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16. Oktober 2009 (Freitag) - von Johannes

Studie: eBook-Piracy als Umsatztreiber

eBooks

piratenflaggeMit der zunehmenden Popularität digitaler Literatur steigt die Angst in der Verlagsbranche vor einbrechenden Umsätzen durch Raubkopien. Von einem Angriff der Buchpiraten ist die Rede, dem nur mit restriktivem Kopierschutz und der ganzen Härte des Gesetzes beizukommen sei.

Auf der vom Web 2.0 Pionier Tim O’Reilly zum Thema “Digitalisierung der Buchbranche” organisierten Zukunftskonferenz Tools Of Change hörte man dagegen am Dienstag ganz andere Töne. In Frankfurt wurde eine Untersuchung präsentiert, nach welcher die Verkäufe von O’Reilly Titeln durch illegale Downloads sogar gesteigert werden konnten.

oreilly_largeDas Beratungsunternehmen Magellan Media verfolgt seit 71 Wochen die Umsatzentwicklung von O’Reilly Büchern. Typischerweise fallen die Verkaufszahlen nach einem ersten Peak kontinuierlich ab. Zu vermuten wäre, dass durch die Verfügbarkeit eines eBooks in Peer-to-Peer-Netzwerken dieser Abwärtstrend stabil bleibt bzw. noch beschleunigt wird.

Statt dessen ließen illegale Kopien im Umlauf (bei piraterierten eBooks der O’Reilly Press im Durchschnitt nach 19 Wochen) die Verkaufszahlen noch einmal anschwellen. Innerhalb von vier Wochen ab der Zirkulation des piraterierten eBooks konnte fast eine Verdopplung des Absatzniveaus festgestellt werden, im Schnitt stiegen die Umsätze noch einmal um 90% – ein zweites Peak fünf Monate nach dem Verkaufsstart.

Magellan-Chef Brian O’Leary zeigte sich gegenüber dem berichtenden Branchenblatt The Bookseller überrascht von diesen Zahlen, wurden beim Untersuchunsobjekt doch besonders “negative” Ergebnisse erwartet. Zum einen sei digitale O’Reilly Literatur durch den Verzicht auf DRM besonders leicht kopierbar, zum anderen überschneide sich die Zielgruppe von O’Reilly Büchern (IT-Literatur) in großem Maße mit der Nutzerschaft von Bittorrent & Co.

Bislang wurden nur die Verbreitung von 65 O’Reilly Bücher untersucht, lediglich 21 davon wurden pirateriert. Als nächsten Schritt bezieht Magellan Media nun die Titel anderer Verlage in die Untersuchung ein. O’Leary betonte am Rande der Präsentation, er sei nicht “Pro Piracy” – sollten sich die Ergebnisse bestätigen, sei dieser Distributionskanal aber zumindest eine virale Marketingoption.

Der brasilianische Bestsellerautor Paulo Coelho brauchte keine Marktstudie, um die Vorzüge von Piracy für sich zu entdecken. Coelho betrieb lange Zeit einen anonymen Piratenblog, wo er seine millionenfach verkauften Bücher zum kostenlosen Download bereitstellte. Inzwischen ist das Angebot sogar auf die offizielle Autorenseite umgezogen, hier gibt es aktuell sechs Coelho-Bücher (u.a. Der Alchimist) gratis in deutscher Sprache.

<via eReaders.nl>

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Der Artikel "Studie: eBook-Piracy als Umsatztreiber" wurde am 16. Oktober 2009 (Freitag) um 08:00 Uhr von Johannes geschrieben. Johannes Haupt ist Chefredakteur und Herausgeber von lesen.net.

12 Kommentare

Was sagst du dazu?



  1. 16. Oktober 2009
    08:54 Uhr

    Permalink

    Markus schreibt:


    Mein Senf dazu,
    Die machen einen großen Fehler, man bekommt zu wenig Bücher alles ist auf zig Chops verteilt. DRM, Wucherpreise.

    Wenn die so weiter machen wird Bücherpiraterie echt ein Thema.

    DIE LÖSUNG:
    * Macht eine Standard-API gebt dem Verkäufer Prozente vom Umsatz
    * Kein DRM. alle gängigen DRM für Bücher kann man in unter 1 Sekunde umgehen. (es wird NIE eine Möglichkeit geben Text zu schützen egal was ihr versucht)
    * Preise 50% des Papierpreises (deutlich unter 15€)
    * Abo z.B. 1 Buch / Woche 12 Monate lang für 15€ / Monat?



  2. 16. Oktober 2009
    09:16 Uhr

    Permalink

    Rmx schreibt:


    Ich denke bei der Preisgestaltung darf man sich keinen vormachen. Solange es bei Audible und Co ungekürzte Hörbücher für 9,99€ gibt wird wohl kaum ein Normalkunde, für den die Hörvariante wohl eher einen Mehrwert gegenüber dem Druck darstellen wird, bereit sein mehr als das für ein eBook auszugeben…



  3. 16. Oktober 2009
    09:46 Uhr

    Permalink

    Stefan B. schreibt:


    Das Problem bei der Preisgestaltung ist echt die Buchpreisbindung bei E-Books. Hier muss noch einmal überdacht werden!

    Zum Anstieg der Verkäufe nach dem Aufkommen eines Buches in Peer-2-Peer Netzwerken: Ich kann aus meiner eigenen Erfahrung sagen, dass ich des öfteren ein Buch gezogen habe, dessen Inhalt mich interessierte, um “mal hineinzuschauen”. Die wirklich interessanten Teile hab ich dann auch gekauft, zumindest als Printausgabe.
    Ich denke, für den E-Book Verkauf wird es wichtig, dass der Kunde hineinlesen kann, so wie in der Buchhandlung. Man will doch schließlich sehen, was auf einen zukommt und ein bisschen anlesen. Ich finde der Kunde sollte von jedem E-Book eine Vorschau laden dürfen, von 5-10% des Inhalts!



  4. 16. Oktober 2009
    09:56 Uhr

    Permalink

    Tim schreibt:


    Buchpreisbindung erstreckt sich immer über eine Ausgabe eines Buches, also z.B. Taschenbuch, Hardcover oder Sondereditionen oder eben eBooks.

    Diese Editionen müssen immer gleich teuer sein. Die Buchpreisbindung bewirkt aber nicht, dass ein eBook genauso “gepriced” wird wie eine Hardcover- oder Paperback-Version des gleichen Buches. Dies obliegt den Verlagen und deren Preisgestaltung!



  5. 16. Oktober 2009
    10:47 Uhr

    Permalink

    bommel schreibt:


    genau wie im ersten Absatz geschildert so muss man es machen

    ein wirksamer Kopierschutz muss her, entsprechende Kosten werden natürlich auf Reader und ebooks aufgeschlagen und die ganze Sache ist vom Tisch… keine Piraterie weil’s ehh keinen interessiert



  6. 17. Oktober 2009
    20:43 Uhr

    Permalink

    Jazznrhythm schreibt:


    Ich glaube ja gerne, das Voreiter einen größeren Bekanntheitsgrad über Filesharing erreichen, aber das mag auch daran liegen, das der legale Markt in diesem Bereich erschreckend dünn und ungepflegt ist. Soll heißen: Wenn Herr Coelho, der seine Schäfchen ja schon im Trockenen hat, bekannter über den freien Download seiner Werke wird, dann bedeutet das in erster Linie augenblicklich nur, das er eben Leute erreicht, die normalerweise nicht zu seinem Kundenkreis gehören. Allerdings heißt das nicht, das das ewig so bleiben wird, übertragbar ist oder als Regel festgestellt werden kann. Letztendlich treibt sich wahrscheinlich so mancher potentieller Leser nur deswegen auf seiner Seite rum, weil es so wenige legale Alternativen gibt und daher sein Name durch alle Foren wandert. Ähnlich ist das bei O’Reilly, die man ja durchaus als Pioniere im Ebook-Thema sehen kann (das auch aus verständlichen Gründen eben wegen der Linux-Nähe ihrer Publikationen). – Nach einem Besuch der Buchmesse muß ich auch sagen: Es hat scheinbar keiner ein Interesse daran hier wirklich etwas auf die Beine zu stellen, das Leser (und eben nicht Computernerds und Technikgeeks) an die Geräte holt. Die Verlage übergehen das Thema auf ihren eigenen Präsentationen geflissentlich, die realen, stationären Buchhändler ohne Internetpräsenz sehen mit der aktuellen DRM-Regelung keinen Vorteil darin (man kann – so wie das jetzt mit Adobe gemacht wir – schlicht keine Literaturtankstelle im Handel aufstellen), und nur einige Platzhirsche unter den Internetshops sehen eine Chance darin, weil es langfristig die Kosten für Personal, Distributionswege, Mieten etc. unglaublich senken kann. Aber dem Leser will das trotzdem keiner verständlich und schmackhaft machen. Die aktuelle Situation verbietet es mir praktisch einen Ereader irgendjemanden in meinem Bekanntenkreis zu schenken. Wem ich erklären muß, das er sich erst eine Software von Adobe, dann eine Software von Sony und schließlich noch Calibre installieren muß, nur damit er/sie Bücher lesen kann, der wird dankend auf diese Teile verzichten, die einfach voraussetzen, das man einen Computer hat und mit dem Gerät einigermaßen firm ist. Die Leute, die ich kenne, die lesen wollen, kaufen ein Buch, nehmen es zum Strand und in der Bahn mit, und verleihen es danach. Wenn sie hier nicht mal einen finanziellen Anreiz sehen, warum sie an den alten Gewohnheiten etwas ändern sollten, die zusätzlich dazu führen, das sie Eigentümer und nicht bloß vermeintlicher Besitzer eines Buches sind, dann sehe ich für das Ebook keine Chance bzw. wenn dann überhaupt über Gutenberg, Google oder ähnliche Alternativen, die soetwas wie einen Mehrwert produzieren. Und da gehört dann auch noch Coelho und Konsorten dazu.


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