27. Juni 2009 (Samstag) - von Johannes
Amazon bläst deutschen Kindle-Launch ab
Schlechte Nachrichten für deutsche eBook-Freunde: Der Amazon Kindle wird bis auf weiteres nicht hierzulande zu haben sein. Eine für die erste Jahreshälfte geplante Einführung auf dem deutschen Markt wurde nun gecancelt.
Die Wirtschaftswoche meldet heute unter Berufung auf einen “Konzerninsider”, Amazon-Chef Jeff Bezos habe sich nicht mit deutschen Mobilfunkanbietern auf ein Vertriebsmodell einigen können. Die Vorstellungen von T-Mobile & Co. seien überzogen gewesen.
Bei Amazon kommen die im Kindle Store gekauften Inhalte direkt übers Mobilfunknetz aufs Endgerät. In den USA übernimmt der Online-Buchhändler dabei anfallende Datenkosten für die Kunden, die Nutzung des Verizon-Netzes mit dem eReader ist für Kindle-Besitzer kostenlos.
Alternativ ist zwar auch eine Befüllung des Geräts via USB-Kabel möglich, auf ein solches Key Feature möchte Amazon hierzulande aber verständlicher Weise nicht verzichten. Statt einen “beschnitteten” Amazon Kindle in den Handel zu bringen oder hohe Datenkosten über entsprechend höhere eBook-Preise an die Kundschaft weiterzugeben, macht der US-Konzern nun also erst einmal einen Bogen um den deutschen eBook-Markt.
Nutznießer dieser Entscheidung sind hierzulande aktive Konkurrenten wie Sony, aber wohl auch die Verlagsbranche: “Amerikanische Verhältnisse”, wo sich der Quasi-Monopolist Amazon mit seiner “$9,99-Preispolitik” nicht viele Freunde unter den Verlegern gemacht hat, drohen uns erstmal nicht. Es sei denn natürlich, Bezos macht sein Versprechen einer vollständigen Entkopplung von Hardware & Online-Shop zeitnah wahr und bringt den Kindle Store auch ohne eReader nach Deutschland.
Interessant wird zu beobachten sein, was für eine Lösung sich Wizpac für seinen txtr Reader einfallen lässt. Das Mitte Oktober erscheinende eBook Lesegerät hat wie der Amazon Kindle ein 3G-Modul zum Shopping auf txtr.com implementiert. Angesichts der hierzulande teilsweise doch noch sehr horrenden regulären Datenpreise würden Downloads selbst kostenloser eBooks ohne einen Sondertarif zum finanziellen Bumerang werden.
<via Golem>
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Der Artikel "Amazon bläst deutschen Kindle-Launch ab" wurde am 27. Juni 2009 (Samstag) um 15:43 Uhr von
Johannes geschrieben.
Johannes Haupt ist Chefredakteur und Herausgeber von lesen.net.
8 Kommentare
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27. Juni 2009
17:21 Uhr
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Olivera schreibt:
Ich glaube, dass 1. Jahreshälfte sich nicht auf 2010 bezogen hat, sondern auf 2009. Siehe auch http://www.heise.de/newsticker/Amazons-E-Book-Reader-Kindle-zunaechst-nicht-in-Deutschland–/meldung/141205
Es ist weiterhin alles offen, da es nur heißt “Lesegerät Kindle vorerst nicht auf deutschen Markt” und vorerst alles und nichts sein können.
27. Juni 2009
17:28 Uhr
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Johannes schreibt:
Guter Punkt, ist korrigiert, danke! (wobei der heise-Mensch auch bloß aus der WiWo abgeschrieben hat)
Klar ist immer noch alles offen, aber das mangelnde Entgegenkommen der Mobilfunker erstaunt mich schon negativ. Amazon wäre ja nun auch kein Kunde, bei dem mögliche Umsätze noch in den Sternen stehen.
Ciao
Johannes
27. Juni 2009
19:34 Uhr
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Olivera schreibt:
Das amerikanische Modell, wonach beim Kindle gar keine Mobilfunkgebühren anfallen ist klasse. Schade, dass sich bisher noch Mobilfunkanbieter gefunden hat. Ich weiß ja nicht, wie stark diese an den eBook-Umsätzen beteiligt werden. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass sich das nicht lohnen würde. Ich hoffe Amazon sucht weiter nach einer Möglichkeit.