfahrung. Im Wortlaut:

1.wobbleaditunesv01 No images of women in bikinis (Ice skating tights are not OK either)

2. No images of men in bikinis! (I didn’t ask about Ice Skating tights for men)

3. No skin (he seriously said this) (I asked if a Burqa was OK, and the Apple guy got angry)

4. No silhouettes that indicate that Wobble can be used for wobbling boobs (yes – I am serious, we have to remove the silhouette in this pic)

5. No sexual connotations or innuendo: boobs, babes, booty, sex – all banned

6. Nothing that can be sexually arousing!! (I doubt many people could get aroused with the pic above but those puritanical guys at Apple must get off on pretty mundane things to find Wobble “overtly sexual!)

7. No apps will be approved that in any way imply sexual content (not sure how Playboy is still in the store, but …)

Die Regeln lassen sich nur als bizarr bezeichnen – sowohl im Bezug auf den Ausschluss jeglicher potenziell anstößiger Wörter als auch auf Gestaltungsmerkmale wie das Verbot der Darstellung nackter Haut. Apple scheint es hier selbst den prüdesten US-Konservativen recht machen zu wollen, stellt deren Interessen über die Zufriedenheit der App-Entwickler und eines Großteils der Kundschaft.

feuchtgebieteDie (weitere) Verschärfung der Content-Policy hat auch Konsequenzen für die deutsche Verlagsbranche, wo man sich auf den im Zuge des iPad lancierten iBookstore und damit verbundene Vedienstmöglichkeiten freut. Wenn Apple hier auch nur ansatzweise eine ähnlich “saubere” Linie wie im App Store fährt, müssen sich Verlage für Bücher vom Schlage eines Axolotl Roadkill oder Feuchtgebiete wohl andere Vertriebswege suchen.

<via Venturebeat / Danke Ralf!>

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Zugeordnete Tags: app-store • Apple • Apple iPad • ibookstore • readbox

Der Artikel "“Sexual Content”: Apple kickt >5.000 Apps" wurde am 21. Februar 2010 (Sonntag) um 17:40 Uhr von Johannes geschrieben. Johannes Haupt ist Chefredakteur und Herausgeber von lesen.net.

12 Kommentare

Was sagst du dazu?



  1. 21. Februar 2010
    18:18 Uhr

    Permalink

    PeterS schreibt:


    Hm, auf den Geräten kann man ja auch das böse Internet aufrufen. Mal schauen wann Apple einen festen Filter installiert der den ungeliebten Content blockt.
    Dann wär wohl lesen.net auch weg vom Fenster, bei so vielen obszönen Wörtern im obigen Artikel.

    Ist nur so ein Gedanke…



  2. 21. Februar 2010
    18:24 Uhr

    Permalink

    Johannes schreibt:


    Wollt’ ursprünglich sogar noch die Cover der o.g. eBooks einbinden, Sex sells bekanntlich, hab’s dann aber aufgrund überschaubarem Mehrwert doch gelassen :)
    Einen allgemeinen Content-Filter für Safari wird sich Apple imo nicht “trauen”, den Kundenschwund wollen sie nicht riskieren. Zumal man auch differenzieren muss zwischen “offenem” Web und im Verantwortungsbereich von Apple liegenden geschlossenem Content-Angebot.

    Ciao
    Johannes



  3. 21. Februar 2010
    19:33 Uhr

    Permalink

    Steffen Meier schreibt:


    Und ich frage mich, wann die Grenze von wohlmeinender Behütung des Kunden zur Zensur überschritten wird…



  4. 21. Februar 2010
    20:39 Uhr

    Permalink

    Stefan Schickedanz schreibt:


    Wenn Apple Ernst macht, kommt das iPad erst gar nicht in den Handel, der Name ist ja wohl erst Recht zweideutig…
    Mal sehen wie lange meine Autorenwebsite noch online bleibt, die ist nämlich auch ausgerechnet bei me.com gehostet. Weiß langsam gar nicht mehr, warum wir Macianer so gerne über Microsoft lachen.

    PS: Nur Apple weiß auch, warum die Schwester-App (war das jetzt auch zweideutig?) “Boys & Toys Vol. 2″ über eine Eiskanal-Schlittenfahrt noch im App Store steht. (In Vol. 1 ging es auch nur um Autos).



  5. 22. Februar 2010
    11:04 Uhr

    Permalink

    Manuel schreibt:


    Wann wohl Shakespeares Romeo und Julia & Co. zensiert wird? Ist ja voll von Schweinekram ;-)

    Ich möchte Apples System einer Qualitätskontrolle ja gewisse Vorteile nicht absprechen. Aber solche Zensurmaßnahmen gehen dann doch deutlich in die Falsche Richtung. Es entspricht der typisch amerikanischen Doppelmoral in diesem Punkt: “Nippelgate” vs. die wohl größte Pornoindustrie der Welt.



  6. 16. März 2010
    20:27 Uhr

    Permalink

    Sven schreibt:


    Ich sage nur: Passt zu Mac. Wofür gibt ’s Android?

    Wenn man sich ehrlich ist und halbwegs einen Einblick hat, dann darf einen so ein Verhalten bei einer derart proprietär aufgebauten Strategie (teils schlimmer als Windows) nicht wundern.

    Für mich ist deshalb noch nie ein Mac Produkt in Frage gekommen und deshalb habe ich mit so etwas auch keine Probleme.

    Nur scheinbar ist die Werbestrategie dieses Riesen derartig gut, dass die Leute sich nicht nur einreden ein individuelles Produkt zu kaufen, sondern sich auch noch freier fühlen ;-) Und Angst haben sie wenn dann vorm bösen Googel crawler.

    Sogar Vaporware Spezialist TXTr rühmt auf der einen Seite seine quelloffene Strategie und liebäugelt auf der anderen Seite mit dem genauen Gegenteil: Dem iPad.

    Die Jungs von Mac wissen echt wie man Werbung macht und leichtgläubige Leute mit Halbwissen blendet. ;-)


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