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iPad beflügelt eBook-Piraterie

12.4.2010 - von - Debatte Topnews 24 Kommentare

Über 500.000 verkaufte iPads wollen inzwischen mit Inhalten befüllt werden – auch eBooks sollen nach dem Willen von Apple und einer hoffnungsfrohen Medienindustrie Platz auf dem 9,7″ Bildschirm finden. Kehrseite: Nicht alle iPad-Besitzer der ersten Stunde sind offenbar bereit, für kostenpflichtige Titel auch (immer) Geld auszugeben. Die Anzahl der illegalen eBook-Downloads zog seit dem iPad-Verkaufsstart deutlich an – allerdings auf extrem niedrigem Niveau.

Das in dieser Hinsicht renommierte Fachmagazin Torrentfreak hat sich die Top 10 Titel auf der NYT-Bestsellerliste “Business” angesehen und immerhin sechs eBooks im Bittorent-Netzwerk wiedergefunden. Um satte 78% zogen hier die Downloads in der ersten iPad-Woche an; sämtliche untersuchten Titel wurden in diesen sieben Tagen häufiger heruntergeladen als in der Gesamtzeit davor.

piracyDieser Vergleich lässt bereits geringe Fallzahlen erahnen. Tatsächlich konnte Torrentfreak selbst für den Download-Spitzenreiter “Getting Things Done” gerade einmal durchschnittlich 465 Downloads pro Tag ermitteln – vor dem iPad-Launch waren es 277 Downloads täglich. “How We Decide” – wohlgemerkt die Nr. 3 der NYT-Bestsellerliste “Business” – wollten sogar nur 134 Filesharer täglich haben.

Mindestens genauso spannend ist eine weitere (allerdings auch nicht wirklich neue) Erkenntnis der Untersuchung: Komerziell erfolgreiche eBooks finden längst nicht immer ihren Weg in illegale Kanäle bzw. hier überhaupt keine Verbreitung.

Torrentfreak wollte zunächst nicht die NYT-Liste, sondern die sicherlich näherliegenden aktuellen Amazon.com eBook-Downloadcharts (ausgenommen die ohnehin kostenlosen eBooks) als Grundlage ihrer Untersuchung nehmen, konnten aber keinen einzigen Top 10 Titel im Internet-Untergrund ausfindig machen! Gesucht wurde nicht nur bei Bittorrent-Trackern, sondern auch im Usenet sowie auf klassischen Warez-Seiten mit 1-Click-Hostern (Rapidshare & Co.) – den Jungs von Torrentfreak kann man dabei sicherlich nicht mangelnde Fachkompetenz bei der Recherche vorwerfen.

ipadDe facto scheint der komerzielle Schaden durch eBooks damit auch nach dem iPad-Launch gegen Null zu gehen. Schon frühere Studien ergaben, dass illegale konsumierte Literatur (damals in noch kleinerer Zahl) nicht gerade massenkompatibel ist. Und Verleger vergleichsweise viel piraterierter Publikationen wie die IT-Bücher von O’Reilly halten die Verbreitung durch Filesharing sogar für verkaufsfördernd – ebenso wie der Bestsellerautor Paulo Coehlo, welcher Piraterie als einen wichtigen Wegbereiter seiner erfolgreichen Karriere bezeichnet.

Selbst innerhalb der Buchindustrie gibt es zudem wachsende Zweifel an realen Umsatzeinbußen durch illegale Downloads. Frank Sambeth, COO beim größten US-Verlag Random House, sagte vergangene Woche ebenfalls im Zusammenhang mit dem iPad: “Ich bin sicher, dass viele Leute, die ein Buch herunterladen, es nie im Laden gekauft hätten.”

Trotzdem herrscht ein weit verbreiteter und immer wieder geschürter Irrglaube von astronomischen Umsatzverlusten durch überall kursierende Raubkopien, der in seinen Konsequenzen jeden Leseinteressierten tangiert. Verlage versuchen sich mit restriktiven und inkompatiblen DRM-Gängelungen vor den dunklen Piratenhorden zu schützen, der Börsenverein fordert gerade mal wieder “französische Verhältnisse” (Voratsdatenspeicherung, totale Überwachung, Internetsperren) – immer mit der Drohkulisse “Musikindustrie” im Hintergrund.

Gerade hier könnte man sich aber abschauen, dass eine Beschneidung von Bürgerrechten und verstümmelte Mediendateien ein weniger wirksames Mittel gegen Piraterie sind als fair bepreiste, offene und leicht zugängliche Angebote. Auch eine grundsätzliche legale Verfügbarkeit aktueller digitaler Literatur (in Deutschland längst noch nicht selbstverständlich) wäre den eBook-Umsätzen sicherlich nicht abträglich.

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Der Artikel "iPad beflügelt eBook-Piraterie" wurde am 12. April 2010 (Montag) um 13:51 Uhr von geschrieben. Johannes Haupt (Xing / Twitter) ist Chefredakteur und Herausgeber von lesen.net.

24 Antworten auf iPad beflügelt eBook-Piraterie (zum Thread im Forum)

0laf 12. April 2010 um 14:13 Uhr

Nur kurz 2 Dinge die mir spontan auffallen:
1. Kindle top10 sind allesamt GRATIS!
2. Zur Zeit gibt es in der eBook Scene bei den meisten Titeln (noch) einen deutlichen Verzug zwischen Publikationsdatum und Release (siehe z.B. die bei euch ebenfalls angeführten Studie von O’Leary), weshalb selbst für aktuelle Bestseller Schlüsse noch ein wenig voreilig sind…
greetz

Johannes 12. April 2010 um 14:37 Uhr

@0laf

“Torrentfreak wollte zunächst nicht die NYT-Liste, sondern die sicherlich näherliegenden aktuellen Amazon.com eBook-Downloadcharts (ausgenommen die ohnehin kostenlosen eBooks) als Grundlage ihrer Untersuchung nehmen”

Beachte die Klammer (so habe ich Torrentfreak zumindest verstanden, ergäbe sonst keinen Sinn, auch deren Schlussfolgerung)

Beim 2. Punkt hast du sicherlich recht, aber auch hier ist der Glauben ein anderer: Denke es spukt vielen Verlagsmenschen noch im Kopf herum, dass “The Lost Symbol” innerhalb der ersten 24h seines Verkaufs über 100x bei Bittorrent auftauchte…auch hier sind gefühlte und reale Latency zwei paar Schuhe.
Wobei btw ja auch ältere bzw. dann ehemalige Bestseller nicht häufig raubkopiert werden, vgl. oben verlinkte “Top 10 eBooks”

Ciao
Johannes

Johannes 12. April 2010 um 15:22 Uhr

@Alexander Jo, eben gelesen…war allerdings ein paar Minuten schneller wenn ich das richtig sehe. Witzig aber, dass Ben den gleichen Titel wählte wie ich hier :)

Ciao
Johannes

0laf 12. April 2010 um 15:59 Uhr

“ausgenommen die ohnehin kostenlosen eBooks”?
hmmm, also public ist bsp. gleich mal der Platz 11 der Kindle Bestseller “Caught” von Harlan Coben, also mit $8.99 wohl der erste Platz einer angenommenen BezahlTop10 seit knapp 2 Wochen zu haben.
weiter recherchiere ich mal jetzt nicht^^

paradoxus 12. April 2010 um 16:52 Uhr

Wenn die sich mal die Mühe gemacht hätten, die einschlägigen Linklisten vorzugsweise russischer und asiatischer Seiten durchzusehen, hätten sie vielleicht gemerkt, dass Raubkopien bei Belletristik kein großes Problem ist — bei Fachbüchern oder Textbooks, die deutlich teurer sind, sieht das ganz anders aus. Verständlich, wenn man sich Einkommensstruktur bspw. russischer Studenten und Versorgung mit aktueller Fachliteratur mal in der Breite ansieht :-)

Und auch bei Belletristik muss man differenzieren: Titel, die technikaffine Leser ansprechen (Limit zB) sind ruck-zuck erhältlich. Der Briefwechsel von Bernhard/Unseld dagegen praktisch nicht. Sollte aber auch sowas irgendwann als epub rumfliegen, dann wird auch das zugänglich – because they can. Insofern verstehe ich die Bedenken der Verleger durchaus — aber deswegen existentielle Freiheitsrechte zu opfern kann es auch nicht sein.

Johannes 12. April 2010 um 20:42 Uhr

Ich bin auch für eine gerechte Entlohnung von Urhebern und infolge dessen für eine Bekämpfung von Raubkopien, das kann nicht die Frage sein. Aber von Verlags- und Verbandsseite wird gerne + häufig der Eindruck erweckt, illegale Downloads
a) erfolgen in großen Massen
b) erfolgen zum substituiven Konsum (also anstelle eines Print- oder bezahlten eBook-Kaufs)
c) müssen mit der harten Hand des Gesetzes (und darüber hinaus) durchgesetzt; anschließend würden die Konsumenten dann schon zum legalen Angebot greifen – und sei es aus Furcht.

Was inzwischen selbst Musikmanager wie Tim Renner propagieren – dass Raubkopien am ehesten mit qualitativ attraktiveren legalen Inhalten (s.o.) beizukommen ist – verdrängen diese Parteien. Dabei müsste mehr über Themen wie Usability, Benutzerwünsche etc. als noch gängelndere Gesetze (siehe Böbla) gesprochen werden. Imo, klar.

Ciao
Johannes

0laf 12. April 2010 um 22:57 Uhr

hey, hier hat sich ja was getan, aber: euer artikel steht immer noch unter dieser reisserischen überschrift da… lol
ich wollte nur primär darauf aufmerksam machen, dass diese “studie” von den Torrenfreaks einfach wertlos ist und von euch, obwohl ihr offensichtlich von ebooks mehr ahnung haben solltet/ habt (weshalb ich euch auch gerne mal lese), praktisch unreflektiert übernommen wurde.
die jungs wollten einfach ne ipad headline!
von den nyt bestsellern finde ich ohne deren krassen connections zur “Scene” quasi onestopshopmäßig gleich mal 9! titel (bis auf Nudge).
für die ‘echten’ downloadzahlen braucht man übrigens noch bessere conecce bzw. technik, da (s. diese geile Attributor Studie) nur die wenigsten Seiten Statistiken offenlegen. (ist in der ‘szene’ vllt anders, da wird aber auch nicht die masse gemacht)
was das informationsethische angeht sind wir wohl auf einer wellenlänge, darüber wollte ich gar nicht diskutieren. gerade im publikumsmarkt gibt es für und wider, da jeder (tatsächlich konsumierte) download bücher aufrund ungüstigster verhältnisse von aufwand des autors zu supergeringer downloadgrösse und -zeit zu wiederum langer rezeptionszeit von allen medien am ärgsten trifft.
aber anhand (wahrscheinlich) beschissener zahlen von nur 6! “ausgewerteten” titeln einen trend ausmachen zu wollen – und den dann noch dem ipad zuschreiben zu müssen: ROFL (und das dann auch noch bei der taz…manmanman) tja, ipad ist halt so porno, da tippt man ganz benebelt mal schneller als man denkt. zumal doch grad die ‘i’community darauf konditioniert wird, mal eben nen dollar für ‘apps’ locker zu machen, wo normale user wohl eher open- oder freeware suchen würden.
also vorsicht, auch wenn die überschrift natürlich erstmal zu verführerisch ist!
greetz

Nimue 13. April 2010 um 09:24 Uhr

Wenn ich von D aus belletristische englische Ebooks kaufen will, kann ich das in 9 von 10 Fällen gar nicht :-(. Ich habe mein Glück schon in diversen amerikanischen Ebook-shops versucht. Auch bei Amazon habe ich diese Option nicht, obwohl diese Ebooks bei Amazon US erhältlich sind. Deutsche Bücher interessieren mich nicht wirklich.
Kann mir mal einer erklären, warum ich als Deutsche dazu gezwungen bin, entweder Bücher in Papierform zu kaufen oder kriminell zu werden?

Großer Hirsch 13. April 2010 um 09:48 Uhr

Dass im Pirateriezusammenhang hier wie in ähnlichen Blogs das übliche Bashing der Verbände der Medienindustrie stattfindet, kommt nicht überraschend – immer noch ist insbesondere für die Internetklientel nichts schöner als ein gepflegtes Vorurteil… Tatsächlich wird aber in allen Schadensschätzungen der relevanten neuen Studien von einer Substitutionsrate illegale Downloads – legaler Erwerb von 5 bis 8 Prozent ausgegangen. Mit anderen Worten: Die Schadensberechnungen gehen davon aus, dass nur etwa jeder zwanzigste Download einen legalen Erwerb ersetzt. Das ist sehr konservativ kalkuliert und durch unabhängige empirische Untersuchungen abgesichert. Man darf die Augen aber nicht davor verschließen, dass gerade bei anspruchsvollen, “teuren” Fachbüchern der Markt klein ist (wie sich in Print only-Zeiten aus den relativ geringen Auflagenhöhen ersehen ließ) – wenn man sich dann die absoluten Downloadzahlen bei den illegalen Portalen ansieht, dann versteht man, dass sich hier auch bei einer 5-Prozent-Ratio ein enormes Schädigungspotential nicht wegdiskutieren lässt.

Noverus 13. April 2010 um 10:22 Uhr

Wieviel Schaden ein Illegaler Download Verursacht und Inwiefern es das Printgeschäft im Endeffekt Schaden kann ist unter dem Strich immer eine Frage der Auslegung und Interpretation.

Ich wage zu behaupten, dass besonders im (teuren) Fachbuch Segment, der “mögliche Schaden” sehr klein ist.

Meine These:
1. Die Leute, welche solche Fachbücher nutzen (und somit Potentielle Käufer sind), erwerben sich die Bücher, trotz der Kosten (und wenn sie selber nicht vermögend genug sind, dann halt die ältere Auflage oder SecondHand)
2. Die Leute welche die EBook Variante illegal downloaden, würden (nach Prüfung der Qualität des Buches) wohl eher die Print Ausgabe erwerben (weil nicht jeder hat bereits ein EBook und verwendet dementsprechend die PDF Kopien meist als gründlichere Evualationshilfe)

Natürlich habe ich hier bewusst das Print Segment angesprochen.

Beim E-Book Segment muss dann das Angebot stimmen. Beispielsweise eine vergünstigte Upgrade Möglichkeit für die neue Auflage, oder bei Errata im Buch ein Kostenloses Update der E-Book mit Korrekturen.

Denn die E-Books auf dem “Piraterie Markt” sind meistens die 1st Auflagen oder sehr selten dann die Korrigierten Fassungen. Zumindest im Fachbuch Segment, die mich interessieren.

paradoxus 13. April 2010 um 15:14 Uhr

@Großer Hirsch diese “relevanten neuen Studien” würden mich interessieren: Wo findet man die? Wer macht die? Wer gibt die in Auftrag? Methodik? Sample usf. Nicht dass ich nicht auch der Meinung bin, dass ein Schaden angerichtet wird, aber angesichts dessen, was Medienunternehmen und Verleger so absondern oder fordern (ACTA & Co.) sollte man doch genauer hinschauen — und nicht verschwurbelt raunen.

Na ja, nebenbei: In meinem Fachbuchsegment ist mir noch kein dt. Piratenebook über den Weg gelaufen. Weshalb die Verleger sich derzeit auch darauf beschränken, auf’s widerlichste gegen Open-Access oder elekt. Leseplätze in UB zu hetzen (oder klagen). Zumindest im Wissenschaftsbereich kann man nur hoffen, dass OA und E-Books die Großen Hirsche bald zu ausgestorbenem Wandschmuck macht.

markus 15. April 2010 um 13:20 Uhr

Ebooks werden nur zu einem sehr geringen Teil über Bittorrent verteilt.
Ich habe sofort 5 der Top 10 gefunden und nicht wie Torrentfreak 0.

Meome 16. April 2010 um 00:50 Uhr

Das Problem Piraterie bei ebooks hängt doch mit den Readern zusammen.
Kaum jemand (der sich als Leseratte bezeichnen würde) hängt am Bildschirm eines Laptops und liest den neuen King, das ist doch einfach ungemütlich.

Sollte es aber ein Reader schaffen PDF´s in normal (gut) lesbarer Qualität aufs Sofa/ins Bett zu transportieren, dann dürfte sich das ändern.

Wer nicht unbedingt auf die neusten Titel angewiesen ist, der findet tausende dt.Bücher im Netz als PDF.
Und ich bin mir sicher, das würde spürbar sein, wenn das Lesen mit einem Reader irgendwann dem Buch nahe kommt.

Grüße

paradoxus 16. April 2010 um 15:04 Uhr

Schade, dass @Großer Hirsch zum kleinen Karnickel geworden ist und sich verhoppelt hat — seine Quellen zum Schädigungspotential hätte ich doch gerne erfahren :-)

@Meome: Die Frage ist doch, gibt es da jenseits des Bauchgefühls (und mehr haben wir derzeit nicht) wirklich einen Zusammenhang? Und falls ja (was ich auch annehme), ist er dann so gravierend, dass Verlage, die sonst gesund sind kaputt gehen (um’s mal drastisch auszudrücken)? Zwangsläufig? Oder liegt es an starrem Management und bequemen Einrichten in der bisherigen Kuschelecke Buchpreisbindung & Co.

PS: In der FAZ war ein schöner Artikel, warum ebooks scheiße sind. Und der Mann hat recht: 2000 Jahre wurde das Buch perfektioniert, die heutigen Reader sind ein mieser Abklatsch. http://is.gd/bvuuN Darauf müssen Verleger aufbauen — aber sie (zB die meisten SF-Bücher aus den USA) verkaufen oft lieber auf Klopapier gedruckten Typographiemüll für teuer Geld… und wundern sich, wenn ich den gleiche typographischen Schrott dann lieber gleich billig auf dem ereader hätte.

Thomas 17. April 2010 um 00:31 Uhr

Das Buch wurde 2000 Jahre lang so weit perfektioniert, dass man es heute als Massenware an den Strand nimmt und vor dem Abflug wegwirft. Na, DAS nenne ich Perfektion in Reinkultur …
Der FAZ-Artikel ist so dümmlich und wertekonservativ wie die Zeitung selbst.

Dass die Zahl der illegalen Downloads mit der Einführung des iPad angestiegen ist, halte ich für einen Zufall.
Als ob sämtliche Raubkopierer (wie die Verleger) nur in den Startlöchern gestanden hätten, um eeendlich lesen zu können.

paradoxus 17. April 2010 um 15:15 Uhr

@Thomas: Schon mal versucht, ohne Schaum vor dem Mund den Artikel zu lesen? Ach, was schreibe ich… .

Andererseits stimmt es natürlich, dass man Müll besser gleich elektronisch verlegt: in 100 Jahren erinnert sich niemand daran.

EOT für mich ;-)

Gerhard Hauer 15. Januar 2011 um 10:54 Uhr

Bin neugierig, wie lange es dauert, bis die Verlage auf DRM verzichtet. Dieser Erkenntnisprozess hat im Musikprozess schon zu lange gedauert, und ich verstehe nicht, warum man nicht die die Lehren daraus zieht. Mein davor nur in “Notfällen” erfolgter iTunes-Konsum ist mit iTunes ohne DRM explodiert.
Und keines meiner gekauften eBooks hat DRM.
Und, liebe REchteinhaber, DRM macht es nur für die “Guten” schwer und zukunftsunsicher. Die torrents sind ja trotzdem dann zu haben. Und OHNE DRM dann das “bessere” Produkt.
Und da haben wir noch nicht von der Preisgestaltung geredet (Remittendenexemplare, anyone??)

Marek 14. März 2011 um 23:07 Uhr

Im angloamerikanischen Raum pflegt man eine etwas andere Buchkultur als hierulande. Wenn ich z.B. lese, dass der Börsenverein des Deutschen Buchhandels “die Sensibilisierung von Jugendlichen für die Bedeutung des geistigen Eigentums” empfiehlt, dann frage ich mich, ob das nicht genau der falsche Weg ist oder besser vielleicht: ob es nicht noch eine andere Möglichkeit, einen anderen Weg gibt. Mit anderen Worten: Warum stellt man sich in den Verlagen, aber auch bei den Autoren nicht einmal grundlegend die Frage nach dem geistigen Eigentum und seiner Bedeutung, warum klebt man hier noch immer am “Ich-habe-das-gemacht” wie eine Made am Speck. Diese ganzen – meist unreflektiert – dahinterliegenden Subjektvorstellungen, die mehr als nur latente Genieästhetik, all das macht es uns doch nur unendlich viel schwerer. Warum bieten die Autoren und Verlage nicht einen Teil ihrer Literatur oder alles frei kopierbar an? Und mehr noch? Warum schreiben Autoren noch immer abgeschlossene Werke? Warum keine Remixe wie in der Musik, warum keine offenen, weiterschreibbaren und zum aktiven verändern einladenden Texte? Das würde sensibilisieren – für die Sache an sich – und nicht für die nur allzu oft dahinter stehenden kommerziellen Interessen. Um nicht falsch verstanden zu werden: Ich bin sehr wohl der Meinung, dass man die Leistung eines Autors, Musikers oder Wissenschaftlers sehr wohl schätzen sollte, aber warum versuchen wir nicht Kunst und Kultur mal anders zu denken, nein, besser, sie anders zu produzieren, zu vertreiben und zu rezipieren? Ich habe gerade einen kleinen Prosa-Band gelesen (online). Das Buch heißt “Formenverfuger / Formenverfüger” und ist – in der gedruckten Version wie in der digitaln – mit einer Creative Comons Lizenz versehen, die das Kopieren nicht nur erlaubt, sondern – unter gewissen Bedingungen – sogar erwünscht. (Das komplette Buch findet sich hier)
http://www.archive.org/details/FormenverfugerFormenverfger.StckeAusProsa
Überdies gibt es in dem Buch einen Prosatext, den der Autor nur begonnen hat, nach zwei Seiten aber abbricht und sich mit folgenden Worten an den Leser wendet: “Genug gelesen. Schreib’ den Text selber weiter, verändere ihn, bau ihn an anderer Stelle ein, nimm ihn auseinander und montiere ihn neu, zerstöre ihn und lass ihn lebendig werden…”
Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

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