8. September 2010 - Von Johannes
Acer LumiRead angefasst
Wenn der weltweit zweitgrößte PC- und Notebook-Hersteller einen dedizierten eBook Reader ankündigt, ist einiges zu erwarten. Dass geballte Fachkompetenz in einer Geräteklasse aber nicht zwingend nutzwertige Produkte in einer anderen Geräteklasse hervorbringt, belegt der Acer LumiRead.
Auf dem 6″ E-Ink Display vom Lumiread werden eBooks in allen gebräuchlichen Formaten (epub & pdf auch mit Adobe DRM) angezeigt, für die 2 Gbyte interner Speicherplatz bereit steht. Möchte man Hörbücher und Musik über den eBook Reader hören, bietet sich eine Speicherweiterung via microSD-Karte an (bis zu 32 Gbyte). Das E-Ink Display entstammt offensichtlich noch der alten Vizplex-Generation – die neuen ‘Pearl’-Panels u.a. der Sony Reader PRS-350 und PRS-650 sowie vom Kindle 3 haben rund 50% bessere Kontraste, kürzere Blätterzeiten und ermöglichen eine längere Akkulaufzeit.
Funktionale Highlights vom Acer LumiRead sind ein WLAN-Modul zur Verbindung mit dem libri.de eBook Store (gegenwärtig 20.000 Titel) sowie ein ISBN-Scanner, mit dem digitale Ausgaben gedruckter Bücher gesucht werden können. Das Feature ist pfiffig, angesichts der verbauten QWERTZ-Tastatur zur recht komfortablen Direkteingabe sowie sich angesichts des insgesamt noch mageren eBook-Angebots wohl schnell einstellender Frusterlebnisse aber gegenwärtig nicht mehr als eine Spielerei. Zudem stellt sich die Frage des praktischen Nutzens: Zuhause wird wohl kaum die eigene Büchersammlung gescannt & (zum Vollpreis noch einmal) digital gekauft, in die Buchhandlung werden die meisten Nutzer den recht sperrigen Sechs-Zoller wohl eher nicht mitnehmen.
Hardwareseitig hat sich Acer unverkennbar vom Kindle 2 inspieren lassen: Die Bedienelemente gleichen sich bis hin zu Platzierung & Beschriftung der Systemtasten (vgl. Foto rechts). Das resultiert auch in einer sehr ähnlichen Bedienführung: Navigiert wird primär über den präzise ansprechenden Joystick,(ebenfalls an den Kindle angenehnte) Kontextmenüs ruft die Menütaste auf. Für die Veränderung der Schriftgröße – insgesamt gibt es fünf zur Auswahl – steht eine eigene Funktionstaste bereit.
Warum Acer sich bei der “Übernahme” allerdings auf die Tastatur beschränkte und nicht auch die seitlichen Blättertasten dublizierte, wird ein Geheimnis der Taiwaner bleiben. Durch diese Entscheidung wird der Acer LumiRead zur ergonomischen Katastrophe: Aufgrund der extrem länglichen Bauform (2cm länger als der Kindle 3 bzw. 5,5cm länger als der Oyo, beide ebenfalls mit 6″ Bildschirmdiagonale; vgl. Grafik) muss der Acer LumiRead in Benutzung permanent mit den beiden Zeigefingern von unten “abgestützt” werden – komfortables Lesen sieht anders aus.
Bequemer lässt sich der Reader ungefähr auf Höhe der Mitte vom E-Ink Panel (=Schwerpunkt) halten; in diesem Fall muss fürs Umblättern aber ständig umgegriffen werden. Insgesamt macht der LumiRead hier den Eindruck, als hätte an seiner Konzeption niemand mit digitalen Leseerfahrungen mitgewirkt.
Der Acer LumiRead WiFi ist ab sofort für 199 Euro bei libri.de und sich am Vertrieb beteiligenden Partnerbuchhandlungen vorbestellbar, die Auslieferung beginnt im Oktober. Im November/Dezember kommt eine WiFi+3G-Ausführung mit beiliegender Tchibo Mobil Prepaid-Karte (zur kostenpflichtigen mobilen Nutzung von RSS-Reader & Browser) in den Handel; Kostenpunkt: 249 Euro. Auch dieses Modell wird erst einmal nur über Libri zu haben sein – Acer hat nach eigenen Angaben derzeit keine Ambitionen, seinen LumiRead auch z.B. in Elektronikmärkte zu bringen.
Bei Libri soll sich der Acer LumiRead schon bald in Gesellschaft weiterer 3G/WiFi-Reader wiederfinden, die auf dieselbe eBook Plattform zugreifen. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass diese Modelle den optisch graumäusigen, ergonomisch mangelhaften und technisch zumindest ausbaufähigen LumiRead schnell in den Schatten stellen werden – dem inbesondere aus Sicht des stationären Buchhandels lobenswerten “eBookS-Service” von Libri wäre es gegönnt.
Für Acer bleibt zu hoffen, dass die Taiwaner aus ihren Fehlern lernen und der “LumiRead 2″ entsprechend ausgereifter daher kommt. Immerhin befindet sich Acer hier in guter Gesellschaft: Sony brauchte viele Jahre für die Konzeption eines gut lesbaren E-Ink Touchscreens, und bei Amazon möchte heute niemand mehr an den Look’n'Feel der 1. Kindle-Generation (rechts) erinnert werden.
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8. September 2010
10:28 Uhr
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Icke schreibt:
@Johannes
Also das Video nehmen wir bitte nochmal bei anständiger Beleuchtung auf ;)
Das Ding sieht schon echt nach Totgeburt aus.
Ich verstehe nicht, dass die Honks das Ding nicht mal selber in die Hand nehmen, bevor das Design abgenommen wird.
Amazon und Sony haben zwar auch nicht von Anfang an alles perfekt gemacht, aber man muss doch nicht die alten Fehler der anderen Firmen nachmachen.
8. September 2010
11:38 Uhr
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Johannes schreibt:
Jo das Video is’ suboptimal, sorry…das ganze Weiß am Acer-Stand hat meine Kamera kirre gemacht :-/
8. September 2010
13:39 Uhr
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dptr13 schreibt:
der scanner für die heimische bibliothek könnte durchaus nützlich sein, wenn damit eine ansprechende verwaltung möglich ist. neben den titeleinträgen könnte man so die standorte erfassen, ob verliehen oder auch wie man das buch bewertet. noch sinnvoller wird es für die wissenschaftliche arbeit, wenn eine verknüpfung oder abgleich mit endnote-ähnlichen datenbanken möglich ist. aber im moment sehe ich diese verbindung zwischen bibliotheksverwaltung und e-readern noch nirgendwo ansatzweise gelöst.
8. September 2010
17:25 Uhr
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Patrick schreibt:
Das teil ist leider einfach nur hässlich. Da helfen auch gute Funktionen nicht.
8. September 2010
17:59 Uhr
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R schreibt:
So ein “Riesenflatschen” wird an Reizlosigkeit wirklich nur noch vom Kindle 1 übetroffen.
Gut, daß der Markt wenigstens etwas Auswahl bietet.
(Die hätten mich mal fragen sollen, ich hätte denen ein erheblich attraktiveres Gerät konzipiert ;-) )
8. September 2010
18:15 Uhr
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microm schreibt:
Zitat:
Insgesamt macht der LumiRead hier den Eindruck, als hätte an seiner Konzeption niemand mit digitalen Leseerfahrungen mitgewirkt.
/Zitat
Meißt fragt man sich (bei vielen Readern) des weiteren, welcher ‘Designer’ das Design verbrochen hat.
Viele Mülleimer sind schicker als die meißten Reader…
8. September 2010
20:34 Uhr
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carokann schreibt:
Mein erster Taschenrechner war schöner, da helfen auch die Designermöbel nix.
Daumen runter.
Bleiben in Deutschland also für mich:
1. Oyo
2. Medion
3. Sony
SONY hat wohl den besten screen ist aber teuer und hinkt bei wifi und 3g hinterher
OYO bietet hoffentlich bald ne graphite Version des Gehäuses an, zusammen mit 3G (hoffentlich mit Browser zumindest nach wikipaedia) noch zu Weihnachten, ha? ,-)
MEDION könnte den Preisbrecher am Start haben, der für 99 Euro bei ALDI verkauft wird.
9. September 2010
18:07 Uhr
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R schreibt:
Stimmt.
Mir gefallen rein optisch auch nur die Sony (alle NACH dem PRS 500) sowie der kleine Cybook Opus wirklich gut.
11. September 2010
00:34 Uhr
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Thomas Knip schreibt:
Tssst, da klaut man schon so viel vom Kindle und baut dann ein scheußliches Design und ein unpraktisches Handling drumherum.
Innovation ist anders.