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txtr Beagle: Kleiner Preis, große Fragezeichen

9.10.2012 - von - eReader 11 Kommentare

txtrbeagletxtr will es tatsächlich noch einmal wissen. Drei Jahre, nachdem das damalige Startup seinen “deutschen Kindle” txtr Reader auf der Frankfurter Buchmesse präsentierte (der bekanntermaßen nie in den hiesigen Handel kam), stellt txtr an gleicher Stelle demn txtr Beagle vor. Der leichte Fünf-Zoller geht in mehrerlei Hinsicht neue Wege.

txtr Beagle: Klein, leicht, kontrastschwach

“txtr präsentiert mit dem txtr Beagle den kleinsten und leichtesten eReader der Welt”, ist die Pressemitteilung und (ähnlich) die Produktseite zum txtr Beagle (Beagle=Spürhund) übertitelt. Das wird man bei Trekstor nicht gerne lesen, denn deren erst gestern vorgestellte Trekstor Pyrus Mini (111 Gramm) bringt deutlich weniger auf die Waage als der Beagle (128 Gramm). Zwar hat der Pyrus Mini nur ein 4,3″ E-Ink-Panel, aber auch in der 5″-Klasse ist der Beagle kein außergewöhnliches Federgewicht – der Kobo Mini wiegt ganze 6 Gramm mehr. Beide Fünf-Zoller, Kobo Mini und txtr Beagle, haben übrigens nur ein “altes” Vizplex-E-Ink-Panel verbaut. An die Kontraste von Kindle 5, Sony Reader PRS-T2 & Co. kommen die Geräte nicht heran, wie auch im folgenden Hands-On-Video zu sehen.

Das 5mm dünne Lesegerät hat nicht etwa einen Akku, sondern wird über zwei AAA-Batterien mit Strom versorgt. txtr verspricht großformatig eine Akkulaufzeit von einem Jahr – um im Kleingedruckten darauf hinzuweisen, der Wert beziehe sich auf 12-15 Bücher pro Jahr, ohne (branchenübliche) Angaben zur angelegten Lesezeit zu machen. Seriös geht anders.

Daten kommen ausschließlich kabellos auf den txtr beagle – allerdings nicht etwa per WLAN, sondern via Bluetooth vom Smartphone oder Tablet aus. Im 4 Gbyte großen Flash-Speicher sollen lediglich “bis zu 5 vorgerenderte Bücher” Platz haben – in unserem Forum wird vermutet, es werden Bilddateien statt epub- oder pdf-Dokumenten übertragen, von denen knapp 1.000 so viele gespeichert werden können müssten. Die Übertragung so großer Datenmengen über Bluethooth kann eine sehr langwierige Angelegenheit werden.

“Geschätzt 9,90 Euro”, “kommt zu Weihnachten”

txtrbeagle_2Der Clou am txtr Beagle soll sein Verkaufspreis sein: Das Gerät soll von Mobilfunkunternehmen vertrieben werden und nur um 9,90 Euro kosten (wohlgemerkt: *schätzt* txtr aus unseren Gesprächen mit den Telekommunikationsanbietern), Geld soll mit über den txtr eBook Store gekauften Inhalten verdient werden. Gespräche mit potenziellen Anbietern laufen, das Gerät soll zum Weihnachtsgeschäft in Kundenhand sein (Fußnote: Genau das hat txtr vor exakt 3 Jahren auch versprochen, das Ende der Geschichte ist bekannt).

Die Quersubventionierung von Hardware durch Inhalte ist per se nichts neues: Sony machte jahrelang Hunderte Dollar Verlust mit jeder verkauften Playstation 3, und auch der Kindle wird allenfalls aufgrund von Amazons großen Abnahmemengen halbwegs kostendeckend produziert.

Ob txtr wirklich einen Partner findet, der den Beagle seinen Kunden annährend zu diesem Preis offeriert, wird abzuwarten sein – in der Vergangenheit sind die Berliner nicht gerade durch eingehaltene Versprechen aufgefallen. Andererseits ist txtr längst mehr als ein Startup: Das Unternehmen agiert international höchst erfolgreich als B2B-Dienstleister im Buchmarkt und hat nach eigenen Angaben 92 Angestellte.

Mit Hardware und Vertriebstrategie hat es txtr zweifelsohne auf Einsteiger und Gelegenheitsleser abgesehen – und im Vergleich zu einschlägigen LCD-Readern, zu denen diese Gruppe sonst greift, ist der txtr Beagle ein durchaus rundes Gesamtpaket (wenn er wie geplant kommt). Wer es ernst meint mit dem digitalen Lesen, trifft mit einer “eigenen Investition” in einen beliebigen aktuellen Reader von Sony, Kobo, Pocketbook oder Amazon aber langfristig die bessere Wahl.

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Der Artikel "txtr Beagle: Kleiner Preis, große Fragezeichen" wurde am 9. Oktober 2012 (Dienstag) um 19:47 Uhr von geschrieben. Johannes Haupt (Xing / Twitter) ist Chefredakteur und Herausgeber von lesen.net.

11 Antworten auf txtr Beagle: Kleiner Preis, große Fragezeichen (zum Thread im Forum)

tak 9. Oktober 2012 um 21:15 Uhr

Interessante Idee, interessantes Gerät.
Absolut nichts für mich- ich will das Ding nicht nur mit Smartphone nutzen können, aber wer weiß, vielleicht findet sich ja eine Zielgruppe.

Wenn es so ein Ding umsonst zu einem Smartphone Vertrag gibt, greift vielleicht jemand zu.

Was die Geräte wohl zum Selbstkostenpreis kosten? Kein Akku, kaum Knöpfe, in dem Video sieht man, dass es nicht mal eine Batterieklappe gibt- es wird einfach die Rückseite (nebst gebrochen “Nasen”) abgenommen.

Wahrscheinlich könnte man das Gerät auch für 40€ ohne Subvention verkaufen.

Romiman 9. Oktober 2012 um 21:28 Uhr

Keine schlechte Idee! Mal eine ganz andere Herangehensweise.
Wenn es mit einem BT-Stick am PC auch funktioniert, würde mich nur der Wulst für die Batterien stören.

paradoxus 9. Oktober 2012 um 22:34 Uhr

“Seriös geht anders.” Dem ist wohl nichts hinzuzufügen.

PS: Der einzige wirkliche Neuigkeitswert dieser Nachricht für mich: ach, die gibt es noch ;-)

Marcel 9. Oktober 2012 um 23:40 Uhr

Ich find’s super. Habe immer ein maues Gefühl, wenn ich das iPad oder den Sony T1 mit zum Strand / ins Schwimmbad genommen habe. Bei 10€ ist ein möglicher Diebstahl nicht ganz so tragisch… :)

Hoffe nur, der Kauf im txtr store ist keine Pflicht…

noe 10. Oktober 2012 um 08:53 Uhr

ich sehe das anders.
Das Teil wird innerhalb kürzerster Zeit auch mit anderen freien Android Tools laufen.
Danach, kann man sich alles anzeigen lassen.
Vorteil: Wenn ich das Kindle nicht mehr mag und zum Sony wechsele, dann ist meine ganze Bibliothek weg.
Hier sorge ich aber vo Anfang an dafür, dass ich alle Bücher in das Raw Format umwandele… danach ist für mich DRM kein Problem mehr und die Abhängigkeit zu Sony, Libri, Amazon, Apple,… kann mir gestohlen bleiben…

Scheiss DRM

Und nein. Ich bezahle für meine Bücher… ich kopiere nicht!

paradoxus 10. Oktober 2012 um 14:40 Uhr

@Fuppes: Offenbar sind damit, steht aber auch im Text, Bilder gemeint. Also nix mit anderer Schrift, größer etc. Vermutlich ist das Teil so “intelligent” wie ein elektronischer Bilderrahmen. Wenn ebooks sich erstmal vom Vorbild Papier emanzipieren und als Medium eigener Art angesehen werden (also die elektronischen Möglichkeiten ausnutzen, zB mit Hyperlinks, Multimedia etc.), dann sind die heutigen eInk-Geräte eh Sondermüll. Und so ein kastrierter Bildanzeiger erst recht ;-)

@Marcel: natürlich würde so ein Gerät mit einem Store “verdongelt”, 10 Euro würden die ganzen Kosten kaum deckend reinholen.

Ganz ehrlich, so ein billiges Ding wäre vor der flächendeckenden Verbreitung von Mobiltelefonen und Tablets vielleicht interessant gewesen. (Bitte kein eInk-Argument: wer 10-15 Bücher im Jahr liest, kann das problemlos mit einem guten TFT.)

Und ethisch finde ich diese ganze kurzlebige Wegwerfsch…e eh völlig verwerflich. Immerhin kein Akku drin.

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