25. Juni 2009 (Donnerstag) - von Johannes
txtr verspricht “iTunes für Texte”
Noch knapp vier Monate dauert es, bis der txtr Reader zur Frankfurter Buchmesse in den Handel kommt. Aber schon jetzt dürfte der wohl äußerlich eher unscheinbare Sechs-Zoller vom Berliner IT-Startup Wizpac das meisterwartete eBook Lesegerät Deutschlands sein.
In einem heute veröffentlichten Interview mit dem Börsenblatt präzisierte Unternehmenschef Andreas Steinhauser, was man sich für eReader und Community unter “vernetztem Lesen” vorstellt.
Bereits bekannt – und für sich in dieser Kombination schon einzigartig – war, dass der txtr Reader GSM/3G- und WLAN-Modul mitbringen wird. Doch der Datenaustausch soll sich nicht auf eine einseitige Befüllung des Lesegeräts über txtr.com beschränken.
Möglich sein soll auch die Kommunikation zwischen zwei txtr Lesegeräten und – spannend für Bibliotheken und Buchhandungen – die ortsbezogene Zugänglichkeit von Dokumenten sein.
Nutzungsszenarien, die nur bei einer entsprechenden Verbreitung des txtr Reader Sinn ergeben. Die möchte Wizpac aber nicht über Dumpingpreise erreichen, betonte Steinhauser nochmals im Interview. Sollte es bis zum Herbst keine außergewöhnlichen Marktentwicklungen (etwa der Rollout vom Amazon Kindle) hierzulande geben, dürfte das Lesegerät kaum unter EUR 300 über Ladentische gehen.
Trotzdem rechnet man in Berlin mit einer großen Resonanz, ist auf sechsstellige Verkaufszahlen eingestellt. Damit würde der txtr Reader wohl sehr zeitnah zum deutschen Bestseller avancieren. Selbst aus der gesamten Amazon Kindle Familie konnten in den letzten 1,5 Jahren nur (geschätzte) rund 600.000 Einheiten abgesetzt werden.
Um die ambitionierten Ziele zu erreichen, wird Wizpac Käufern seines Lesegeräts mehr “Zusatznutzen” bieten müssen als einen (im Interview angesprochen) mitdrehenden Bildschirm. Der Schlüssel für den Durchbruch dürfte vielmehr die leichte Zugänglichkeit einer Vielzahl attraktiver und preiswerter oder kostenloser Inhalte sein. Hier orientiert sich Steinhauser am richtigen Vorbild, wenn er ein “iTunes für Texte” verspicht.
Entsprechend wird mit Hochdruck an der Fertigstellung des Portals gearbeitet. Seit unserer Besprechung vor elf Tagen kam unter anderem die gesamte deutschsprachige Project Gutenberg Bibliothek im epub Format hinzu. Von der Zielmarke “1 Million Texte zum Rollout des txtr Reader” ist es aber wohl noch ein weiter Weg.
Auf einige Erfolgsfaktoren haben die Hauptstädter zudem wenig Einfluss. “Vernetztes Lesen” nebst dem unkomplizierten Tausch von Lesenswertem funktioniert kaum mit restriktiv DRM-geschützten Büchern. Hier ist txtr.com ebenso wie bei der Bepreisung auf Verlage angewiesen, wo frei durch das Cyberspace schwirrende Bestseller wohl eher wie ein wahrgewordener Alptraum denn als Chance auf Mehrabsatz wahrgenommen werden.
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Der Artikel "txtr verspricht “iTunes für Texte”" wurde am 25. Juni 2009 (Donnerstag) um 22:00 Uhr von
Johannes geschrieben.
Johannes Haupt ist Chefredakteur und Betreiber von lesen.net.
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