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Kobo Glo im Test

22.10.2012 - von - eReader Topnews 23 Kommentare

Die nächste E-Reader-Generation steht vor der Tür: Mit HD-Displays und integriertem Leselicht buhlen Kobo Glo und Kindle Paperwhite im Weihnachtsgeschäft um die Gunst der Lesefreunde. Wir haben uns den “Herausforderer” Kobo Glo einmal genauer angesehen.

Der Kobo Glo wurde im Rahmen der IFA Anfang September vorgestellt und sollte eigentlich Anfang Oktober zum Preis von 130 Euro in den deutschen Handel kommen. Allerdings scheint Kobo mit Lieferschwierigkeiten zu kämpfen – Online-Shops nennen aktuell durchweg Mitte November als Liefertermin. Unser Testgerät bekamen wir von der Kobo-Pressestelle.

Optik und Haptik

kobo-glo-headsupHatte das Vormodell Kobo Touch zumindest noch einen Home-Button, kommt der Kobo Glo ganz ohne haptische Bedienelemente auf der Frontseite aus. Dadurch ist der Reader noch einmal einen Zentimeter kürzer – Seite an Seite mit einem “Keyboard-Reader” wie dem Kindle Keyboard ist kaum zu glauben, dass beide Geräte gleichgroße Displays haben.

Der Kobo Glo ist mit 185 Gramm nicht ganz so leicht wie die “unbeleuchtete” Konkurrenz (Kindle 5: 170 Gramm; Sony Reader PRS-T2: 164 Gramm), liegt aber sehr bequem und mit gutem Schwerpunkt in der Hand; auch einhändiges Lesen ist ermüdungsfrei über einen langen Zeitraum möglich. Die gummierte Rückseite gewährleistet einen sicheren Halt. Insgesamt macht der Reader einen soliden und funktionalen Eindruck, ohne allerdings wirkliche optische Akzente zu setzen – zumindest bei ausgeschalteter Beleuchtung.

Zubehör

Der Lieferumfang ist so spartanisch wie inzwischen leider üblich: Einzig ein USB-Kabel zum Aufladen und zur Dateiübertragung befindet sich in der unscheinbaren Verpackung. Ein USB-Netzteil und ein Stylus wären aus Kobo-Sicht keine große Kostenblöcke gewesen und hätten im Verbund mit dem Lesegerät ein runderes Gesamtpaket ergeben – schade. Auch die obligatorische Reader-Hülle muss separat erworben werden; eine Reihe passender (Kobo-Touch-)Hüllen findet sich etwa bei amazon.de.

Technik

Funktionales Highlight des Kobo Glo ist zweifellos das E-Ink-Panel der Pearl-Generation. Der 6″-Bildschirm stellt 1024×758 Bildpunkte dar, deutlich mehr als “konventionelle” Lesegeräte (Kindle 3, Sony Reader usw: 800x600px). Ein so hochauflösendes Display bringt sonst nur der Kindle Paperwhite mit.

kobo-glo-beleuchtung-frontDie zweite und größere Schlüsselfunktion ist das integrierte Leselicht, dass über eine Extra-Taste auf der Oberseite aktiviert und nahezu stufenlos reguliert wird. Eine Reihe LEDs im unteren Rahmen bestrahlt den gesamten Bildschirm – eine spezielle Beschichtung des Bildschirms soll eine gleichmäßige Ausleuchtung gewährleisten. Kobo verspricht satte 55 Stunden Akkulaufzeit bei eingeschalteter Beleuchtung (und ausgeschaltetem WLAN).

Daneben bringt der Kobo Glo die Ausstattung mit, die man von einem Reader dieser Preisklasse heute erwarten kann: Einen reaktionsschnellen optischen Touchscreen, einen flotten GHz-Prozessor, WLAN-Anbindung an einen gut befüllten eBook Store. An internem Speicherplatz stehen 2 Gbyte bereit, wovon ab Werk rund 1,3 Gbyte frei sind – mittels microSD-Karte kann der Platz um bis zu 32 Gbyte erweitert werden, ein klarer Pluspunkt gegenüber der “slotlosen” Kindle-Familie. Umso enttäuschender, dass der Kobo Glo keine MP3-Unterstützung an Bord hat.

Lesen

kobo-glo-textvergleichDie Beleuchtung des Kobo Glo kann man nur als spektakulär bezeichnen. Das schwarz wirkt bei eingeschalteter Beleuchtung zwar etwas weniger kräftig, dafür erscheint der Hintergrund nahezu papierweiß – ein massives Kontrast-Plus gegenüber nicht-beleuchteten Lesegeräten. Viele Kobo-Glo-Besitzer werden darum das Leselicht sicherlich auch tagsüber eingeschaltet lassen – Amazon empfiehlt das für seinen Kindle Paperwhite sogar. Lediglich bei direkter Sonneneinstrahlung verblasst die Beleuchtung den Bildschirminhalt.

Die höhere Auflösung fällt im Vergleich bei weitem nicht so sehr ins Auge. Bei genauerem Hinsehen wirken Schrift und vor allem Bilder etwas schärfer als bei 800x600px-Auflösung, der Effekt ist aber eher marginal.

Bei der epub-Anzeige stehen eine ganze Reihe Anpassungsoptionen bereit: Schriftart, Schriftgröße, Zeilenabstand, Ränder, Stärke, Schärfe und Ausrichtung des Textes können verändert werden, teilweise nahezu stufenlos. Insgesamt 13 vorinstallierte Wörterbücher bieten Erklärungen zu markierten Wörtern.

kobo-glo-pdfAuch PDFs werden zügig geladen und ordentlich dargestellt: So gibt es etwa eine “Lock-Funktion”, mit der die gleiche Zoomstufe (maximal 300%) von Seite zu Seite übernommen werden kann. Allerdings ist die PDF-Anzeige nicht ganz auf einem Niveau mit der Referenz Sony Reader PRS-T2, wo Gimmicks wie pinch-to-zoom die Anpassung der statischen Seiten aufs kleine Display noch etwas einfacher machen.

Schreiben

kobo-glo-notizenKobo eReader waren bislang nicht dafür bekannt, zum Arbeiten mit Texten einzuladen, und auch der Kobo Glo schlägt hier kein neues Kapitel auf. Die Markierung von Text mit dem Finger ist eine äußerst mühsame und fricklige Angelegenheit – spätestens hier vermisst man den beiliegenden Stylus. Markierte Textstellen können dann noch mit Anmerkungen versehen werden, ein Export der Notizen oder handschriftliche Markierunngen gibt es nicht.

 

Fazit

+

Der Kobo Glo ist klein, leicht und liegt gut in der Hand. Im direkten Vergleich mit Amazon schränkt Kobo seine Kunden wesentlich weniger ein – dank Adobe-DRM-Unterstützung können eBooks auch aus anderen Quellen gekauft und geladen werden, der microSD-Slot schafft nahezu unbegrenzten Speicherplatz. Gleichzeitig bietet Kobo ein ähnlich weitverzweigtes App-Ökosystem wie Amazon – über den Kobo Glo gekaufte Literatur kann nahtlos auf Android- und iOS-Geräten synchronisiert und gelesen werden (und andersherum).
Das Display – Schlüsselkomponente jedes elektronischen Lesegeräts – ist eine Klasse für sich. Insbesondere die integrierte Beleuchtung überzeugt mit herausragenden Kontrasten – vom praktischen Vorteil des augenfreundlichen Lesens in Dunkelheit ganz zu schweigen.

-

Im wirklich runden Gesamtpaket des Kobo Glo gibt es nur einige kleine Wehmutstropfen. So würden wir uns einen vollständigeren Lieferumfang wünschen, die PDF-Anzeige bietet Luft nach oben, und für die (wissenschaftliche) Arbeit mit Texten ist der Kobo Glo nur eingeschränkt zu gebrauchen. Wer viel markieren will, trifft mit dem Sony Reader PRS-T2 möglicherweise die bessere Wahl. Schließlich wird sich Kobo mit dem radikalen Verzicht auf haptische Fronttasten nicht überall Freunde machen – gerade seitliche Blättertasten erfreuen sich einiger Beliebtheit, wischen beziehungsweise tappen zum Blättern ist einfach nicht jedermanns Sache.
=

kobo-glo-awardKobo ist mit seinem Glo ein großer Wurf gelungen – der Sechs-Zoller lässt mit seinem integrierten Leselicht die derzeitige Konkurrenz richtig alt aussehen. Der Aufpreis gegenüber “konventionellen” Lesegeräten ist dabei absolut vertretbar: Der Kindle Touch ist 20 Euro günstiger, der Sony Reader PRS-T2 30 Euro (99 Euro bei ebook.de).

Bleibt zu hoffen, dass Kobo der erwartbaren Nachfrage im Weihnachtsgeschäft gewachsen ist und sich der Verkaufsstart nicht noch weiter nach hinten verschiebt. Wer heute den Kindle Paperwhite bei Amazon.de bestellt, bekommt den Reader am 10. Dezember – das lässt erahnen, dass die der Glo-Technologie zugrunde liegenden Komponenten derzeit ein rares Gut sind.

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Der Artikel "Kobo Glo im Test" wurde am 22. Oktober 2012 (Montag) um 12:15 Uhr von geschrieben. Johannes Haupt (Xing / Twitter) ist Chefredakteur und Herausgeber von lesen.net.

23 Antworten auf Kobo Glo im Test (zum Thread im Forum)

SuseAnne 22. Oktober 2012 um 12:28 Uhr

spätestens hier vermisst man den beiliegenden Touchscreen. ??? Heißt wahrscheinlich beiliegender Stylus?

Ansonsten danke für den ausführlichen Test.

Mario 22. Oktober 2012 um 13:22 Uhr

Bist du sicher, dass der Kobo Glo 1024×768 Bildpunkte hat? In den Technischen Spezifikationen auf der Kobo-Seite steht eine Auflösung von 1024×758 Bildpunkten und auch beim Kindle Paperwhite wird in vielen Berichten von 758px geredet, was sich auch beim Rückrechnen der angegeben Pixeldichte in Bezug zur Größe ergibt.

Auch wenn ich es anfangs für einen Schreibfehler gehalten habe, denke ich mittlerweile, dass das Pearl-Display wirklich 10 Pixel weniger als XGA hat.

Gruß

Trekk 22. Oktober 2012 um 17:40 Uhr

“spätestens hier vermisst man den beiliegenden Stylus”

Spätestens hier verstehe ich nicht mehr, was Du uns sagen willst. Einen beiliegenden Stylus kann man nicht vermissen ;)

Was das Zubehör angeht, bin ich eher umweltbewußt eingestellt. Ich brauche nicht das 3. oder 4. Akkuteil und finde es gut, dass soetwas nicht im Lieferumfang ist. Auch eine Hülle suche ich mir lieber selbst aus. Mitgelieferte Hüllen sind selten besonders schick und landen doch nur schnell wieder auf dem Müll. Von mir daher Daumen hoch für die spartanische Ausstattung mit Zubehör.

Den Kobo Glo im Video neben ein altes, überhaupt nicht vergleichbares Auslaufmodell von Kindle zu stellen, läßt ja fast vermuten, dass hier jemand seinen Favoriten besonders gut aussehen lassen will. Vielleicht ist das so nicht von Dir beabsichtigt, aber dann ist das für einen Vergleich zumindest sehr unglücklich gewählt. Wenn ich über das neue Audi-Modell schreibe, zeige ich im Präsentationsvideo auch nicht das vorletzte Opel-Modell daneben… Sicher wolltest Du nur die Displays vergleichen? ;)

@Mario der Glo hat 1024×758, nicht 1024×768 Punkte.

Ansonsten Danke für das Video! Bei Dir sieht die Beleuchtung sehr viel besser aus, als bei den meistens anderen Glo Videos, die ich bisher gesehen habe.

Samy 22. Oktober 2012 um 19:05 Uhr

Keine Ahnung ob es an dem Foto liegt, aber das Schwarz in dem Vergleichsbild ist meiner Meinung allenfalls grau und für mich ein Klares Minus, so würde ich das Teil nicht kaufen.

“USB-Netzteil” nein, dass sollen sie nicht beilgen. Micro-USB ist inzwischen Standard, bei jedem Gerät: Smartphone, Tablet etc. liegt so ein Teil dabei, ich kann schon eine Sammlung aufmachen. Also nein, ich finde es keinen Mangel wennn das Netz-Ladgerät fehlt…

Bigboo73 23. Oktober 2012 um 09:39 Uhr

Also wenn man sich noch nicht in die Kindle Welt begeben hat, scheint das ja defnitiv eine gute Alternative zum Paperwhite zu sein.

Von Amazon wechseln würde ich dafür nicht, dafür funktioniert die Dokumentenverwaltung nebst Cloud bei Amazon einfach zu gut. Am 22.11. Ist es soweit :-)

Chräcker Heller 26. Oktober 2012 um 15:46 Uhr

Der Vergleich zum alten Kindle, und den noch “aktuell nennend”, finde ich auch etwas eigenartig. Das Vergleichmodell ist doch hier wirklich einwandfrei der Paperwhite. Und es ist doch gut, daß es hier Alternativen gibt, da muß doch der reader nicht schönverglichen werden.

Und ich glaub es kaum: (fast) stufenlose Schrifgrössen? Hab ich gestern noch nebenan gemeckert, daß es das nicht zu geben scheint.

Johannes 1. November 2012 um 18:47 Uhr

@Mario, Trekk Ihr habt recht, 758px – ist korrigiert, danke.

@Trekk Ich habe ja nur die Displays verglichen – und ich habe eben nur dieses eine Kindle-Modell, simple as that.

USB-Netzteil: Geschmacksache. Aber ihr dürft nicht vergessen, dass der typische E-Reader-Käufer eben keine X Gadgets rumliegen bzw. schon besessen und entsprechend viele Netzteile in der Schublade hat -> nicht von sich auf andere schließen :)

Ciao
Johannes

Jan 4. November 2012 um 13:52 Uhr

Der KoboGlo scheint eine echte Alternative zum Paperwhite zu sein.
Zumal der Paperwhite Stand gestern erst wieder ab Januar 2013 zur Auslieferung kommt.
In Japan müsste man wohnen.
Warum?

Da sind die Geräte knapp 60 Euro günstiger.

Schönen Sonntag noch.

Johannes P. 5. November 2012 um 12:06 Uhr

1. Ist der Touchscreen infrarot oder kapazitiv? Ich ging bisher von infrarot aus, aber da infrarot keinen speziellen Stift benötigt, verstehe ich nicht, warum der Tester einen vermißt.

2. Wehmut liegt meistens nicht flüssig vor, weshalb als Metapher für eine bittere Beigabe der Wermut gebräuchlich ist.

Joe 6. November 2012 um 23:07 Uhr

Wenn man schon 2 Displays vergleicht-dann bitteschön mit dem Kobo Touch und mit sonst keinem!

Denn NUR DANN lassen sich Unterschiede zum beleuchteten Display erkennen …

Guido 7. November 2012 um 18:53 Uhr

Ein so hochauflösendes Display bringt auch der iRiver Story HD und den gibt es schon seit 2011 zu kaufen, wogegen der Kindle Paperwhite in D wohl nicht vor 2013 zu haben sein wird.

ck42 10. Dezember 2012 um 12:15 Uhr

Ich hab ihn mal mit meinem SONY PRS T1 verglichen. Der Kontrast ohne Beleuchtung ist schwächer, bzw. der Hintergrund ist grauer. Gegenüber dem T2 mit deutlich besserem Kontrast als der T1, sieht der Kobo alt aus. Die Beleuchtung sehe ich nur als Notbehelf, wenn keine Leselampe im Raum. Ich empfinde sie subjektiv eher als unangenehm. Der Web-Browser des Kobos ist schlechter, PDF ist mäßig, das Umblättern geht langsamer, ich werde ihn zurückgeben.

Sprosse 10. Dezember 2012 um 20:33 Uhr

Hallo! Ich habe heute den Kobo Glo gekauft. Sollte Weihnachtsgeschenk für meinen Mann sein.

Ich habe ihn schon eingerichtet. Bin nicht so zufrieden. Das Blättern mühevoll. Langsam.

Keine Begrauchsanweisug dabei, man muss sich durchwuschteln…

Ich hab ihn ausgrechnet in weiss front, pink hinten…Man sagte mir er wäre rot…

Naja, um Umschlag sieht man des nicht…

Ich will ihn zurück bringen, weiss aber noch keine Alternative. Mein Mann ist LKW.Fahrer, die ganze Woche weg von zu Hause. Er liest sehr sehr sher viel.

Dachte das wäre eine Alternative…

Wo und welches Gerät kann ich noch bekommen?? Was ist bessr. behalten??

Hilde 17. März 2013 um 13:51 Uhr

ich werde vom Kindle auf den Kobo Glo umsteigen, weil ich unabhängiger von Amazon werden will und das Geschäftsgebaren vin Amazon nicht mehr unterstützen will. Und wenn ich einen vergleichbaren Reader von einem anderen Hersteller haben kann – was hält mich zurück?
Im Übrigen brauche auch ich das x-te Netzteil nicht und bin mit dem geringeren Lieferumfang einverstanden.