Von Johannes
Thalia wird (vielleicht) eBook-Verlag
Thalia, umsatzstärkste deutsche Buchhandelskette mit knapp 300 Filialen, denkt laut über den Einstieg ins Verlagsgeschäft nach. Weil den Hamburgern die Digitalisierungsstrategien der Print-Verlage nicht schnell und weit genug gehen, plant man Herstellung und Vertrieb von eBooks unter eigenem Namen.
Die Douglas-Marke verkauft seit über einem Jahr eBook Reader (bislang nur von Sony) in ihren Buchhandlungen sowie im von buch.de betriebenen Online-Shop. Weil Aktualität und Bandbreite des Angebots an digitaler Literatur bekanntlich aber noch zu wünschen übrig lassen, hinkt der deutsche eBook-Markt inzwischen auch im intraeuropäischen Vergleich deutlich hinterher.
Thalia-Chef Michael Busch sprach das im Interview mit der Wirtschaftswoche ebenfalls an – und betonte, man werde sich digitale Verweigerungen/Verzögerungen von Verlagsseite künftig nicht mehr ruhig von der Seitenlinie ansehen. Busch wörtlich:
Wir sind und bleiben in erster Linie Buchhändler und keine Verleger. Jedoch denken wir im Bereich digitaler Bücher darüber nach, neben Verlagskooperationen auch auf Eigenproduktion zu setzen, um das Angebot an digitalen Buchinhalten für unsere Kunden zu erhöhen; die Entwicklung auf Verlagsseite ist noch deutlich zu langsam.
Das Unternehmen hat es sich also – natürlich alles andere als uneigennützig – auf die Fahnen geschrieben, dem Markt für digitale Literatur neue Impulse zu geben. Das Bemühen ist nachvollziehbar: Thalia räumt elektronischen Lesegeräten seit langem viel Verkaufsfläche und Marketingbemühungen ein, wird aber contentseitig von den Publishern ausgebremst. Ein Blick auf aktuelle US-Studien bestätigt die naheliegende Vermutung “content is king”: Das am häufigsten gewünschte Merkmal eines eBook Readers ist demnach nicht etwa technischer Natur, sondern ein breites verfügbares Angebot attraktiver Inhalte.
Thalias Botschaft und zugleich Drohung an die Großverlage lautet nun unmissverständlich: Wenn ihr das Geschäft mit eBooks nicht machen wollt, werden wir es machen. Die Äußerung im Interview war äußerst kalkuliert und hat auch schon entsprechende Resonanz in der Branchenpresse gefunden. Lesefreunden kann dabei letztlich egal sein, wie und von wem eBooks künftig publiziert werden – infolge der Initiative eines “Big Players” wie Thalia wird das deutschsprachige Angebot an digitaler Literatur mittelfristig auf jeden Fall kräftig wachsen, was aus Kundensicht erst einmal eine gute Nachricht ist.
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