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Von Johannes

Mirasol-Displays: E-Paper für Alles?

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                               Nach Bridgestone nun Qualcomm: Immer mehr “branchenfremde” Unternehmen entwickeln elektronisches Papier, auf dem sich auch digitale Literatur komfortabel und ermüdungsfrei lesen lassen soll.

Während der japanische Reifenhersteller aber seine E-Paper dediziert in eBook Lesegeräten sieht, versprechen Mirasol-Panels universeller einsetzbar zu werden. Die Displaysparte des US-Mobilfunkdienstlers Qualcomm (Jahresumsatz: 11 Milliarden US-Dollar) entwickelt reflektive Bildschirme, die auch in  Smartphones, MP3-Player und weiteren elektronischen Geräten eine gute Figur machen.

Key Feature ist darum auch nicht eine besonders gute Lesbarkeit, sondern der außerordentlich geringe Stromverbrauch. Ohne Hintergrundbeleuchtung verbraucht ein Mirasol-Display angeblich 200x weniger Strom als ein genauso großes LCD-Display.

Möglich macht das (analog zur E-ink Technik, die in allen populären eReadern eingesetzt wird) eine das Umgebungslicht reflektierende Membranschicht. Eine Präsentation der Technik findet sich hier.

Ist es dunkel, muss das Display also hintergrundbeleuchtet werden. Auch dann soll die benötigte Stromzufuhr allerdings immer um ein Vielfaches geringer als bei LCD-Displays sein.

freestyleaudiofa300_bUnsere Kollegen vom Nachrichtendienst ddp konnten sich erste Prototypen jüngst live ansehen und waren durchaus angetan. Der praktische Einsatz von Mirasol-Displays beschränkt sich aktuell allerdings noch auf kleinformatige, bichrome Mini-Displays wie beim hier abgebildeten MP3-Player. Bei einem Smartphone findet die Technologie als Zweitbildschirm für Statusmeldungen und die Uhrzeit Verwendung.

Bis die (immerhin schon ausgestellten) großformatigen Farbdisplays in kaufbaren Produkten verbaut sind, dürfte es noch eine Weile dauern – mit LG gibt es sogar bereits einen ersten Vertragspartner. Entscheidend für den Erfolg der Technologie wird dann sein, wie günstig Smartphones mit reflektivem Mirasol-Display angeboten werden können.

Ein Pferdefuß von E-ink Panels der aktuellen Generation ist nämlich, dass Großhandelspreise von über $100 (bei 6″ Geräten) ‘reine’ Lesegeräte auf ein für viele Anwender bereits uninteressantes Mindestpreisniveau hieven. Zudem macht die hohe Aufbauzeit des Bildschirms eReader so träge, dass sich Sony Reader & Co. für wenig mehr als pures Lesen nutzen lassen. Was durchaus auch als Vorteil beurteilt wird, macht die Einbindung dynamischer oder interaktiver Inhalte – noch – unmöglich.

Ob Mirasol-Displays diese Markel von elektronischem Papier ausräumen kann und wir schon bald einen eierlegenden Wollmilchreader (praktisch unbegrenzte Akkulaufzeit, augenfreundliches Display, maximale Funktionalität in einem günstigen Gerät) mit uns herumtragen werden, wird sich zeigen. Qualcomm selbst hat für den kommenden Winter mit dem “Smartbook” bereits einen äußerst universellen Device – praktisch ein übergroßes iPhone – angekündigt, der allerdings noch mit konventionellem LCD-Display daherkommen wird.

Die Werbeabteilung von Qualcomm hat ihre Hausaufgaben jedenfalls bereits gemacht und ein paar Image-Filme zu Mirasol ins Netz gestellt, denen es nicht an Pathos mangelt.


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Zugeordnete Tags: e-paper • Mirasol • Qualcomm

Der Artikel "Mirasol-Displays: E-Paper für Alles?" wurde am 10. Juli 2009 (Freitag) um 00:22 Uhr von Johannes geschrieben. Johannes Haupt (Xing / Twitter) ist Chefredakteur und Herausgeber von lesen.net.

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