Von Johannes
Kindle Highlight-Funktion in der Kritik
“Vernetztes Lesen” ist eine der Kernfunktionen vom neuen Kindle-Betriebssystem 2.5: Wer das automatische Firmware Update bereits erhalten hat, bekommt auf Wunsch via Whispernet von anderen Kindle-Nutzern besonders häufig markierte Passagen in der eigenen Lektüre angezeigt. Doch das Highlighting-Feature stößt nicht nur auf ein positives Echo.
Die populärsten Passagen lassen sich auch online einsehen.Markiert wurden demnach bislang hauptsächlich eingängige Textstellen und Zitate aus populären Romanen (Das verlorene Symbol, Die Hütte – Ein Wochenende mit Gott, …). Denkbar sind aber auch durchaus problematische Szenarien.
Damon Brown von bnet nennt beispielhaft “The 48 Laws of Power“, eines seiner aktuellen Lieblingsbücher. Das Sachbuch beschreibt teils recht anrüchige Strategien für den (Karriere)weg nach oben. Was er sich hier markiert (und damit für persönlich relevant erachtet), würde er – verständlicher Weise – ungern mit anderen teilen. Amazon anonymisiert zwar die Daten und zeigt Aggregierungen erst ab gleichen Markierungen von drei Nutzern an; die Sorge um die eigene Privatsphäre erscheint aber angesichts immer neuer Datendiebstähle nicht ganz unbegründet.
Ein weiteres naheliegendes Beispiel ist das Anarchist Cookbook, in dem neben etwas theoretischem Background auch ganz konkrete Bauanleitungen für Sprengstoff zu finden sind. Wer sich hier im Kindle Book etwa eine Einkaufsliste für das Zusammenbasteln einer Rohrbombe highlighted, ist nicht zuletzt für Behörden und Polizei von Interesse.
Wenig hilfreich für die Außendarstellung von Amazon ist dabei, dass das Unternehmen seine Nutzer zur Aktivierung des Austauschs von Notizen gewissermaßen erpresst. Wer seine Highlights für sich behalten möchte, muss nämlich gleichzeitig auf eine geräteübergreifende Synchronisierung der letzten gelesenen Seite verzichten – ein Feature, ohne das die hardwareübergreifende Kindle-Plattform (iPad, iPhone, PC, Mac, …) einiges an Attraktivität verliert. Ebenso verliert man die Backup-Funktion für seine Notizen und Markierungen; geht ein Kindle verloren oder kaputt, sind dann die Anmerkungen unwiderruflich weg.
Auch wenn die Funktion in den allermeisten Fällen unverfänglich und für manche Nutzer wohl ein echter Mehrwert ist, nähert Amazon mit seiner wachsenden Datensammlung mal wieder Big Brother Befürchtungen. Zuletzt offenbarte die “1984-Affäre” um ein aus der Ferne von Amazon gelöschtes illegal verkauftes eBook die Kehrseite von cloudbasierenden Plattform-Modellen, in denen gegenwärtig die Zukunft von digitalem Lesen gesehen wird.
Auf der einen Seite kommen Nutzer wesentlich komfortabler an ihre Lektüre, können nahtlos auf verschiedenen Endgeräten lesen (z.B. in der U-Bahn mit dem iPad, im Bett mit dem Kindle) und stehen mit zahlreichen anderen Lesefreunden in Verbindung; auf der anderen Seite gibt man ein Stück Privatsphäre an den Betreiber ab, bindet sich und seine Literatursammlung zudem dauerhaft an ein renditeorientiertes Großunternehmen.
<via Gigaom.com>
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5. Mai 2010
11:41 Uhr
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Micro M schreibt:
Es ist wie immer im Leben: Trau, schau, wem.