Von Johannes
Ein Jahr Sony Reader in Deutschland
Kindergeburtstag in Berlin: Sony Deutschland kann heute den 1. Jahrestag seiner Präsenz auf dem hiesigen eBook Reader Markt begießen. Am 11. März 2009 – einen Tag vor der Leizpiger Buchmesse - kam der Sony Reader PRS-505 zum Preis von 299 Euro in den deutschen Handel, war vom Start weg unter anderem in den damals 231 deutschen Thalia-Filialen und bei buch.de zu haben. Anfang September gesellten sich dann die Elektronikmärkte von Metro (MediaMarkt, Saturn) zur Gruppe der Vertriebspartner.
“Die Zukunft des Lesens beginnt heute” betitelte der Hersteller seine Launch-Pressemitteilung heute vor einem Jahr und beschwor ein “riesiges Interesse schon vor dem Markstart”. Konkrete Verkaufszahlen aus dem Hause Sony gibt es bislang nicht (statt dessen immer wieder die Versicherung, man sei “sehr zufrieden” mit den Umsätzen), der ganz große Bestseller ist der PRS-505 aber wohl nicht geworden.
Schon beim deutschen Verkaufsstart nicht mehr auf der Höhe seiner Zeit (in Japan kam der Reader bereits im Herbst 2007 in den Handel), wurde das Lesegerät innerhalb eines halben Jahres um 1/3 verbilligt und Anfang 2010 in aller Stille zu Grabe getragen. An seine Stelle trat jüngst die kleinere und funktional deutlich abgespeckte Sony Reader Pocket Edition, zum “alten” Verkaufspreis des PRS-505 wurde schon im Oktober 2009 die Sony Reader Touch Edition veröffentlicht.
War Sony im März 2009 noch weitgehend allein auf dem deutschen Markt für elektronische Lesegeräte – in Sachen Marketing und Vertriebspräsenz äußerst überschaubare Konkurrenz gab es nur von Distributoren wie Bookeen und OEMs wie Hanvon -, ist spätestens seit dem vergangenen Herbst (Hugendubel nimmt iRiver Story u.a. Reader ins Sortiment, Kindle 2 kommt nach Deutschland), die Luft dünner geworden. In den nächsten Monaten werden neue Player vom Kaliber eines Samsung oder ASUS mit Sicherheit dafür sorgen, dass Sonys Marketingabteilung nicht langweilig wird; es gilt, amerikanische Verhältnisse zu verhindern.
Auch wenn Sony bislang keinen “Game-Changer” a là Kindle-Plattform aus dem Hut gezaubert hat: Der ganzheitlichen Strategie des Herstellers ist es zu verdanken, dass heutzutage aktuelle deutschsprachige Literatur in digitaler Form zumindest keine Ausnahmeerscheinung mehr ist. Getreu dem Motto “Content is king” hatte sich Sony schon im Vorfeld seines Markteintritts in Gesprächen mit den großen deutschen Verlagen um ein breites Angebot bemüht – wovon nun auch die anderen Hersteller profitieren. Über seine große stationäre Präsenz generierte der Sony Reader zudem viel Aufmerksamkeit für das Thema “elektronische Lesegeräte” gerade auch in lesefreudigen, aber wenig IT-affinen Bereichen.
Mittels vorab durchgeführter Schulungen (die Schulungsgeräte kamen später unter den Hammer) versuchte Sony eine adäquate Vor-Ort-Beratung sicherzustellen, den Menschen die Angst vor der Technik zu nehmen. “Dank” Verlagsparanoia und damit verbundener komplizierter DRM-Verschlüsselungen ließen sich auf diesem Weg aber nicht alle Hürden zum digitalen Buch abbauen, Support-Foren (vor allem bei Sony selbst) füllten sich schnell mit hilfesuchenden Reader-Nutzern.
In jedem Fall hat Sony die Gerätegattung eBook Reader hierzulande salonfähig gemacht, Literaturbegeisterten schon viele schöne elektronische Lesestunden geschenkt und wohl den Verlagen bereits zum einen oder anderen Umsatzeuro verholfen. Auch die Existenz von lesen.net ist in gewissem Maße auf den Markteintritt Sonys zurückzuführen; entsprechend wünschen wir Sony Deutschland alles Gute zum “1-Jährigen” – verbunden mit einem Dankeschön für die wirklich gute Zusammenarbeit – und freuen uns auf Spannendes in den nächsten zwölf Monaten (z.B. die Daily Edition in Deutschland).
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13. März 2010
12:02 Uhr
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Stephan schreibt:
Die viel wichtigere Frage ist doch, wann gibt es endlic genugen Bücherauswahl in Deutschland? Nicht die Geräte sind das wichtige, sondern dass es endlich eine vernünftige Auswahl von aktuellen Büchern zumindest zu Taschenbuchpreis gibt.