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Amazon speichert jede einzelne Berührung auf Kindles – hier erhältst du deine Daten

Einer der großen Vorzüge der Kindle-Plattform ist der einfache Zugang zu Literatur. Im Kindle Store gekaufte eBooks können innerhalb weniger Sekunden auf einer Vielzahl von vernetzten Lesegeräten und Apps geladen und gelesen werden. Dazu hat Amazon natürlich gewisse Transaktionsdaten zu speichern und vorrätig zu halten. Aber Amazon speichert mehr. Viel mehr.

Die vor einiger Zeit in Kraft getretene Datenschutzgrundverordnung schreibt Unternehmen vor, Kunden auf Anfrage die Informationen bereitzustellen, die sie über sie gespeichert haben. Bei Amazon ist das möglich über die zentrale Seite "Meine Daten anfordern". Wer hier den Kindle auswählt, muss sich – nach Bestätigung seiner E-Mail-Adresse – dann allerdings nach Angaben von Amazon noch "bis zu einem Kalendermonat" gedulden, bis die Daten abrufbar sind. Schon das legt die Vermutung nahe, dass Amazon mehr als bloße Stammdaten und Kaufverküpfungen speichert.

Mehr als 90.000 Tabellen-Zeilen

Der tatsächliche Umfang der gespeicherten Informationen überraschend dann aber doch. Die Investigativ-Reporterin Adrianne Jeffries publizierte an diesem Dienstag auf Twitter mehrere viel beachtete Screenshots ihrer Kindle-Nutzungsdaten, die ihr Amazon auf Anfrage zukommen ließ, wie zuerst das Fachblog The Digital Reader berichtete. Daraus geht hervor, dass Amazon jede einzelne Bildschirmberührung speichert – sei es zum Seitenwechsel oder zur Navigation, und zwar über mehrere Jahre hinweg. In Summe umfasst die Nutzungsübersicht von Jeffries ganze 90.000 Tabellen-Zeilen.

Tief blicken lässt auch die Spalte "AmazonBook" mit den Variablen "True" und "False". Amazon merkt sich also auch die Nutzungsdaten von externen eBooks, die auf den Kindle geladen werden.

Löschung nicht ohne weiteres möglich

Die Nutzungsdaten können bei Amazon zwar angefordert, aber nicht ihre Löschung erzwungen werden – zumindest solange man sich in einer Vertragsbeziehung mit dem Online-Händler befindet. Einen Teil der Daten benötigt Amazon sicherlich auch für die volle Funktionalität der Kindle-Plattform, auch abseits von Transaktionsdaten.

So ermöglicht die Aufzeichnung einzelner Umblättervorgänge in einem bestimmten Buch deutlich präzisiere Schätzungen der "verbliebenen Zeit in Kapitel/Buch", als das bei einer pauschalen Vorsage nach zu lesenden Seiten der Fall wäre.

Datenschatz für Amazon – Autoren und Verlage außen vor

Trotzdem kann die schiere Masse an gespeicherten Daten schon beunruhigend sein. Und zwar nicht nur für Lesefreunde, sondern auch für Autoren und Verlage. Denn rein ökonomisch betrachtet handelt es sich um einen extrem lukrativen Datenschatz, auf dem Amazon hier sitzt. Der Anbieter weiß exakt, welches Buch von welchen Kunden an welchen Stellen abgebrochen wird, und kann daraus Rückschlüsse für seine eigenen Publikationen ziehen. Denn längst ist Amazon nicht nur Verkäufer, sondern auch Verlag mit im Kindle-Kosmos gewaltigem Umsatzanteil. Bis ins Detail rein datengetrieben produzierte Roman-Bestseller sind vielleicht keine Dystopie, sondern schon längst Realität.

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