Von Johannes
Kindle bekommt App-Store
Es ist die IT-Meldung des Tages: Amazon macht es Google, Facebook und natürlich Apple nach und öffnet die eigene (Kindle-)Plattform für externe Anwendungen. Schon im Februar startet ein geschlossener Testbetrieb, in dessen Rahmen ausgesuchte Entwickler das “Kindle Development Kit” bereitgestellt bekommen und Zusatzprogramme für die Amazon Kindle Familie programmieren dürfen – live geht das Angebot dann im Laufe des Jahres. Unter anderen im Boot ist die Spieleschmiede Electronic Arts, womit für alternative Unterhaltung gesorgt sein wird.
Auf einer eigenen Seite informiert Amazon Entwickler (“wir sind gespannt, was sie sich einfallen lassen”) über Konditionen und Möglichkeiten von Anwendungen. Wie bei Apple gibt es 70% Umsatzbeteiligung für die Programmierer, als Bezahlmodelll steht neben einmaligen Kosten ein Abokonstrukt zur Verfügung. Auch entgeltfreie Anmeldungen sind möglich, diese dürfen aber generell nicht größer als 1 Mbyte sein – eine herbe Einschränkung, die das kostenlose Anbieten komplexerer Tools praktisch ausschließt.
Darüber hinaus setzt die Hardware (und hier natürlich besonders das reaktionslahme E-Ink Display) der Funktionalität vom Kindle gewisse Grenzen. Eine “Spieleplattform” (PC Games) wird der Kindle 2 zum Beispiel sicherlich nicht werden: Über Casual Spiele wie (Wort-)Puzzles und Soduko hinaus lässt das elektronische Papier der aktuellen Generation nicht viel zu.
Wahrscheinlicher sind Anwendungen, die auf der Kernkompetenz vom Kindle – exzellente Textanzeige – basieren. Amazon kündigt hier schon in der Pressemitteilung eine “Restaurant-App” an, auch schön aufbereitete interaktive Reiseführer mit über das Whispernet live synchronisierten Wetterinfos und Ausgehtipps würden bestimmt auf eine Nachfrage treffen.
Das App-Konzept wird dabei freilich nicht überall mit Begeisterung aufgenommen, Spielel Online etwa war das Thema heute gleich zwei Leitartikel mit den vielsagenden Titeln “Zwangsjacke für das Internet” und “Im Netz der Giganten.” Wer bereits einen Kindle sein Eigen nennt oder mit der Anschaffung des Lesegeräts liebäugelt, kann der Erweiterung dagegen praktisch uneingeschränkt positiv gegenüber stehen.
Im besten Fall erhöht sich der Nutzwert vom aktuell 240 Euro teuren Lesegerät ohne weitere Hardware-Ausgaben deutlich – und in Anbetracht der geschätzten 1,5 Millionen Kindle-Nutzer ist durchaus zu erwarten, dass viele fähige Software-Entwickler ihr wirtschaftliches Heil auf der Plattform suchen und spannende Apps entwickeln werden. Richig interessant wird der “Kindle App Store” natürlich mit einem spekulativen Kindle 3 mit reaktionsschnellem Mirasol-Display, der allerdings wohl kaum vor Herbst zu haben sein würde.
Amazon bringt sich mit seiner Plattform-Öffnung noch ein bisschen mehr gegen Apple in Stellung, die am 27. Januar mit großer Wahrscheinlichkeit ihr Apple Tablet “iSlate” ankündigen werden. Die Kalifornier sprechen laut einem WSJ-Bereicht bereits mit Vertretern der Buchindustrie über die Bereitstellung elektronischer Buch-Ausgaben für das Tablet, würden den Kindle damit auf eigenem Terrain angreifen.
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