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14. Februar 2013 - Von Johannes

Amazon-Boykott: Kindle-Leser bezahlen hohen Preis [+ Umfrage]

Debatte Topnews
Amazon-Boykott: Kindle-Leser bezahlen hohen Preis [+ Umfrage]

Eine ARD-Reportage über die Arbeitsbedingungen bei Amazon.de schlägt hohe Wellen, auch in der Buchbranche – und wohl nirgendwo ist das Unternehmen so führend wie im E-Book-Segment. Doch ein Boykott wäre für Bestandskunden extrem folgenreich und geht am Grundproblem vorbei.

Amazon.de-Kritik von Wissenschaft und Journalismus

In diesen Tagen haben Presseabteilung und Social-Media-Manager von Amazon.de Schwerstarbeit zu verrichten. Erst dämonisierte der Heidelberger Professor (und leidenschaftliche Open-Access-Bekämpfer) Roland Reuß in einem FAZ-Artikel das Unternehmen als Totengräber der Buchbranche und überhaupt der Lesekultur. Was Reuß von Amazon hält, offenbart sich schon in den Synonymisierungen im Artikel: Das Unternehmen wird abwechselnd als „amerikanische Internetfirma mit steuerbegünstigtem Sitz in Luxemburg”, „internationaler Internetvertrieb”, „Quasimonopolist” beziehungsweise „Monopoldistributor” und „Luxemburger Steuerumgehungskonzern” bezeichnet.

Noch wesentlich mehr Aufmerksamkeit zog dann eine Dokumentation der ARD auf sich, die Leiharbeiter in den Amazon.de-Logistikzentren porträtierte. Der am gestrigen Abend ausgestrahlte und mittlerweile auch online verfügbare 30-Minüter zeichnete ein düsteres Bild. Demnach würden vor allem Spanier und Polen zur Weihnachtszeit mit falschen Lohnversprechen nach Deutschland gelockt und müssten dann für Dumping-Löhne arbeiten, eingepfercht in viel zu kleinen Unterkünften und ständig überwacht von einem fragwürdigen Sicherheitsdienst.

Im Social Web verbreiteten sich Doku und Anschuldigungen in Windeseile, viele Nutzer machten ihrem Ärger auf der Facebook-Seite von Amazon.de Luft. Die Bandbreite reicht dabei internettypisch von sachlicher Kritik über Boykott-Ankündigungen/-Aufforderungen bis hin zu wüsten Beschimpfungen.

Lock-In-Effekt: Kindle Books schwer umziehbar

Als Digital-Leser ist man naturgemäß eingeschränkt in seinen Optionen. Den Rat, beim Kauf auf den Einzelhandel auszuweichen, lässt sich nur bei gedruckter Literatur realisieren – das E-Book kommt so oder so durch die Datenleitung, die Frage ist nur von wem. Bleibt nur die Hardware: Will man das Logistikzentrum nicht unmittelbar beanspruchen, kann sie prinzipiell auch in Elektronikmärkten wie Saturn geshoppt werden. Dort gibt es allerdings keinen Kindle Paperwhite (derzeit exklusiv auf Amazon.de) und natürlich ist es mit einem Boykott dann nicht mehr weit her.

Wer schon einen Kindle sein Eigen nennt, kann Amazon längst nicht so einfach den Rücken kehren wie „konventionelle” Internet-Shopper: Beim Umzug auf eine andere Plattform bleibt ein Großteil der Kindle Books unwiderbringlich auf der Strecke. Selbst wenn man das Kindle-DRM entfernt, ist die Übertragung mit viel Aufwand und Datenverlust verbunden (Highlights, Anmerkungen).

Ethische Fragen schon vor dem E-Reader-Kauf stellen

Während Bestandskunden sicherlich nicht ohne weiteres „ihrer” Kindle-Plattform den Rücken kehren werden, könnte die schlechte Presse durchaus den einen oder anderen Neu-Digital-Leser in die Arme von Kobo & Co. treiben. Alle Anbieter außer Amazon (und Apple) verschlüsseln die E-Books in ihrem Shop mit Adobe-DRM – das ist fricklig, stellt aber auch beim Plattform-Wechsel die Kompatibilität der Büchersammlung sicher.

Fragwürdiger Fokus auf Amazon

Unabhängig davon ist es höchst fragwürdig, allein Amazon an den Pranger zu stellen. Abgesehen vom Unternehmenssitz in Luxemburg (den Mitbewerber wohl eher aus mangelnder Cleverness als zur „Unterstützung des Wirtschaftsstandort Deutschland” fehlt) unterscheidet sich das Geschäftsgebahren kaum von dem anderer Versender. Und auch der stationäre Einzelhandel bekommt seine Ware aus großen Logistikzentren.

Amazon hat inzwischen via Presseerklärung zu den Vorwürfen Stellung genommen.

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Der Artikel "Amazon-Boykott: Kindle-Leser bezahlen hohen Preis [+ Umfrage]" wurde am 14. Februar 2013 (Donnerstag) um 15:36 Uhr von Johannes geschrieben. Johannes Haupt (Xing / Twitter) ist Chefredakteur und Herausgeber von lesen.net.

18 Kommentare

Was sagst du dazu?



  1. 14. Februar 2013
    15:45 Uhr

    Permalink

    lurkas schreibt:


    Die ganze Debatte ist mehr als lächerlich. Leute, die nur an ihrem iPhone hängen ereifern sich über Arbeitsbedingungen.
    Ja, die Arbeitswelt ist härter geworden, aber das gilt überall. Speziell im Einzelhandel sind die Bedingungen hart, noch mehr während des Weihnachtsgeschäfts.
    Es ist einfach, die üblichen Instinkte wie Technikskepsis und Neid mit tendenziösen Beiträgen zu triggern.
    Die meisten, die sich jetzt empören, haben Amazon zu der Größe verholfen, die es hat, also was soll das? Haben die alle gedacht, dass es da wie auf dem Demeter-Hof zugeht?

    P.S. Ich habe nichts mit Amazon am Hut.



  2. 14. Februar 2013
    15:57 Uhr

    Permalink

    D.Schmitz schreibt:


    “Unsere eBook Reader Testberichte (Übersicht: eBook Reader Vergleich) sind gelistet bei testberichte.de. Die Website lesen.net ist Teilnehmer des Partnerprogramms von Amazon Europe S.à r.l., ein Partnerwerbeprogramm, das für Websites konzipiert wurde, mittels dessen durch die Platzierung von Werbeanzeigen und Links zu amazon.de Werbekostenerstattungen verdient werden können.”

    Zitat aus dem Impressum und mehr muss man zur Objektivität des hier präsentierten Artikels ja wohl nicht mehr sagen…



  3. 14. Februar 2013
    16:01 Uhr

    Permalink

    Johannes schreibt:


    @ D.Schmitz:Wir nehmen auch an den Partnerprogrammen von ebook.de (Libri), Kobo, Sony.de, beam etc pp teil :)

    Ciao
    Johannes



  4. 14. Februar 2013
    16:20 Uhr

    Permalink

    Christian schreibt:


    Schon seit längerem beziehe ich auch meine EBooks im örtlichen Handel, für meinen Sony Reader kein Problem, für den Kindle Fire HD, den ich geschenkt bekommen habe, auch nicht. Die örtliche Buchhandlung hat einen EBook-Shop, das Kaufen dauert 1 bis 2 Minuten länger als das zugegeben sehr bequeme kaufen via Kindle bei Amazon, aber support you local Dealer ist für mich einfach die beste Alternative, nicht immer möglich, aber wenn es möglich ist, unterstütze ich gerne den Händler um die Ecke.



  5. 14. Februar 2013
    17:27 Uhr

    Permalink

    Samy schreibt:


    Einen Boykott halte ich für wenig hilfreich weil:

    Woher soll man wissen, dass ein anderes Versandunternehmen seine Mitarbeiter besser behandelt? Und die Mitarbeiter bei DHL, UPS und Co. werden auch nicht viel besser behandelt. Wenn dann müsste man schon konsquent auf den Versandhandel verzichten und möglichst alles im lokalen Geschäften kaufen und hoffen dass dort nicht auch Leiharbeiter eingesetzt werden… Aber selbst wenn da alles astrein läuft, die werden auch beliefert. Da werden wieder Leute in der Zulieferung und Herstellung ausgebeutet.

    Damit will ich nicht sagen dass es gut ist was Amazon tut. Und eine Entschuldigung “andere machen es auch so” ist keine. Das ist keine Ethik die sich am Verhalten anderer misst. Aber klar ist dass Amazon der Aufhänger ist, aber natürlich nicht der einzige der so handelt.



  6. 14. Februar 2013
    20:05 Uhr

    Permalink

    skeptika schreibt:


    “Ein Boykott nützt nicht, weil eh alle gleich sind” ist eine gewagte Behauptung. Zwischen Spekulation und Tatsachen ist zu unterscheiden!
    Auch sollte es egal sein, was andere tun.

    Ich persönlich boykottiere z.B. seit Jahren Müller mit seinen Marken Weihenstephan und CO seit dem Skandal vor Jahren.
    Immer bedenken, dass die Macht als aufgeklärter Konsument häufig die einzige ist, die einem zu Verfügung stehen.

    Bei dem Amazon Skandal stört mich (scheinbar als Einziger) am meisten, dass sie keine Sozialversicherungsabgaben zahlen.



  7. 14. Februar 2013
    20:21 Uhr

    Permalink

    Peter schreibt:


    Deshalb kaufe ich prinzipiell keine DRM-geschützten eBooks. DRM geschützte Bücher gehen nie in den Besitz des Käufers über, der sog. Kaufpreis ist eigentlich ein Nutzungshonorar bzw. Miete. Überwirft man sich mit dem Konzern, oder geht der Konzern Pleite, ist die gesamte Bibliothek weg.

    Wer nicht so konsequent sein will, sollte sich ernsthaft überlegen, nur Lesegeräte anzuschaffen, die Adobe DRM verwenden. Hier können die Bücher zumindest auf Geräte anderer Hersteller übertragen und zusammengeführt werden. Kindle kaufen heißt sich für immer an Amazon binden, wenn man seine Buch-Investitionen nicht wegwerfen will.



  8. 14. Februar 2013
    21:06 Uhr

    Permalink

    Aaron schreibt:


    Moin.
    Also ich habe mein Konto bei Amazon gestern gelöscht. Mir war eh immer unwohl so ein riesen Konzern zu unterstützen. Mit so Arbeitsbedingungen fiel mir der Abschied aber leicht.
    Bücher habe ich eh immer beim Händler um die Ecke bestellt, ebooks geliehen, über Amazon recherchiere ich lediglich. Und alles andere kann ich dann auch wo anders Kaufen. Tatsächlich war ich wohl ein sehr guter Kunde. Und genau darum finde ich hat jeder auch etwas Markt-Macht und so Einfluss auf Arbeitsbedingungen.
    Grüße



  9. 14. Februar 2013
    21:20 Uhr

    Permalink

    Harald schreibt:


    Auch mir war schon immer etwas unwohl beim Gedanken, Amazon zu unterstützen. Zugegeben, sie machen in Sachen Innovation und Logistik vieles richtig und besser als alle anderen zusammen, aber zu welchem Preis?

    Ich habe Amazon für die Vielfalt englischer Bücher geliebt, aber diesen Vorsprung gegenüber anderen Anbietern haben sie etwas eingebüßt. Preislich sind sie in diesem Segment nach wir vor unschlagbar, aber ich bezahle ab jetzt lieber ein, zwei Euro mehr für das englische Buch und kaufe noch mehr im Online-Shop eines stationären kleinen Buchhändlers (also letztlich damit auch bei Libri).



  10. 15. Februar 2013
    00:16 Uhr

    Permalink

    harlekin schreibt:


    Schaut euch einfach mal um für welche Namen Trenkwalder alles arbeitet. Erspaart eine abgehobene Diskussion auf Wunschdenken Basis.



  11. 15. Februar 2013
    00:58 Uhr

    Permalink

    harlekin schreibt:


    Nachtrag: Manpower oder Adecco sind weitere Namen. Was uns wieder zu Freihandelszonen und Steueroptiierungsmodellen wie Dutch oder Irish Sandwich bringt.

    Und zu der Naivität der Medien… Und zur Naivität der Konsumenten.

    Und zu überraschenderweise recht aktuellen Studien die besagen dass der Konsument damit überfordert ist mit seiner Geldbörse zu votieren um damit gegen soziale Missstände vorzugehen…

    Es tut einfach weh, wenn am Ende einfach nur hängen bleibt, Amazon kann zu Weihnachten mal eben auf +/- 1,2 Tage Basis 1000 Zeitarbeitskräfte verschieben.

    Das sind Ökonomien. Die gibt es. Die sind erlaubt.

    Das dann intern Mitarbeiter anfangen einfach in Bussen und nicht in Menschen zu denken, sind simple psychologische Abwehrmechanismen.

    Nicht unähnlich derer die bei euch grad durchs Cerebrum rattern.

    Patnerprogramme sind da, wie von Johnannes bereits erwähnt, wichtiger.

    Die bewirken wenigstens noch was.



  12. 15. Februar 2013
    16:35 Uhr

    Permalink

    M39 schreibt:


    Welche Sau wird denn als nächstes durchs Dorf gejagt? Wenn ich die alle boykottieren würde… Wahrscheinlich alles nur, weil irgend ein Journalist bei Amazon mal nicht zufrieden war und dann gleich die Welle gemacht hat.



  13. 16. Februar 2013
    11:03 Uhr

    Permalink

    Heinz schreibt:


    Selbst wenn man das Kindle-DRM entfernt, ist die Übertragung mit viel Aufwand und Datenverlust verbunden (Highlights, Anmerkungen).

    Wo ist der Aufwand? DRM weg (3 sec.), und ich kann mit dem ebook machen was ich will.



  14. 18. Februar 2013
    11:51 Uhr

    Permalink

    Breitenbach schreibt:


    Amazon und Leiharbeit,
    dies ist doch nur die Spitze es Eisbergers. Was wird denn schon großartiges passieren? Trenkwalder wird an den Pranker gestellt und die wirklichen Auftraggeber bleiben wie immer verschont.Die Arbeiter von Amazon werden durch Drohung einer Nichtverlängerung der Arbeitsverträge weiter ausgebeutet. Obwohl so wie so feststand der Vertrag wird nicht verlängert. HarzIV Empfänger arbeiten erstmal kostenlos und werden als Praktikanten eingesetzt. Dann kommen die vielen Leiharbeiterfirmen, die wie Pilze aus dem Boden rund um Bad Hersfeld aus den Boden schießen (über 50 jährige stellt Amazon sowie nur über Leiharbeit ein) und ganz zum Schluß werden dann mit einigen wenigen Personen die von der Arbeitsargentur kommen Verträge für das Weihnachtsgeschäft abgeschlossen und damit und ganz gut dazu stehten, damit das Bild in der Öffentlichkeit stimmt. Habe ich alles persönlich erlebt, nur ich weis es jetzt warum man mich nicht wieder genommen hat – denn Leiharbeiter auch Spanien sind ja noch billiger. Diese ganzen Missstände können nur durch unsere Regierung reguliert werden. Z. B zur Abschaffung der Leiharbeit und Kompromisse beim Kündigungsschutz. Wie ist es möglich, dass durch die Arbeit von Menschen große Gewinne bei der Zeitarbeit eingefahren werden und die Arbeiter dann eine -Aufstockung vom Staat erhalten müssen, damit Sie finaziell im Monat überhaupt übe die Runden kommen, von der Rente später mal ganz zu schweigen. War dies alles so geplant von unserer Regierung!!! Hier ist die moderene Sklaverei eingeführt worden.Warum gibt es Zuschüsse und Steuervergünstigen für solche Firmen die sich ganz bewusst in Reginoen ansiedelen den höhere Arbeitlosigkeit herrschen und die Arbeitnehmer dann rücksichtslos ausgebeuten. In Frankfurt würde mann die Pakete Amazon vor die Füße werfen, wenn hier so einen Hungerlohn gezahlt würde. Hier muss ein Riegel von unserer Regierung vorgeschoben werden. Aber jeder einzelne kann schon etwas dafür tun, nämlich nichts mehr dort bestellen. Nur Auftragsrückgänge treffen diese Firma. Kein Auftrag – kein Geld. So einfach ist das. Ich möchte nicht, dass mein Name veröffentlicht wird,da ich schon heute morgen Differenzen mit der Arbeitsagentur hatte und trotz allem was passiert ist Amazon doch als größter, verantwortungsbewusster Arbeitgeber in Bad Hersfeld dargestellt wird. mfg Family Breitenbach



  15. 6. März 2013
    13:15 Uhr

    Permalink

    Klaus schreibt:


    Dank Calibre ist es eigentlich kein Problem, dem Kindle andere Bücher “beizubringen”.


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