Von Johannes
Hanvon N516 im Test (+HD-Video)
149 Euro kostet der Hanvon N516 seit drei Wochen bei Weltbild.de – kein Lesegerät mit E-Ink Display ist ähnlich günstig. Unser Testbericht verrät, ob “preiswert” beim Fünf-Zoller aus China auch “billig” bedeutet oder ob mit dem Hanvon N516 ein echtes Schnäppchen zu schießen ist.
Kleiner Preis, kleiner Reader: Dank 5″ Bildschirmdiagonale (600x800px/200dpi, 8 Graustufen) und kompakter Bauform findet der Hanvon N516 problemlos in jeder Manteltasche Platz. Bei einem Gewicht von 170g ohne Cover macht sich das chinesische Lesegerät hier auch kaum bemerkbar.
Einen ähnlich kompakten Fußabdruck weist das ungleich bekanntere Schwestermodell Hanvon N518 (auch verkauft als Hexaglot N518) auf, der hierzulande in etlichen Online-Shops erhältlich ist und sogar schon einmal auf der Titelseite der BILD-Bundesausgabe auftauchte. Im Vergleich hat der N518 einen Wacom-Touchscreen für Notizen, Windows CE als Betriebssystem (N516: Linux) und eine 4 Gbyte statt 2 Gbyte Speicherkarte im Lieferumfang, kostet dafür aber auch 110 Euro mehr und richtet sich an eine andere (mit Texten arbeitende) Zielgruppe.
Die direkte Konkurrenz vom Hanvon N516 heißt eher Sony Reader Pocket Edition. Sonys Fünf-Zoller bringt für 199 Euro einen ähnlichen Funktionsumfang mit und ist anders als der Hanvon N516 auch im stationären Handel (Buchhandlungen, Saturn, MediaMarkt) erhältlich – ein nicht zu unterschätzender Vertriebsvorteil. Äußerlich haben die beiden Lesegeräte aus China und Japan trotz ähnlichem Bedienkonzept relativ wenig gemein.
Optik, Haptik, Zubehör
Während bislang alle Sony Reader Modelle komplett alu-ummantelt daher kommen, setzt Hanvon weitgehend auf ein konturiertes Kunststoff-Gummi-Gemisch. Lediglich der Rahmen besteht aus “konventionellem” glänzendem Plastik. Die ungewöhnliche Außenhaut erinnert nicht nur optisch an Leder, sondern fühlt sich auch ähnlich an – ein gänzlich anderes haptisches Empfinden als die kalte Alu-Oberfläche von Sony Lesegeräten oder den anderswo üblichen Vollplastikgehäusen.
Beim Lieferumfang hat Hanvon trotz des Kampfpreises nicht gegeizt: Mit Kunstledercover, USB-Kabel, Netzteil, 2 Gbyte SD-Karte, Kopfhörern (!) und einem gedruckten Handbuch offerieren die Chinesen deutlich mehr als etwa Sony bei seiner doppelt so teuren Touch Edition. Hier wie auch bei der Pocket Edition ist nur eine Neoprenhülle sowie als nötigstes Zubehör ein USB-Verbindungskabel zum Laden und zur Befüllung mit digitaler Literatur inklusive.
Auf dem Kunstledercover befinden sich Magneten, womit der Hanvon N516 mit einem Handgriff bombenfest befestigt wird – clever. Darüber hinaus erfüllt das Cover seinen Zweck, stört aber bei der Reader-Bedienung: Eine (warum auch immer) auf der linken Seite platzierte ansich praktische Blätterwippe wird bei Nutzung der Hülle de facto unbrauchbar.
Technik & Funktionen
Der Hanvon N516 ist zwar als reines Lesegerät konzipiert, dabei aber kein “NoFrills”-Reader wie die Sony Reader Pocket Edition. Die Wiedergabe von Musik und Hörbüchern über den 3,5mm Kopfhöreranschluss und eingebaute Lautsprecher ist ebenso möglich wie die Aufnahme von Sprachnotizen, wofür unten ein kleines Mikrophon platziert wurde. Ein paar ärgerliche Kleinigkeiten machen den Mehrwert aber teilweise zunichte: Der MP3-Player unterstützt keine Ordner und kann mit ID3-Tags wenig anfangen, für den schnellen Zugriff auf die Aufnahmefunktion hätte man sich einen Extra Button gewünscht.
Fürs Anhören von ein paar Lieblingsalben während der Lektüre ist der Hanvon N516 aber auf jeden Fall zu gebrauchen; ab Werk stehen zur Speicherung bereits 2 Gbyte Platz auf der beiliegenden SD-Karte zur Verfügung. Bei Bedarf kann der Speicherplatz sogar auf bis zu 32 Gbyte erweitert werden. Neben Musikdateien können hier auch Bilder sowie natürlich eBooks in allen gängigen Formaten (epub und pdf auch mit Adobe-DRM) aufgespielt werden.
Usability
Die Bedienung erfolgt wie bei Sony wahlweise über 10 seitliche Nummerntasten oder über einen 4-Wege-Button, um den vier weitere Tasten – Menü, Korrektur, OK und eine Anwahltaste für Musik – gruppiert wurden. Beide Steuerungsoptionen sind praktikabel, das Navigationskreuz ist allerdings (anders als die Tasten) recht schwammig und unpräzise geraten.
Schnellwahltasten gibt es außerdem für den Wechsel vom Hoch- zum Querformat, fürs Zoomen und zum Bookmarken. Was fehlt, ist eine Taste zum Aufrufen des implementierten Inhaltsverzeichnisses von eBooks – das ist nämlich offenbar überhaupt nicht möglich.
Die Firmware verfügt über eine logische Menüstruktur und ermöglicht den schnellen Zugriff auf alle wesentlichen Funktionalitäten, ist aber teilweise wirklich grenzwertig langsam. Der Wechsel von einer zur nächsten Menüebene dauert zumeist 2-3 Sekunden – das ist ansich kein großes Problem (die verbrachte Zeit in Menüs ist bei einem reinen Lesegerät sehr überschaubar), aber angesichts des geringen Funktionsumfangs doch verwunderlich.
Hauptverantwortlich für das lahme Reaktionsverhalten dürfte die eigentlich für Low Budget Smartphones konzipierte ingenic JZ4740 CPU (336 MHz) sein, welche sich übrigens auch im Hanvon N518 wiederfindet. Aber auch bei der Firmware gibt es offenbar noch Optimierungsspielraum: Mit dem offenen Betriebssystem OpenInkpot soll der Fünf-Zoller deutlich schneller sein, zudem bekommt man damit noch mehr Konfigurationsmöglichkeiten. OpenInkpot unterstützt allerdings keine DRM-geschützten Dateien, ist somit für an aktueller Literatur Interessierte momentan keine wirkliche Option.
Lesen
Die langsame Hardware spiegelt sich auch beim Lesen wider – rund 1,5 Sekunden vergehen beim Umblättern einer Seite, höherpreisige Lesegeräte sind knapp dreimal so schnell (vgl. Video: Vergleich mit dem Amazon Kindle 2). Darüber hinaus gibt sich der Hanvon N516 in der Kerndisziplin keine Blöße: Die Textanzeige ist scharf und kontrastreich, das Display frei von Spiegelungen und auch bei direkter Sonneneinstrahlung gut lesbar.
Text kann in drei Stufen gezoomt werden, was in den meisten Fällen ausreichend ist. Gute Augen würden sich allerdings manchmal eine noch kleinere Textdarstellung wünschen – der scharfe Bildschirm gäbe das her. Schade auch, dass die Schriftart firmware-bedingt nicht geändert werden kann.
pdf-Dateien können wahlweise im Originallayout angezeigt (dann ist meisten horizontales Scrollen nötig) oder “aufgebrochen” und im Fließtext ausgegeben werden. Letzteres bietet sich für reine Textdateien an – sind Grafiken im Spiel, ist in aller Regel eine statische Ausgabe vorzuziehen. Schön ist auf jeden Fall, dass Hanvon dem Nutzer hier die Wahl der Anzeigeart lässt.
Fazit
Auf den ersten Blick wirkt der Hanvon N516 keineswegs wie ein Low Budget Device: In Sachen Erscheinungsbild, haptisches Erlebnis und Verarbeitungsqualität muss sich der leichte Fünf-Zoller auch hinter deutlich kostspieligeren Lesegeräten nicht verstecken. Ein Extralob verdient außerdem das Zubehörpaket: Was hier alles inklusive ist, würde etwa bei Sonys Pocket Edition noch einmal mit rund 40 Euro extra zu Buche schlagen. Das Preis-Leistungsverhältnis vom Hanvon N516 ist in Deutschland momentan wirklich beispiellos.
Wenn man den Hanvon N516 einschaltet, offenbart sich allerdings die Schattenseite des Niedrigpreiskonzepts: Antiquierte Hardware und ein offenbar unsauber programmiertes Betriebsystem bremsen den kompakten Reader merklich auch. 1,5 Sekunden Blättergeschwindigkeit sind schlicht nicht mehr zeitgemäß; aktuelle Lesegeräte lassen den beim N516 noch offensichtlichen (und viel bemäkelten) “E-Ink Splash” fast vergessen. Auch die Sony Reader Pocket Edition wechselt deutlich schneller die Seiten als der chinesische Konkurrent.
Wer mit der trägen Arbeitsgeschwindigkeit leben kann, bekommt mit dem Hanvon N516 aber ein grundsolides Lesegerät nebst exzellentem Verhältnis von Preis und Leistung. Bei 170 Gramm Gewicht und jackentaschentauglichen Abmessungen hat der Fünf-Zoller das Potenzial zum ständigen Taschenbuchersatz für unterwegs, liegt dabei auch ohne das mitgelieferte Kunstledercover gut und angenehm in der Hand.
- Hanvon N516 bei weltbild.de
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17 Kommentare
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25. April 2010
20:50 Uhr
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Xanathon schreibt:
Mich stört eigentlich nur die überlange Boot-Dauer. Die Umblätter-Zeit lässt sich deutlich verbessern, wenn man in den Settings abstellt, dass bei jedem Umblättern die Anzeige einmal komplett invertiert wird. Es kommt danach zwar bisweilen zu Ghosting, aber dann kann man durch Drücken der OK-Taste wieder zu einem klaren Bild kommen. Der Lesekonfort erhöht sich durch diese Einstellung beträchtlich.
Ich denke auch, dass durch eine verbesserte Firmware noch eine Menge aus dem Gerät zu machen wäre (denn wie korrekt beschrieben agiert das Gerät unter OpenInkPot deutlich fluffiger).
Ich bin mit dem Gerät bei den gebotenen Features für den Preis sehr zufrieden.
25. April 2010
21:49 Uhr
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Timo schreibt:
Sehr interessanter Test, vor allem das Video. Danke.
25. April 2010
21:54 Uhr
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Micro M schreibt:
Wieder mal einen sehr detaillierter Bericht – einzigartig im (deutschen) Netz !!!
Ob die nun Kopfhörer dazu tun oder nicht, wäre mir kein Ausrufezeichen wert. Ok, das machen andere nicht – wohl aus dem Grund, weil dieserart billigheimer ‘eh nichts taugen. Und Kunstledercover halten auch nicht so lange (da lobe ich mir mein Boox ECHT-Leder-Cover)
Ich würde ja gerne mal wissen, was das für ein Kopfhöreranschluss ist, der 3mm mißt. Meines Wissens gibt es nur 2,5 oder 3,5 mm Klinkenbuchsen – soll wohl 3,5 heißen?
Schön, das der Reader mit SDHC Karten umgehen kann – haben die also nicht alten Schrott eingebaut – das macht einen guten Eindruck.
Schön, das hier auf einen Touchscreen verzichtet wurde. Den braucht man nicht unbedingt und die Augen danken es einem…
26. April 2010
09:22 Uhr
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paradoxus schreibt:
Wieder mal: ein super Test! Danke! Man kann aus Eigennutz nur hoffen, dass du dich mit deinem Portal hier nicht irgendwann von einer größeren Firma abwerben lässt ;-) Bessere (v. a. kritische und nicht im Computerbild-Dummschwätz gehaltene) deutschsprachige Testberichte habe ich nämlich bisher nicht gefunden!
26. April 2010
21:36 Uhr
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mygadgetblog.de schreibt:
Also am genialsten ist ja wohl das Befestigungssystem im Cover! Respekt, da muss man erstmal drauf kommen, sitzt fest, rutscht nicht, lässt sich dennoch leicht einsetzen und rausnehmen, wirklich gut gelöst.
27. April 2010
18:50 Uhr
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Johannes schreibt:
Danke fürs Lob @paradoxus @Micro @Timo, sowas freut mich natürlich zu lesen & motiviert fürs nächste mal :)
Ciao
Johannes
2. Mai 2010
00:06 Uhr
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Oliver Flimm schreibt:
Ich besitze den Hanvon N516 seit Ende letzten Jahres und bin mit dem Gerät sehr zufrieden. Allerdings kann ich nicht viel zur hier getesteten Original-Firmware sagen, da ich mich für das Gerät nach langer Marktsichtung neben des geringen Preises (damals 189 EUR) und der “Handlichkeit” (=Ausmaße/Gewicht) vor allem wegen der Verfügbarkeit einer alternativen Linux-Firmware entschieden haben.
Mit OpenInkpot (http://openinkpot.org/) kann ich das monierte “langsame Umblättern” (normal sind bei eInk ohnehin 0.8sec für einen vollen Refresh) nicht bestätigen. Bei großen ePub-Dokumenten (größer 1MB) dauert es allerdings manchmal schon ein paar Sekunden, bis die erste Seite erscheint, danach geht das Blättern sehr schnell Das liegt aber am Design von ePub, da erst alles mit CSS gerendert werden muss – das gleiche Dokument alternativ als mobi-Datei ist quasi sofort da.
Gegenüber der Original-Firmware sind sehr viele Funktionen dazugekommen, allerdings kann das Gerät mit OpenInkpot grundsätzlich nicht mit DRM umgehen. Das sehe ich aber nicht als Verlust, denn hochpreisige elektronische DRM-Bücher, die mich als ehrlichen Käufer so übervorteilen, ignoriere ich ohnehin (mit Linux kann ich sie sowiso nur kaufen, aber nicht nutzen) und kaufe mir lieber die DRM-freie Print-Ausgabe.
Mit dem internationalen Projekt Gutenberg, dem Internet Archiv und Google Books gibt es ohnehin viel klassischen Lesestoff, aber auch innovative Verlage wie O’Reilly bieten ihre technischen Bücher DRM-frei an.
Fast täglich nutze ich die Software Calibre (http://calibre-ebook.com/, für Windows, Mac, Linux) um kostenlos aus dem Web-Angebot verschiedener Zeitungen, Webseiten und Blogs automatisch E-Books generieren zu lassen. “Die Zeit” als ePub ist deutlich ÖPNV-tauglicher als die Print-Ausgabe ;-) Es wäre schön, wenn Zeitungen endlich einmal ihre Angebot in schlanken E-Book-Formaten anbieten würden und nicht als obligatorisches PDF, wie “Die Zeit”. Derzeit bietet wohl nur die TAZ das ePub-Format (dazu noch DRM-frei) an.
Noch ein Wort zu den E-Book-Formaten. Mit den kleinen Readern (5-6 Zoll) und den dort verbauten Prozessoren wird man bei PDF-Dateien nicht wirklich glücklich. Überzeugt hat mich mit PDF im Selbsttest nur der Kindle DX, der aber aufgrund seiner Größe und seines Gewichts (und des Preises) sicherlich nichts für die Hosentasche ist…
Überhaupt ist so ein Reader nach meiner bisherigen Erfahrung weniger zum schnellen Durchbrowsen geeignet – das geht mit der Print-Ausgabe einfach besser. Aber zum “sequentiellen” Lesen, speziell auch bei Dokumenten, die ohnehin schon elektronisch vorliegen, sind sie eine gute Alternative gegenüber einem Bildschirm.
Alles in allem ist der N516 ein gutes, portables Gerät, mit dem man die eInk-Technik für (relativ) wenig Geld nutzen kann – und das noch genug Geld für die nächsten, verbesserten Reader-Generationen übrig lässt…
17. Mai 2010
11:59 Uhr
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iRoSt schreibt:
Ich habe mir den Reader vor 3 Wochen, kurz nach Deinem Bericht, zugelegt. Nun mit der Bisherigen Erfahrung muss man sagen, dass die Verarbeitungsqualität als eher schlecht bezeichnet werden muss. Da machen der txtr Reader und der iRiver Story eine deutlich bessere Figur. Allerdings war es bei diesem Preis nicht anders zu erwarten.
Das umfangreiche Zubehör ist aber bemerkenswert und die mitgelieferte Schutzhülle macht nahezu einen besseren qualitativen Eindruck wie das Gerät selbst.
Die Firmware ist richtig schlecht, zwar werden Schriften recht gut dargestellt und 3 Schriftgrößen sind sicher ausreichend, aber die Organisation der Bücher selbst ist eine Katastrophe. In den Listen werden eigentlich verstecke Dateien (z.B.: .trash) mit angezeigt und Tags werden gar nicht unterstützt, da sollte nachgebessert werden. Da machen iRiver und Bookeen eine deutlich bessere Figur.
Mein Fazit: der Preis und das Zubehör sprechen für sich, die Software sollte nachgebessert werden.