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Notion Ink Adam Test Überblick

26.1.2011 - von - eReader Topnews 18 Kommentare

Mit einer rekordverdächtigen Verspätung von sieben Monaten (geplant war ein Rollout im Juni) läuft aktuell die Auslieferung vom Notion Ink Adam an. Das in vielerlei Hinsicht innovative Android-Tablet – optional mit augenfreundlichem Pixel Qi Hybriddisplay erhältlich – erfreute sich von Beginn an einer gewaltigen Nachfrage; nur ein Bruchteil der weltweiten Fangemeinde konnte mit der ersten Produktionstranche bedient werden. Erste Erfahrungsberichte dieser Early Adopter zeichnen nun ein gemischtes Bild vom ‘finalen’ Notion Ink Adam: Guten Ideen stehen momentan noch etliche (vor allem firmwareseitige) Kinderkrankheiten gegenüber.

Sämtliche frühen Testberichte kommen von Käufern des Notion Ink Adam mit Pixel Qi Display (rd. 500 Euro inkl. Versand und Steuer); Adams mit ‘konventionellem’ LCD-Panel  (rd. 390 Euro inkl. Versand und Steuer) wurde offenbar noch nicht verschifft.

img_0194Das Pixel Qi Modell verfügt über einen besonders hochauflösenden und ohne Hintergrundbeleuchtung auskommenden ‘Reading Mode’, richtet sich somit vor allem an viellesende Anwender. Umso überraschender beziehungsweise enttäuschender ist das massiv spiegelnde Display, welches im ‘Auslieferungszustand’ eine Nutzung des Adam bei direkter Sonneneinstrahlung oder mit einer sonstigen starken Lichtquelle im Hintergrund nahezu unmöglich macht.

Statt einer hardwareseitig matten Oberfläche (durch Anrauhen) hat sich Notion Ink für die deutlich günstigere Variante entschieden und seinem Adam eine Displayschutzfolie beigelegt, die naturgemäß auf Kosten von Farbtreue und Sensitivität vom Touchscreen geht. Die korrekte Anbringung der (nicht ganz passenden) beiliegenden Folie wird zudem als nahezu unmöglich beschrieben; unschöne Blasen zwischen Folie und Display sind die Folge. Erstaunlicher Weise gibt es allerdings auch Nutzer, die von einer nicht-spiegelnden Oberfläche ‘ihres’ Pixel Qi Adam sprechen; möglicherweise sind hier verschiedenartige Panels von unterschiedlichen Zulieferern im Einsatz, die Bildschirmqualität des bestellten Tablets wäre dann Glückssache – keine reizvolle Aussicht.

Der berührungsempfindliche Bildschirm hat generell seine Probleme mit der korrekten Erkennung und Zuordnung von Eingaben. Gerade mit mehreren Fingern vorgenommene Gesten werden häufig ignoriert, bemäkeln Adam-Nutzer der ersten Stunde.

notionink-adam-ces1Ein wesentlicher Kritikpunkt ist der Entwicklungsstand von der eigens entwickelten Benutzeroberfläche Eden sowie von Notion Ink konzipierten Apps unter anderem fürs Browsen und Mailen. Viele Anwendungen seien schlicht unfertig und massiv fehlerbehaftet, Abstürze der angepassten Oberfläche die Regel – die Kollegen von Goodereader.com resumieren entsprechend in ihrem Testbericht, Notion Ink hätte gleichsam sich und seinen Kunden einen Gefallen damit getan, vor dem Verkaufsstart noch einige Entwicklungszeit ins UI zu stecken. Als Alternative zu Eden steht die originale Google Android 2.2 Oberfläche zur Nutzung bereit; anders als von Notion Ink versprochen gibt es allerdings keine direkte Anbindung an einen Android Market, mittels dem sich der Funktionsumfang vom Adam unabhängig von den ‘nativen’ Apps erweitern ließe.

Lob erhielt das Adam unter anderem für seinen Formfaktor (leicht, kompakt), das wertige und robust wirkende Gehäuse sowie für die tatsächlich außergewöhnliche Akkulaufzeit: Goodereader.com bekam nach 16 Stunden 1080p-Videowiedergabe und Audiostreaming- also de facto unter Volllast – noch einen 45% vollen Akku angezeigt. Auch die integrierten Lautsprecher wissen mit einem lauten und klaren Klangbild zu gefallen.

Insgesamt erinnert die Geschichte vom Notion Ink Adam ein stückweit an das Wetab: ein junges Startup nimmt es mit einem innovativen Produkt gegen die Branchenriesen auf, was wohlwollend berichtende Journalisten und zahlreiche Interessierte auf den Plan ruft – bis zum Verkaufsstart, wo sich zahlreiche Unzulänglichkeiten offenbaren. In den nächsten Wochen liegt es nun an Notion Ink, über Firmware Updates schnell eine ausreichende Funktionalität und Stabilität der bislang hochgelobten Eden-Oberfläche zu gewährleisten und die selbstentwickelten Apps nutzbar zu machen – ansonsten könnte die Euphorie um das Projekt ein schnelles Ende finden.

img_0190Adam-Interessierte ohne Vorbestellung sollten sich die Entwicklungen zunächst einmal von der Seitenlinie ansehen – in den nächsten Monaten werden eine ganze Reihe namhafte Alternativen auf den deutschen Tablet-Markt geschwemmt, bereits erhältliche Devices werden immer billiger (das Samsung Galaxy Tab – ursprünglicher Verkaufspreis: 799 Euro – ist inzwischen sogar günstiger als das iPad). Das Notion Ink Adam kann sich infolge von Aktualisierungen immer noch zu einem guten Tablet entwickeln – dem sympathischen Unternehmen sowie den Fans wäre es zu wünschen -, für eine Prognose der Entwicklung ist es gegenwärtig aber zu früh (dass Notion Ink heute im Firemblog bereits ein komplett neuartiges Folgemodell – Release in 9-15 Monaten – ankündigte, ist dieser Hoffnung nicht gerade zuträglich). Der alternativ spiegelnde oder kontrastschädigend verklebte Touchscreen nimmt einem gerade für Lesefreunde essentiellen Alleinstellungsmerkmal vom Adam – dem Pixel Qi Screen – allerdings auf jeden Fall einen großen Teil seines Reizes; von einem eBook Reader Killer ist und bleibt der Zehn-Zoller damit weit entfernt.

<Notion Addicts via Crunchgear, Fotos via Firmenblog>

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Der Artikel "Notion Ink Adam Test Überblick" wurde am 26. Januar 2011 (Mittwoch) um 18:06 Uhr von geschrieben. Johannes Haupt (Xing / Twitter) ist Chefredakteur und Herausgeber von lesen.net.

18 Antworten auf Notion Ink Adam Test Überblick (zum Thread im Forum)

vendetta 26. Januar 2011 um 18:18 Uhr

Soweit ich weiß hat die Firma nie behauptet das der Android Market installiert sei. Es wurde stets der eigene Markt namens “Genesis” genannt. Dieser soll bald zugänglich gemacht werden.

Johannes 26. Januar 2011 um 18:28 Uhr

Nicht “der”, aber “ein” (hab’ das nun ein bisschen klarer formuliert). “Bald zugänglich” ist gut und schön – in solchen Fällen würde ich mir halt wünschen, dass auch das Tablet erst “bald” ausgeliefert wird anstatt halbfertige Produkte um die Welt zu schicken.

Ciao
Johannes

Timo 26. Januar 2011 um 18:49 Uhr

Sehr schade wenn das Display draußen stark spiegelt. Der Rest wäre mir egal. Und bei den vielen schon vor Markteinführung eingestampften Tablets und eReadern ist 7 Monate Verzögerung doch schon fast gut :-)

microm 26. Januar 2011 um 18:58 Uhr

7 Monate Verzögerung fast schon gut… lol … da kann man mal sehen wie weichgeklopft die leidgeplagte Fangemeinde schon ist.

Timo 26. Januar 2011 um 19:31 Uhr

Von wegen weichgeklopft … Realismus nennt man das :-)) Guck’ dir doch an was alles erst mit tollen Specs angekündigt wurde und dann gar nicht heraus kam oder ebenfalls verspätet und/oder Murks war.

2read 26. Januar 2011 um 21:12 Uhr

Autsch, das stand auf meiner Wunschliste ganz hoch oben. Danke Johannes, so hab ich keine 500€ in den Sand gesetzt.
Trotzdem schade…

cargath 27. Januar 2011 um 15:28 Uhr

Sehr schade. Ein mattes Display wäre eigentlich neben dem Pixel Qi DAS Kaufargument gewesen. Aber Pixel Qi ist irgendwie sinnlos, wenn man es dann wegen der glänzenden Oberfläche doch nicht bei Sonneneinstrahlung oder unter der Leselampe nutzen kann…

Simalo 28. Januar 2011 um 00:31 Uhr

Ich denke einfach das Pixel Qi als Touchscreen nicht so richtig funktionieren kann, da immer eine extra Schicht vor das Panel muss die dann aber wieder spiegelt…

Koopi 4. Februar 2011 um 13:17 Uhr

Die Kiste sollte meine Fahrradkarten ersetzen. Das geht nur in MATT. Noch darf man hoffen ( glaube ich )!!!

Koopi

Hunh 6. Februar 2011 um 02:17 Uhr

Wetab ? Wirklich unagemessener Vergleich. WetAb hatte gar nichts Innovatives zu bieten. Es war von einem deutschen Unternehmen und genoß mehr vertrauen. Adam wird hfftl noch, mal schauen.

notioninker 11. Februar 2011 um 12:44 Uhr

Dieser Artikel ist schlichtweg falsch. Ich kenne (zugegebenermaßen) die Pixel Qi Variante nicht, aber die LCD Variante spiegelt nicht wirklich stark. Die Folie werde ich also nicht anbringen. Die App-Fehler und Eden-Probleme hat Notion Ink bereits mit zwei Updates behoben. Gleiches trifft auf die Gestenfunktionalität hin.

Ebenfalls falsch ist, dass Notion Ink jemals von einem Android Market vor einer Android Tablet Version sprach. Man hat von Anfang an klargestellt, dass der Zugang zum Android Market und zu Genesis (Notion Ink Appstore mit Musik, Comics, Büchern, Apps, Filmen) erst mit Honeycomb kommt. Die Honeycomb-Umsetzung ist bereits seit Wochen in Arbeit und wird spätestens innerhalb 1Q 2011 erwartet.
Desweiteren kann man jede beliebige App direkt aus dem Internet per App-Package File installieren. SlideMe.org, aber auch freewarelovers.com sind da gute Anlaufstellen.

Ich habe Adam bereits in der ersten PreOrder Phase bestellt und bin nach wie vor begeistert. Die ersten Updates kamen unheimlich schnell und auch als dieses Update bei einigen Usern wegen eines Fehlers nicht ausgeführt wurde, hat Notion Ink umgehend ein neues Update und ein Recovery Kit ins Netz gestellt. Künftige Updates kommen ausschließlich OTA.

Was hat sich denn an den Specs geändert? Zeig mir ein anderes Tablet (ohne Vertragsbindung). Das einzige, was angekündigt aber wegen Problemen mit der Softwareumsetzung nicht den Weg ins Adam fand war das Backpad. Aber das braucht auch eigentlich kein Mensch. Digitizer und Radio sind jedenfalls an Board und entgegen früherer Ansichten kann das Teil aus SMSsen. Nicht zu vergessen die wirklich gute Bildqqualität der Swivel-Cam.

Ich verstehe die ganze Kritik nicht. Notion Ink machte schon vor 2 Jahren klar, dass es sich um eine neu gegründete Firma handelt die noch viel lernen muss. Ganz gleich ob es sich um Fragen der Softwareentwicklung handelt, um Logistik, Vertriebswege. Aber sie lernen. Sie werden größer, organisierter. Haben mittlerweile ein neues Team nur für die Android 3.0 Umsetzung.

Ich finde, trotz einiger Startschwierigkeiten hat Adam vor allem deswegen viele Freunde, weil die Meinungen der Blogger auf notionink.wordpress.com berücksichtigt wurden.

Eigenen Angaben zur Folge verhandelt Notion Ink mit einer großen Hanelskette über Vertriebswege… würde mich nicht wundern, wenn es sich hierbei um die Metro-Gruppe handelt und das Tablet vielleicht nicht als Adam 1, aber als Adam 2 (bzw. Eve wie der Arbeitstitel lautet) bei Mediamarkt und Saturn auftaucht.

Jedenfalls ist Notion Ink nicht so unverschämt wie Motorola und sperrt WiFi bis man einen Mobilfunk-Datenvertrag abschließt und will dann noch 830 € dafür. Das nenne ich mal derb vorbeigezoomt…

Timo 11. Februar 2011 um 13:59 Uhr

@notioninker: Ist ja alles gut und schön, und wenn ich nur generell auf der Suche nach einem Tablet wäre und keine Lust auf Apple hätte, dann wäre das (oder der?) Adam für mich momentan auch eindeutig das Gerät der Wahl, aber hier tummeln sich nun mal die eReader-Interessierten die wohl primär am PixelQi Displays interessiert sind, und da erfüllt das Adam halt leider nicht die großen Erwartungen (die durch PixelQi Vorstellungen ohne spiegelnde Glasscheibe darüber aufgekommen sind). In allen bisherigen Videos sieht man deutlich dass es spiegelt, das mag drinnen nicht so sehr stören (da stört mich das beim iPad auch überhaupt nicht), aber draußen in der Sonne scheint mir das leider nicht das Erhoffte zu sein. Eventuell schon besser als das iPad, aber immer noch zu anstrengend für die Augen. Wie Johannes so schön schreibt, der eBook Reader Killer ist es leider nicht.

notioninker 11. Februar 2011 um 21:11 Uhr

Die Videos zeigen aber die Pixel Qi Version. Von der bin ich (aus den Videos) auch enttäuscht.

Aber deshalb habe ich auch die LCD Version.

Aber Du hast recht… lesen.net weißt auf Ebook-Freunde hin ;)

Triarca 9. Mai 2012 um 18:50 Uhr

Habe mein Adam nun schon 1 Jahr und bin immer noch happy. Im Vergleich zum Apfel
habe ich weniger Probleme mit PDf oder Plänen. Auch das umschalten in der Sonne funktioniert. Bin vollauf ZUFRIEDEN.