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Kobo Arc im Test

24.2.2013 - von - eReader Topnews 8 Kommentare

Mit dem Kobo Arc will der E-Book-Spezialist Kobo am schnell wachsenden Tablet-Markt mitverdienen. In wieweit der Sieben-Zoller konkurrenzfähig zu den Tablets von Google, Apple & Co. ist, sagt unser Testbericht.

Der Kobo Arc ist schon das zweite Tablet von Kobo. Über das Kobo Vox legte sich allerdings schnell ein Mantel des Schweigens: Vor allem das sehr dürftige Display und die überschaubare Nutzbarkeit mangels Zugriff auf den offiziellen Android Market ließen das Gerät in Tester- und Käufergunst gnadenlos durchfallen.

Nexus 7 neben Kobo Arc

An unter anderem diesen Stellschrauben hat Kobo beim Arc gedreht, das im September 2012 vorgestellt wurde und seit ein paar Tagen endlich in Deutschland erhältlich ist. Das Gerät verfügt über ein 7″ IPS-Display, das 1280x800px auflöst – dieselben Eckdaten hat das beliebte Google-Flaggschiff Nexus 7 und das Kindle Fire HD. Außerdem haben Arc-Nutzer vollen Zugriff auf den Google Play Store und somit auf einen reichen Fundus von Android-Apps.

Optik und Haptik

Mit 360 Gramm liegt das Kobo Arc zwischen Nexus 7 (335 Gramm) und Kindle Fire HD (395 Gramm); iPad Mini (308 Gramm) und der nur in den USA erhältliche Nook HD (315 Gramm) sind deutlich leichter. Trotzdem ist das Gerät weit entfernt davon, unangenehm schwer in der Hand zu liegen, dazu trägt auch die gummierte Ummantelung bei. Gerade bei längerer Nutzung fällt aber schon ein Unterschied zu dedizierten Lesegeräten auf, die im 6″ Format zwischen 165 Gramm (Sony Reader PRS-T2) und 220 Gramm (Kindle Paperwhite) liegen und sich auch längere Zeit ermüdungsfrei mit einer Hand gebrauchen lassen.

Text auf Kobo Arc, Kindle Paperwhite

Im Vergleich zu iPad und Nexus 7 mit ihren komplett glasüberzogenen Fronten wirkt der Kobo Arc recht altbacken. Die eckige Form und der dicke Gummirand wirken einfach nicht zeitgemäß – netter kann man das Design natürlich auch mit „zeitlos” oder „zurückhaltend” umschreiben, am Ende des Tages ist es Geschmacksache.

Zubehör

Kobo Arc Verpackung & Zubehör

Der Arc kommt in einer zweckgemäßen Verpackung, neben dem Tablet liegt eine Schnellstart-Anleitung sowie ein USB-Kabel zum Laden und zur Datenübertragung im Paket. Ein kleiner Bonus ist das beiliegende Netzteil, Kopfhörer müssen bei Bedarf separat erworben werden.

Technik

Anders als das schon zum Erscheinungszeitpunkt hoffnungslos veraltete Kobo Vox ist der Arc technisch voll auf der Höhe der Zeit. Im Gerät steckt eine auf 1,5 GHz getaktete Dual-Core-CPU, 1 Gbyte RAM und ein 1280x800px auflösendes IPS-Display. Einzige Wehmutstropfen: Als Funkverbindung steht nur WLAN zur Auswahl (kein Bluetooth, kein 3G), und der Speicher ist nicht per microSD-Karte erweiterbar. Immerhin stehen ab Werk 16 bis 64 Gbyte Platz zur Verfügung – die in den USA für 200 US-Dollar erhältliche 16-Gbyte-Ausführung gibt es in Deutschland noch nicht, hier gibt es den Kobo Arc bislang nur mit 32 Gbyte (250 Euro) und 64 Gbyte (300 Euro). Damit ist der Kobo Arc genauso teuer wie ein Nexus 7 und ein Kindle Fire HD mit ebenso viel Speicherplatz.

Bedienung & Lesen

Auf dem Kobo Arc kommt ein nur leicht modifiziertes Android 4.0 (Ice Cream Sandwitch) zum Einsatz. Das wichtigste vorab: Das Gerät bietet Zugriff auf den Google Play Store und bietet damit die enorme Funktionsvielfalt eines vollwertigen Android-Tablets. Mit dem Kindle Fire HD kann demgegenüber direkt nur auf den Amazon App Shop zugegriffen werden, der allerdings immerhin mit allen gebräuchlichen Apps gefüllt ist.

Kobo hat das Gerät nur an zwei Punkten angepasst: Zum einen gibt es am unteren Bildschirmrand eine „Entdecken”-Leiste mit Literaturempfehlungen aus dem Kobo-Shop. Die Funktion ist nett, zumal sie sich dem eigenen Leseverhalten anpassen soll – noch bessere wäre es, wenn man die Leiste optional ausblenden könnte. Zum anderen hat Kobo „Tapestries” konzipiert, quasi dynamische Ordner, in denen man Apps und Verknüpfungen ablegen kann. Das ist sinnig, allerdings weder einzigartig noch unverzichtbar.

Vorinstalliert ist die Kobo-Lese-App, daneben können aus dem Play Store die Apps der Konkurrenz (zuvorderst natürlich die Kindle App) bezogen werden. Außerdem gibt es im Play Store auch noch allerlei Enhanced E-Books und Magazine-Apps (allerdings längst nicht so viele wie im Apple App Store) sowie natürlich Tausende Spiele und Produktiv-Apps, die dank der leistungsstarken Hardware-Basis flüssig wiedergegeben werden können. Die Bedienung auf dem hochauflösenden und hellen Display macht Spaß, allerdings hat sich der Gummirand bei einigen Wischgesten als störend (weil die Geste bremsend) herausgestellt – durchgehende Glasfronten a là Apple und Google haben da doch einen praktischen Vorteil.

Die Akkulaufzeit beträgt rund 10 Stunden – bei ausgeschaltetem WLAN, abgedunkeltem Display und anspruchslosen Anwendungen wie Lesen hält die Batterie besonders lange, bei Videos und Gaming eher kürzer. Das Gerät wird bei Nutzung nicht sonderlich heiß und liegt dank gummierter Rückseite knackig in der Hand, ist auf Dauer wie gesagt aber doch etwas schwer für die einhändige Nutzung.

Fazit

+

Der Kobo Arc ist solide verarbeitet, die leistungsstarke Hardwarebasis bietet genug Luft selbst für anspruchsvolle Anwendungen. Dank Integrierung des Google Play Store handelt es sich beim Arc um ein vollwertiges Android-Tablet mit bemerkenswert gutem Bildschirm, das der Nutzung keine Grenzen setzt.

-

Das Erscheinungsbild ist altbacken, bestenfalls bescheiden. Die Anpassungen, die Kobo an der Benutzeroberfläche vorgenommen hat, bieten kaum Mehrwert – störend kann die Nicht-Ausblendbarkeit der Empfehlungsleiste auf dem Homescreen sein.

=

Der Kobo Arc ist ein grundsolides Android-Tablet, das seinen Preis von 250 Euro absolut wert ist – Käufer des Sieben-Zollers werden eine Menge Spaß mit dem Gerät haben. Was dem Arc allerdings fehlt, ist ein Alleinstellungsmerkmal. Die moderaten Anpassungen der Benutzeroberfläche sind beim besten Willen kein Kaufgrund, das graumäusige Äußere für die meisten Tablet-Interessierten wohl eher abschreckend. Dem gegenüber hat das Google Nexus 7 ein schickeres Gehäuse und garantierte Updates des Betriebssystems (das Gerät ist jetzt schon bei Android 4.2, während der Kobo Arc bei Android 4.0 ist und wohl auch bleibt); der Kindle Fire HD kann mit HDMI-Anschluss, Bluetooth und einem besonders komfortablen Medien-Zugang punkten. Und so wird der wirklich gelungene Arc wohl nur eine Randerscheinung auf dem deutschen Tablet-Markt bleiben.

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Der Artikel "Kobo Arc im Test" wurde am 24. Februar 2013 (Sonntag) um 14:00 Uhr von geschrieben. Johannes Haupt (Xing / Twitter) ist Chefredakteur und Herausgeber von lesen.net.

8 Antworten auf Kobo Arc im Test (zum Thread im Forum)

Panurg 25. Februar 2013 um 10:41 Uhr

Ich besitze seit 4 Monaten einen Arc und habe damit gute Erfahrungen. Auch finde ich das Gerät nicht “altbacken” sondern finde den eingelassenen Screen äußerst angenehm – kann ihn einfach überall “screengeschützt” ablegen. Auch dass die zwei Lautsprecher auf der Frontseite angebracht sind ist von grossem Vorteil.
Alle Anwendungen (Filme, Musik etc.) sind ohne ruckeln und schnell. Und ich bin nicht in einem geschlossenen System gefangen wie bei Amazon!
Kann den Arc nur empfehlen.

Samy 26. Februar 2013 um 19:53 Uhr

300 Euro für 64 GB ist wirklich nicht schlecht. Aber das fehlen des Bluetooth ist schon sehr schlecht. Nutzte das gerade am Nexus 7 mit Bluetooh-Lautsprecher. Klappt super! GPS wird es wohl auch keines haben… das braucht ein Lesegerät zwar nicht.. Aber a) Gehen ohne das viele Apps nicht und b) kann man so aus einem Gerät schnell ein Navi machen…

Matze 17. August 2013 um 13:25 Uhr

Den Arc gibts jetzt bei Euronics ab 119,-Teuro. Ich habe mir gleich das 32er Modell gegönnt für 139,- gegönnt. Ich nutze das Ding hauptsächlich als Reader und zum surfen. Es ist für mich eigentlich ziemlich einmalig am Markt, da es zum einen eine Plattformintegration (Kobo) hat, zum anderen aber durch das freie Android alle anderen Plattformen ebenfalls bequem integriert werden können. Das erste Buch, das ich auf dem Gerät gelesen habe, habe ich über die Kindle App online gekauft und gelesen. Talia und Hugendubel lassen sich ebenso bequem nutzen um das Lesematerial online ohne PC zu beziehen. Zum lesen gefällt mir die Kindle App z.Zt. am besten, das sich schwarz/Weis invertieren lässt und die Helligkeit direkt aus der App steuerbar ist (wenn man in Andorid “automatisch” abstellt).
Zum neune Preis im Moment endgültig unschlagbar (ausser man legt Wert auf die frei Onlineverbindung des Paperwite 3G).