Amazon muss mitlesen: Wenn Aktionskünstler den Spieß umdrehen

      Amazon muss mitlesen: Wenn Aktionskünstler den Spieß umdrehen

      Der Berliner "Interface Artist" Johannes P. Osterhoff dachte sich, wenn Amazon unser Leseverhalten mitliest, könne er den Spieß auch mal umdrehen und Jeff Bezos aktiv an seinem Leseverhalten teilhaben lassen. Und so sendet sein Kindle nach einem Hack alle Aktionen direkt an Jeffs E-Mail-Account. :D

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      Für den Aktionskünstler ist der Kindle-Hack mehr als eine digitale Retourkutsche: “Firmen wie Amazon beanspruchen solche Daten exklusiv für sich, denn Exklusivität bedeutet Mehrwert. Als Nutzer verlierte ich nicht nur die Kontrolle, sondern auch die Autorschaft der beim Lesen generierten Daten. Mache ich die Daten jedoch öffentlich, verlieren sie ihren Wert”, so Osterhoff gegenüber Rhizome.
      Respekt! 8)
      Jeder soll nach seiner Façon selig werden lesen. (frei nach Fritz II)
      Ruhe Alfen ist die erste Bürgerpflicht. (frei nach Graf v. d. Schulenburg, 1806)
      “Noch vor kurzer Zeit war es ziemlich einfach, ein Buch ganz privat zu lesen. Mit dem Kindle und Whispersync ist das unmöglich. Ich werde gezwungen, meine Privatsphäre während der Lektüre aufzugeben”


      Das ist im Grunde quatsch, WLAN aus, schon ist alles gut. Und in gewissem Rahmen kann man doch einstellen, ob Lesemarkierungen und so übertragen werden sollen.
      Dennoch eine witzige Aktion, muss ich sagen. :thumbup:
      Gruß aus Friesland,
      Tom.

      Basstom schrieb:

      Das ist im Grunde quatsch, WLAN aus, schon ist alles gut.

      Mein Gefühl sagt mir allerdings, dass der Großteil der Kindlenutzer nicht die Ebooks mit USB- Kabel übertragen will. Ehrlich gesagt, als ich noch einen Kindle hatte, hab ich das auch nicht getan, sondern ebooks drahtlos übertragen. Ist sooooo schön praktisch.

      Basstom schrieb:

      Das ist im Grunde quatsch, WLAN aus, schon ist alles gut.

      Prinzipiell ja, aber weiß das der Durchschnittskindleleser? Wohl nicht, und daher finde ich es (ob sinnvoll oder nicht) bemerkenswert, wenn einer humorvoll auf die Sache aufmerksam macht. Vielleicht regt's bei einigen Unbedarften ja wenigstens mal das Nachdenken über Privatsphäre an?
      Jeder soll nach seiner Façon selig werden lesen. (frei nach Fritz II)
      Ruhe Alfen ist die erste Bürgerpflicht. (frei nach Graf v. d. Schulenburg, 1806)
      Bin ich wohl der einzige, dem es egal ist, dass eine Firma sieht, auf welcher Seite ich bei meinem Buch gerade am lesen bin.
      Ich sehe schon einen Stamm an Mitarbeitern meinen Amazon Account zu scannen und darüber Buch zu führen, wie schnell ich lese. Wahrscheinlich diskutieren sie gerade schon eine ganze Sitzung lang, warum ich am Wochenende gar nicht gelesen habe.

      Ich bin auf die heftigen Auswirkungen wirklich gespannt und habe richtig Angst davor, dass es mein Leben einschneidend verändern könnte.

      FormelLMS schrieb:

      Bin ich wohl der einzige, dem es egal ist, dass eine Firma sieht, auf welcher Seite ich bei meinem Buch gerade am lesen bin.


      Höhö, bist Du nicht. Wenn ich den Service nutzen wollte, den Amazon mit dieser Funktion bietet (Abgleich der Leseposition, wenn man mehrere Geräte und/oder Leseapps nutzt), dann würde ich das bedenkenlos nutzen. Denn wieso sollte sich jemand dafür interessieren? Bei meinem Kindle NT kann ich das zudem auch gezielt abschalten.
      Ich nutze das WLAN nur deshalb nicht, weil ich prinzipiell nicht mehr als unbedingt nötig an Daten herausposaunen möchte.
      Gruß aus Friesland,
      Tom.
      Die Aktion von Herrn Johannes P. Osterhoff finde ich etwas übersteigert. Die Leseposition zu merken und zu melden ist ein Feature, das ich gerne nutze. Wenn ich es nicht nutzen möchte, dann schalte ich es ab.

      Bisher konnte ich nicht feststellen (durch Werbung oder ähnliches), dass Amazon nachschaut was auf meinem Kindle so installiert ist. Ich bin sicher, dass Amazon auch nicht liest was in meinen persönlichen Dokumenten steht.

      Jeff Bezos hat die Aktionsmails von Herrn Osterhoff bestimmt schon in den Spam-Ordner verbannt!
      DRM? Was ist das?

      rasc schrieb:


      Prinzipiell ja, aber weiß das der Durchschnittskindleleser? Wohl nicht, und daher finde ich es (ob sinnvoll oder nicht) bemerkenswert, wenn einer humorvoll auf die Sache aufmerksam macht. Vielleicht regt's bei einigen Unbedarften ja wenigstens mal das Nachdenken über Privatsphäre an?
      @rasc - Nein und nein. Ich muss mich nur in meinem technisch weniger versierten Freundes- und Bekanntenkreis umsehen. Die verstehen das Problem überhaupt nicht. Ebooks kommen über WLAN, toll und gut. Welche Probleme? Wieso soll ich ausschalten?

      Nicht bös gemeint, aber die Aktion des Künstlers würde mein Umfeld nicht witzig finden, nicht weil sie solche Spassbremsen sind, sondern weil ihnen überhaupt nicht klar ist, was der macht. Trotzdem tolle Sache auch mal Jeff Bezos zuzuspammen ;)

      VG Helmut
      Die Elefanten meines Bruders - Ein Roman über Mona, den toten Bruder und einen erträumten Zirkusbesuch.
      Buch bei Amazon: www.amazon.de/dp/1479102407

      helmutp schrieb:

      Nicht bös gemeint, aber die Aktion des Künstlers würde mein Umfeld nicht witzig finden, nicht weil sie solche Spassbremsen sind, sondern weil ihnen überhaupt nicht klar ist, was der macht.


      Kann es nicht aber auch sein, dass solche Leute einfach nichts davon wissen wollen, dass Bequemlichkeit durchaus auch Nachteile haben kann? Denn wenn sie sich mit den Nachteilen auseinandersetzen, dann müssten sie möglicherweise andere Wege einschlagen, mit deren Handhabung sie sich erstmal vertraut machen müssen und die dann eben nicht so komfortabel sind (in diesem Fall ebook per USB übertragen)

      Ich habe in meinem Bekanntenkreis einige Leute, die mit wahrer Hingabe Whats- App nutzen. Denen brauchst du auch nicht damit kommen, dass diese App seine Nutzer auch durchaus ausspioniert. Für sie ist es der tolle neue Fortschritt der Kommunikation einfach und preiswert macht.

      Krimimimi schrieb:

      Ich habe in meinem Bekanntenkreis einige Leute, die mit wahrer Hingabe Whats- App nutzen. Denen brauchst du auch nicht damit kommen, dass diese App seine Nutzer auch durchaus ausspioniert. Für sie ist es der tolle neue Fortschritt der Kommunikation einfach und preiswert macht.
      @Krimimimi - das ist schon so, wie Du sagst. Whatsapp ist DAS Beispiel. Ich habe mir den Mund fransig geredet, dass das Ding zwar praktisch ist, aber die Leute ausspioniert. Das wird wirklich aus Bequemlichkeit ignoriert. Diese Ignoranz macht mich fassungslos, aber auch das interessiert niemanden :D .

      LG Helmut
      Die Elefanten meines Bruders - Ein Roman über Mona, den toten Bruder und einen erträumten Zirkusbesuch.
      Buch bei Amazon: www.amazon.de/dp/1479102407
      Ich habe keinerlei Problem, dass Amazon gewisse Informationen über mein Leseverhalten hat.
      Aber Kunst ist Kunst, über Amazon als Big Brother wird diskutiert, die Idee ist pfiffig.

      Okay eine Statue oder ein Gemälde ist für mich als Kunstlaien unvergleichlich mit bunten Fähnchen und Dreiecken, dennoch finde ich die Aktion recht lustig.

      Ich gehöre noch zu einer Generation, die Postkarten geschrieben hat. Die konnte jeder lesen, der sie in die Finger bekam.

      Vielleicht sollte man die Leute, die immer in der gleichen Buchhandlung kaufen auch mal davor warnen, dass der Buchhändler sie ausspioniert. Da denken doch tatsächlich auch ein paar Unbedarfte, das wäre ein super Service, wenn der Buchhändler um die Ecke einem immer die passenden Bücher empfehlen kann.

      Ganz besonders in Acht nehmen sollten man sich vor den ganz Fiesen, die einen auch noch in ein Gespräch verwickeln, um an noch mehr Informationen heranzukommen.

      Joe schrieb:

      Vielleicht sollte man die Leute, die immer in der gleichen Buchhandlung kaufen auch mal davor warnen, dass der Buchhändler sie ausspioniert.

      Dieses "Argument" wird durch Wiederholung nicht besser. Der Buchhändler ist eine mir bekannte Person und wird sich höchstens mit wenigen anderen Personen über meine Vorlieben austauschen. Normalerweise nicht mal das. Meinen Namen kennt er nicht unbedingt. Amazon und Konsorten sammeln und verknüpfen weltweit Kundendaten in möglichst großem Umfang, um sie für ihre Geschäftsinteressen zu nutzen.

      Das hat so gut wie gar nichts miteinander zu tun.

      Es kann einem egal sein, was Amazon usw. machen, aber es ist nicht das, was Bäcker oder Buchhändler tun.
      Gemeinfreie Literatur gibts bei Mobileread.

      Rainer Zenz schrieb:

      Dieses "Argument" wird durch Wiederholung nicht besser. Der Buchhändler ist eine mir bekannte Person und wird sich höchstens mit wenigen anderen Personen über meine Vorlieben austauschen.

      Und woher willst Du wissen, dass Dein Buchhändler nicht hinter Deinem Rücken mit Deinen Daten hausieren geht?

      Was hier amazon vorgeworfen wird, geht ja auch meistens nur in Richtung Spekulation und genauso gut kann ich dann auch über den lokalen Buchhändler spekulieren.

      Was amazon technisch möglich ist, ist auch in der einen oder anderen Form dem Buchhändler möglich. Er könnte Deine Daten an die Verlage schicken, damit sie Lesestatistiken erstellen oder schauen, wie viel Du bereit bist, für ein Buch zu bezahlen usw.

      Aber selbstverständlich macht das der Buchhändler nicht, das macht doch nur das böse amazon. :D

      Krimimimi schrieb:

      Helgetus schrieb:

      Die Aktion von Herrn Johannes P. Osterhoff finde ich etwas übersteigert!

      Klar sind solche Aktionen übersteigert. Aber nur so erreicht man, dass die Leute sich Gedanken darüber machen, was mit uns so ungefragt gemacht wird.

      Eigentlich stimme ich dir ja zu, aber ungefragt?
      AGB sind zwar langweilig und nicht wirklich spannende Lektüre, aber wenn man die nicht liest und einfach so zustimmt, passt das mit dem ungefragt nicht mehr so ganz.
      Für den ungefragten Verkauf von Personendaten sind dann seit neusten dann ja eher die Kommunen zuständig. :D :S
      § 328 StGB.:
      (2) Mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, [...] wer eine nukleare Explosion verursacht.

      Joe schrieb:

      Und woher willst Du wissen, dass Dein Buchhändler nicht hinter Deinem Rücken mit Deinen Daten hausieren geht?

      Die Wahrscheinlichkeit dürfte gegen Null gehen. Auch die Bäckersfrau oder der Zeitungshändler werden mutmaßlich nicht in Datenbanken protokollieren, was ich um welche Uhrzeit gekauft habe und diese Daten an interessierte Stellen weitergeben.

      Es geht nicht ums "böse Amazon". Ich halte es für grundsätzlich problematisch, wenn internationale Konzerne ungefragt Daten sammeln und auswerten, die für die konkrete Geschäftsabwicklung nicht benötigt werden. Nach deutschen Datenschutzrichtlinien ist vieles davon auch nicht koscher. Aber dem entziehen sie sich, ähnlich wie bei der Steuer, durch passend gewählte "Standorte".

      Die ganzen Spekulationen haben einen schlichten Grund: Es können enorm viele Daten gesammelt, verknüpft und ausgewertet werden. Zugleich agieren diese Unternehmen weitgehend intransparent. Sie könnten anders handeln und das auch nachprüfbar gestalten. Sie könnten im Sinne der informationellen Selbstbestimmung ihren Kunden die volle Kontrolle über ihre Daten ermöglichen. Technisch wäre das sicher kein Problem. Und es würde sie vertrauenswürdig machen.
      Gemeinfreie Literatur gibts bei Mobileread.
      Okay ich wohne in der Großstadt, da sind die Probleme nicht so groß.

      Aber mir würde es mehr Sorgen bereiten, wenn der örtliche Buchhändler mit dem Großgrundbesitzer, Bankier, Oberschulrat, Apotheker und nicht zu vergessen den Jauchgrubenauspumper meine Buchvorlieben bespricht.

      Amazon mit paar Algorithmen? Egal, ich bin gerne eine Nummer der man die Angebote der Warengruppe X.23A 22.5% öfters zusendet^^

      Klar wäre sowas wie die Weitergabe aller Namen der Käufer einen Nikon xyz 2000 im Januar und Februar 2011 nicht so toll, wenn jemand mit der Kamera den Guttenberg bei seiner Staatsstreichplanung fotografierte. So ein Szenario (also Weitergabe der Daten) ist aber nicht sonderlich realistisch, hoffe ich mal.