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Amazon, Kobo und Sony: Unsere Geräte sind nicht behindertengerecht

8.8.2013 - von - Debatte eReader 7 Kommentare

kobo n514Mit Amazon, Kobo und Sony haben sich drei führende Hersteller von eBook Readern zu einer “Koalition” zusammengeschlossen, um gemeinsam eine Befreiung von der in den USA geltenden Verpflichtung zur Barrierefreiheit für elektronische Geräte zu erwirken. Ihre Argumentation: eBook Reader seien nicht für die Hände von Behinderten konzipiert und müssten für sie entsprechend auch nicht bedienbar gemacht sein.

Nach dem 2010 in Kraft getretenen “Twenty-First Century Communications and Video Accessibility Act” sind die Hersteller von Geräten, die sogenannte “advanced communications services” (ACS) bieten, gesetzlich dazu verpflichtet, ihre Nutzung für Menschen mit Behinderung zu ermöglichen. Aus dieser Verpflichtung will sich die Koalition von Amazon, Sony und Kobo mit einer Petition an die Federal Communications Commission (FCC) befreien, berichten die Kollegen von Teleread.

eBook Reader nicht wie Tablets und Smartphones behandeln

eBook Reader stellen nach Meinung der “Koalition von eBook-Reader-Herstellern” (Selbstbeschreibung) eine eigene Geräteklasse dar und bieten keine “advanced communications services” im Sinne des Gesetzes. Sie seien elektronische Bücher und genauso wie Papier-Bücher nicht barrierefrei. Sie eignen sich demnach in erster Linie zum Lesen und nicht für erweiterte Kommunikationsdienstleistungen im Sinne von ACS.

Der grundsätzliche Streitpunkt sind die zum Teil in eBook Readern vorhandenen Kommunikationselemente wie WLAN, Audiomodule oder experimentelle Webbrowser. Um den Bestimmungen der FCC zu entsprechen, müssen die Geräte für blinde beziehungsweise hörgeschädigte Anwender voll nutzbar sein. Dazu müssten eBook Reader nach Argumentation der Koalition deutlich erweitert werden (durchgehendes text-to-speech und ähnliches) und würden Tablets immer ähnlicher (was beispielsweise den Gerätepreis, das Gewicht oder die verringerte Akkuleistung betrifft). Diese Veränderungen würden für die behinderten Nutzer jedoch keine Verbesserung bedeuten, da es bereits einen breiten Markt für entsprechende Tablets gebe.

Die Entscheidung des FCC dürfte dadurch erschwert werden, dass die Grenzen zwischen eBook Readern und Tablets zum Teil nur ungenau zu definieren sind, wie Kobo Arc oder Kindle Fire beweisen. Allerdings haben auch andere Anbieter von elektronischen Geräten wie Fernsehern, Videoplayern oder Spielkonsolen eine Befreiung von den Vorgaben der FCC beantragt und erhalten. Der Vorstoß von Amazon, Sony und Kobo hat demnach durchaus eine Chance.

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7 Antworten auf Amazon, Kobo und Sony: Unsere Geräte sind nicht behindertengerecht (zum Thread im Forum)

Katrin 8. August 2013 um 15:46 Uhr

In unserer Bibliothek werden eReader verliehen und von vielen, gerade älteren Kunden, wird bemängelt, dass die Menüs viel zu klein dargestellt werden. Leider ist uns noch kein Gerät untergekommen, welches über eine ausreichend groß dargestellte Menüführung verfügt. Denn was nützt mir eine Einstellung von faustgroßen Wörtern im EPUB-Text, wenn das Menü nicht skalierbar ist und man folglich Probleme hat, erst dorthin zu gelangen? Zumindest das wäre doch für die Hersteller ein Leichtes!?

Stefan W. 8. August 2013 um 20:00 Uhr

Bei Schätzungen geht man mittlerweile von ca. 5 Millionen sehgeschädigter Menschen nur in Deutschland aus. Diese Leute sind also zu großen Teilen nicht mehr in der lage, bedrucktes Papier überhaupt noch zu lesen. Die E-Bookreader wären also eine gute Alternative, auch diesen Leuten nach wie vor Literatur zu verkaufen. Das schlägt jedem rein wirtschaftlich denkenden “Marketingexperten” ins Gesicht! Immer hin ist die am stärksten greifende Behinderung mit zunehmendem Alter ja wohl unbestritten dieSehbehinderung. Aber Blindheit scheint sich in diesem Fall ja wohl auch ohne Augenfehler zu verbreiten! :-(

Alexander 8. August 2013 um 22:47 Uhr

Alles schön und grün, man sollte nur bedenken, schenkt oder stellt man älteren Menschen, oder Sehbehinderten Menschen einen Ebookreader zur Verfügung, selbst wenn das Menü gross genug sein sollte, wie kommen die Ebooks auf das Gerät? Ich selbst habe einen (neuen) Trekstore Ebook Reader 3.0. Über USB an einen PC anschliessen, Ebooks aus dem Internet kaufen und drauf kopieren. Zahlen per Sofortüberweisung, Paypal, Kreditkarte. Nun sagt mir mal bitte, wie das dann bewerkstelligt werden soll? Ich denke mal hier die menüführung ist das wenigste Problem?!

Markus 9. August 2013 um 08:08 Uhr

Ich bin einer dieser Sehgeschädigten aus Deutschland. Schrieb schon kurz nach dem Erwerb des Kindle 4 Amazon an und wies sie darauf hin bitte einem Software Update das skalieren des Menüs zu ermöglichen. Auch die Schriftenvergrößerung sollte verbessert werden. Der Unterschied zwischen Stufe 6 und 7 sei zu groß.

Noch besser wäre eine stufenlose Skalierung der Schrift im Buchtext wie Menü ähnlich der Lichtstärken Regelung beim Paperwhite.

Bekam von Amazon die übliche Nachricht man bedanke sich für den Hinweis, leite meine Anregungen weiter und wolle sie bei künftigen Software Updates berücksichtigen. Passiert ist nichts.

Meine Sehbehinderung ist auch ein Grund warum ich mir bisher fast nur Ebooks von Warez Seiten hole.

Warum ?

Sind natürlich DRM frei und so kann ich jene wenigstens nach einigen Experimenten meiner Sehschwäche per Calibre individuell anpassen.

Für sehbehinderte Mitleser. Bei Calibre in die Einstellungen gehen. Dann zu Konvertierung – Allgemeine Einstellungen – Layout.

Anzeigeschriftgröße : 17,0 Punkt
Schriftgrößenschlüssel: 17, 18, 20, 22,24

Dann das Buch konvertieren. Merkt Euch die oben genannten Zahlen. Zufrieden? Wenn nicht ändert etwas die Zahlenwerte und konvertiert neu. Macht dies ggf. so lange bis ihr den Text flüssig lesen könnt.

Amazon,Kobo und Sony sollten sich schämen so Behinderten feindlich zu sein. Auch wir haben finanzielle Mittel und würden uns gerne behindertengerechte Medien wie behindertengerechte (DRM freie…) Inhalte kaufen.

Verbaut nur gute Displays und verbessert die Software so das jeder Typ Mensch damit zurecht kommen kann.Heißt vom Schulkind, gesunder Erwachsenr, sehbehinderter Erwachsener und Senioren.

Juergen Schulze 9. August 2013 um 16:37 Uhr

Das nennt sich ökonomisch 80-20-Regel (Pareto-Prinzip).
Wenn man mit 20% Aufwand 80%+ des Marktes erreicht, dann ist das genug.
Den “Rest” zu erreichen bzw. zufrieden zu stellen, kostet meist 80%+ an Aufwand.

Domingos 10. August 2013 um 10:50 Uhr

@Alexander, die meisten Geräte haben einen integrierten Shop, so dass man mit Internetzugang und Adobe-ID die Bücher direkt am Gerät kaufen kann.

Zum Artikel, ich weiß schon mal, welche Geräte ich nicht kaufen würde. Ich bin selber blind und verwende meistens das Notebook, um mir Texte vorzulesen zu lassen. Das Argument mit dem technischen Aufwand ist größtenteils Unsinn, Amazon z.B. hat eine Vorlesefunktion integriert. Sony verwendet – wenn ich nicht irre – eine angepasste Android-Version ebenso wie der Tolino. In Android sind Features wie Vergrößerung und Sprachausgabe integriert und müssten nur übernommen werden. Ich hatte mal in einem Artikel gezeigt, dass Blinde und Sehbehinderte vermutlich mehr Bücher kaufen würden als Sehende, wenn sie zugänglich wären: http://www.oliveira-online.net/wordpress/index.php/2013/06/15/bucher-fur-alle-warum-behinderte-ausnahmen-vom-urheberrecht-brauchen/

Beste Grüße

domingos

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