Regeln für Satzzeichen?

      Regeln für Satzzeichen?

      Aus einem anderen Thread:

      Rainer Zenz schrieb:

      Neben ein paar Formatierungen würde ich aber solche Fehler wie "..." ohne vorangestelltes Leerzeichen ...


      Nicht sicher ob das in ein neues Thema gehört oder besser im Originalthread verbleiben wäre, aber dieser Punkt interessiert mich.

      Der Wikipedia Eintrag über die Auslassungspunkte scheint mir nicht ganz klar zu sein.
      Dort steht u.a., das Auslassungspunkte verwendet werden können,
      um zu verdeutlichen, dass entweder etwas vom Satz fehlt oder der Autor einen Gedanken offen oder unbeantwortet lassen möchte, um den Leser zum Nachdenken anzuregen. Dabei entfällt grundsätzlich der normale Schlusspunkt, und es wird ein geschütztes Leerzeichen vor die Auslassungspunkte gesetzt, damit diese bei einem Zeilenumbruch nicht direkt am Anfang einer neuen Zeile stehen.
      Dieses (geschützte) Leerzeichen bezieht sich aber nur auf den Satzende-Fall. (Aber auch der Punkt war mir neu, ich entferne (bisher! Bin ja lernfähig, muss aber erst noch überzeugt werden!) immer alle Blanks vor Auslassungszeichen (und auch vor weiteren Zeichen wie ,.;:?!, Regex sei dank geht das ja mit einem einzigen Kommando für das gesamte EPUB).
      Es gibt noch die Fälle wie "Du bist ein A…" und "Die Wikipedia ist eine freie Enzyklopädie […], zu der jeder mit seinem Wissen beitragen kann.", bei denen ganz sicher kein Blank vor das Ausslassungszeichen gehört.
      Dann gibt es Fälle, bei denen ich sofort einsehe das wohl doch eins dahin gehört (Menüpunkt "Speichern unter …").

      Aber wenn ich mir dies hier anschaue:
      "Ich … Ich weiss nicht … Soll ich das wirklich machen?"

      Ganz ehrlich, ich finde das sieht blöd aus.
      Viel "richtiger" sieht für mich das hier aus:
      "Ich… Ich weiss nicht… Soll ich das wirklich machen?"

      Beim Gedankenstrich dagegen sehe ich das anders.
      Absolut okay für mich:
      "Ich – Ich weiss nicht – Soll ich das wirklich machen?"

      Und jetzt meine eigentliche Frage, kann ich die Satzzeichenregeln irgendwo (am besten online) nachlesen?
      Mir geht es dabei nicht um die Grammatik, also nicht die Frage, wo genau ein Komma hingehört, sondern eher um Aussagen wie "einem Komma folgt IMMER ein Leerzeichen, und direkt vor dem Komma muss ein Buchstabe, Zahl, schliessendes Anführungszeichen, Gedankenstrich oder Auslassungspunkt oder Punkt (Ende einer Abkürzung) stehen.

      Nach Möglichkeit auch mit der Erwähnung von Ausnahmen (wer nämlich z.B. (oder ist es z. B.?) alle Blanks vor Punkten entfernt kriegt Schwierigkeiten, wenn im Text Schusswaffen-Kaliberangaben gemacht werden, z.B. "seine .25 Kaliber Baretta")
      Auch fände ich Antworten interessant auf Fragen wie "Gehört in einem Roman nach einem Doppelpunkt ein Zeilenumbruch?", "Wie sieht das im Englischen aus?" (Da gibt es interessante Dinge wie neue startende Anführungszeichen bei absatzübergreifender wörtlicher Rede, aber ohne Schliessung der vorherigen. Auch sehr schön sind die Kommas vor dem schliessenden Anführungszeichen, z.B. "I don't know," said Harry.") oder "Was spricht dagegen, den Anführungszeichentyp zu ändern?" (ich liebe die sogenannten »französischen Anführungszeichen«, aber darf ich die auch in englischen Texten verwenden?)
      "One can never have enough socks," said Dumbledore. "Another Christmas has come and gone and I didn't get a pair. People will insist on giving me books."

      WS64 schrieb:

      Aber wenn ich mir dies hier anschaue:
      "Ich … Ich weiss nicht … Soll ich das wirklich machen?"
      Für mich sieht das besser aus als

      WS64 schrieb:

      Viel "richtiger" sieht für mich das hier aus:
      "Ich… Ich weiss nicht… Soll ich das wirklich machen?"
      das hier. Bei der zweiten Variante bekomme ich "Ekelpickel" und bin versucht, die Leerzeichen sofort vor die Auslassungspunkte zu setzen.

      Begründung: In diesem Fall fehlt ja kein Teil von "Ich" oder "nicht" sondern es fehlen ganze Satzteile. Es ist für mich wie ein Gedankenstrich, der ja auch mit umschließenden Leerzeichen gesetzt wird.

      In den anderen Fällen

      WS64 schrieb:

      "Du bist ein A…" und "Die Wikipedia ist eine freie Enzyklopädie […], zu der jeder mit seinem Wissen beitragen kann."
      stimme ich Dir zu und bin auch der Meinung, dass dort die Auslassungspunkte keine führenden Leerzeichen haben sollten. Beim "A…" wird ein Wortteil ausgelassen, beim zweiten Satz ein ganzer Satzteil, was aber durch die Klammern angezeigt wird.

      WS64 schrieb:

      Aber wenn ich mir dies hier anschaue:
      "Ich … Ich weiss nicht … Soll ich das wirklich machen?"

      Ganz ehrlich, ich finde das sieht blöd aus.
      Viel "richtiger" sieht für mich das hier aus:
      "Ich… Ich weiss nicht… Soll ich das wirklich machen?"

      Nur zum Thema "Ellipse" (aka Auslassungszeichen, Punktpunktpunkt, ...) als Satzzeichen: die Regel ist eigentlich ganz einfach und logisch.
      Wenn in/an einem Wort etwas weggelassen wird, dann gibt es kein Leerzeichen.

      Beispiel: "Du A...", weil Du ausgeschrieben ja zwischen die Buchstaben "A" und "r" auch kein Leerzeichen stellst.

      Werden ganze Wörter im Satz oder am Satzende weggelassen, dann wird ein Leerzeichen gesetzt, da dieses ja auch bei ausgeschriebenen Wörtern selbige von den anderen Wörtern trennt. Ergo ist nur das richtig: "Ich … Ich weiss nicht … Soll ich das wirklich machen?"

      Auf der Windowstastatur wird das Auslassungszeichen übrigens nicht mit drei Punkten gesetzt, sondern durch das Sonderzeichen ALT+0133, was auch nur ein Satzzeichen produziert: … (da sind keine Trenner zwischen den Punkten, wo man mit dem Cursor reinkönnte).

      Bei Duden online findest Du das dazu: duden.de/rechtschreibregeln/auslassungspunkte
      Jeder soll nach seiner Façon selig werden lesen. (frei nach Fritz II)
      Ruhe Alfen ist die erste Bürgerpflicht. (frei nach Graf v. d. Schulenburg, 1806)

      WS64 schrieb:

      (ich liebe die sogenannten »französischen Anführungszeichen«, aber darf ich die auch in englischen Texten verwenden?)

      Die »französischen Anführungszeichen« finde ich auch sehr schön :) die verwende ich immer, weil die normalen, deutschen Anführungszeichen – die »Gänsefüßchen« – in allen Microsoft-Schriften seit über 20 Jahren falsch codiert sind. Das Internet ist voll mit diesen verdrehten Abführungsstrichen am Ende (zB bei wörtlicher Rede – gräßlich).

      Die Dinger heißen »Guillemets« und sind im Deutschen genauso richtig wie die Gänsefüßchen. Erzeugt werden sie am Mac mit den Tastenbefehlen »alt Umschalt Q« und »alt Q«, mit Linux »AltGr Y« und »AltGr X«, bei Windows mit den Befehlen »Alt 0187« und »Alt 0171«.

      Der korrekte Gedankenstrich ist übrigens ein Halbgeviertstrich (etwa so lang wie einer der »mittelbreiten« Buchstaben, X zum Beispiel) nicht der einfache Bindestrich neben der Umschalttaste. Den Gedankenstrich erzeugt man am Mac mit »alt -« Linux »AltGr -« und Windows »Alt 0150«.
      • Es heißt Figur, nicht »Charakter«.
      • Sinn kann nicht gemacht werden.
      Die eigentliche Frage habe ich wegen der Mikrotypographie, die mich auch oft beschäftigt, latürnich vergessen zu beantworten.

      In englischen und amerikanischen Texten habe ich *noch nie* Guillemets gesehen – und ich lese *viel* englischsprachige Texte und Literatur – von Klassikern (Mary Shelleys »Frankenstein«) über alte Science Fiction (aktuell: »Wizard« von John Varley) bis »Before I go to Sleep« von S. J. Watson (deutscher Titel: »Ich darf nicht schlafen«).
      • Es heißt Figur, nicht »Charakter«.
      • Sinn kann nicht gemacht werden.

      Netsrak schrieb:

      In englischen und amerikanischen Texten habe ich *noch nie* Guillemets gesehen – und ich lese *viel* englischsprachige Texte und Literatur


      Ich auch nicht, daher die Frage.
      Aber wenn ich schon ein Buch bearbeite kriegt es von mir auch die Guillemets, egal ob englisch oder deutsch.
      Aber als ich kürzlich mal einen Ausschnitt eines englischen Textes mit Guillemets in mobileread gepostet hatte kam prompt die Rückfrage warum da soviel Text in Doppelpfeilen stehen würde...
      Da ich das in erster Linie für mich mache und ich finde, das die Guillemets auch optisch in englischen Texten gut aussehen, ist die Frage erstmal eher theoretischer Natur.
      Aber wenn ich schon deutschen Text mit französischen Anführungszeichen schmücken darf, gibt es da irgendeine Regel die mir das bei englischen verbietet? Ausser das die Amis die Teile wohl einfach nicht kennen...

      Ganz schlimm finde ich übrigens die "vertauschten" (z. B. in der Schweiz): «Text»!
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      WS64 schrieb:

      gibt es da irgendeine Regel die mir das bei englischen verbietet?

      Ne, verboten ist gar nix. Da alle Anführungszeichen international unterschiedlich eingesetzt werden (rein traditionell) und hier und da Autoren/Setzer/Verlage auch "fremde" Zeichen aus optischen Gründen verwenden, steht dem eigentlich nichts im Wege … außer die offensichtliche »Dummheit« der Amerikaner, die mal wieder nicht über den eigenen Tellerrand hinausschauen können/wollen. Was der Bauer nicht kennt … 8)
      Jeder soll nach seiner Façon selig werden lesen. (frei nach Fritz II)
      Ruhe Alfen ist die erste Bürgerpflicht. (frei nach Graf v. d. Schulenburg, 1806)
      Für deutsche Texte sind die französischen Guillemets »offiziell genehmigt«, sie sind wie auch die Gänsefüßchen, akzeptierter Bestandteil deutscher Typographie und es bleibt dir überlassen, welche du verwendest.

      Allerdings werden sie hierzulande anders angewandt als in Frankreich. Deutsch: »Text«. Französisch: «Libellé». Es geht übrigens noch schlimmer als dein Beispiel («Text»): in einem der Länder, die Guillemets verwenden, macht man sogar Leerzeichen zwischen Guillemet und Text. Bin mir nicht mehr sicher, ob das in Frankreich oder in der Schweiz war.

      Für englische Typographie gibt es mehrere Instanzen mit jeweils eigenen Stilen (die sich allerdings nicht so gewaltig unterscheiden), an die man sich halten kann. Ich habe zB längere Zeit deutsche Artikel ins Englische übersetzt und sollte mich u.a. bei Literaturverzeichnissen an den »Oxford-Style« halten – zum Glück gabs dafür eine LaTeX-Bibliothek :)
      • Es heißt Figur, nicht »Charakter«.
      • Sinn kann nicht gemacht werden.

      Netsrak schrieb:

      Es geht übrigens noch schlimmer als dein Beispiel («Text»): in einem der Länder, die Guillemets verwenden, macht man sogar Leerzeichen zwischen Guillemet und Text. Bin mir nicht mehr sicher, ob das in Frankreich oder in der Schweiz war.


      Stimmt, ist in Frankreich so.
      Sieht man gut zusammengestellt hier.
      Da sag ich nur die Griechen sind die schlimmsten (Standard UND Alternative)! Und in Grönland scheint man nicht zu sprechen ;)
      "One can never have enough socks," said Dumbledore. "Another Christmas has come and gone and I didn't get a pair. People will insist on giving me books."
      Der Duden ist zwar nicht offiziell, aber faktisch letzte Instanz für den Schriftsatz im Deutschen. Es ist einfach praktisch, sich auf ein Regelwerk zu verständigen und das ist in Deutschland traditionell der Duden.

      Neben den Erläuterungen im Rechtschreibduden gibt es noch einen Band Duden - Satz und Korrekturanweisungen. Richtlinien für die Texterfassung. Darin gibt es auch ein Kapitel zum Fremdsprachensatz.

      Bei gemischtsprachigen Texten ist es üblich, Satzzeichen generell so wie in der Hauptsprache zu setzen. Da geht dann Konsistenz vor "Richtigkeit" in der jeweiligen Sprache.
      Gemeinfreie Literatur gibts bei Mobileread.