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Blinkist im Test: Das taugen die Fachbuch-Zusammenfassungen

Ein dickes Fachbuch in knapp 15 Minuten durchlesen und auch alles verstehen? Das verspricht die Online-Bibliothek Blinkist. Mehr als 2.000 knackige Zusammenfassungen von Fachbüchern aus verschiedensten Kategorien hat das Start-up bereits veröffentlicht. Wir erklären die unterschiedlichen Funktionen und haben Blinkist ausführlich getestet.

Blinkist vermittelt Essenz von Büchern in 15 Minuten

Themenfelder bei Blinkist

Textzusammenfassungen waren in der Schule immer eine unangenehme Aufgabe und haben vor allem bei komplexen Themen Zeit gekostet. Blinkist wäre damals unser Retter in der Not gewesen: Die Online-Plattform mit Firmensitz in Berlin publiziert auf ihrer Webseite und über ihre App Zusammenfassungen von Fachbüchern, die nur rund 15 Minuten Lesezeit in Anspruch nehmen sollen, sogenannte “Blinks”.

Dabei kann der Nutzer aus 19 verschiedenen Kategorien wählen, unter anderem “Biographie” & Geschichte”, “Produktivität & Zeitmanagement”, “Persönliche Entwicklung”, “Populärwissenschaften” und “Gesundheit & Fitness”. Zu den verschiedenen Themengebieten macht die App dann Vorschläge zu Büchern, die interessant sein könnten. Mit Hilfe einer Suchleiste kann der Nutzer sich aber auch problemlos selbst auf die Suche machen.

Die ausgewählten Bücher werden in der Bibliothek abgelegt, um sie später schneller wiederzufinden. Sollte der Nutzer auf der Suche nach einem bestimmten Titel nicht fündig werden, bietet Blinkist an das Buch auf einer „Wishlist“ einzutragen.

Blinkist liegt preislich etwas über der App Joosr, die genauso funktioniert. Blinkist bietet aber schon weitaus mehr Titel an und kann Zusammenfassungen sowohl auf Englisch als auch auf Deutsch vorweisen, während Joosr auch aufgrund seiner britischen Herkunft nur englische Zusammenfassungen beheimatet.

Blinkist Kosten: Account-Modelle im Überblick

Blinkist Tarifmodelle

Blinkist bietet zwei verschiedene Accounts und einen kostenlosen Test-Account an. Der Test-Account ist für 24 Stunden aktiv und erlaubt freien Zugang zu allen vorhandenen Titeln. Nach Ablauf der 24 Stunden wechselt der Test-Account automatisch in einen “Free”-Account. Dort wird dem Nutzer ein vorher ausgewählter Titel unter “Dein Blink des Tages” zur Verfügung gestellt, welcher täglich wechselt. Zu jedem Buch existiert auch eine Audio-Version, die in der Testversion ebenfalls getestet werden kann. Alle Hörbücher werden von Profis eingesprochen, so bleibt dem Nutzer eine nervige Computerstimme erspart und der Audio-Blink kann durch die angenehme Betonung während einer Autofahrt oder Zuhause auf dem Sofa nebenbei abgespielt werden. Unter dem Reiter “Entdecken“ befinden sich Kurzbeschreibungen der Bücher, sowie ein kurzer Abschnitt “Wer sollte diese Blinks lesen“ und “Wer das Buch geschrieben hat“.

Einer der kostenpflichtigen Accounts ist der “Plus“-Account für 49,99 Euro im Jahr. Der Account ermöglicht Zugang zu allen bereits vorhandenen und neuerscheinenden Titeln und eine ausgewählte Audio-Version pro Tag. Außerdem kann sich der Nutzer wichtige Textzeilen markieren, sowie Offline auf seine Bibliothek zugreifen. Sollte einem das Angebot nicht gefallen, kann der Nutzer noch 30 Tage lang sein Geld zurückfordern und sein Abo damit beenden.

Für 79,99 Euro im Jahr gibt es den “Premium“-Account, der unbegrenzten Zugang zu Audio-Dateien erlaubt und markierte Stellen mit Evernote verknüpft. Für das Geld, das ein Premium-Account kostet, kann man sich in etwa acht Tascchenbücher im Jahr kaufen. Das sind sehr viel weniger, als man in einem Jahr auf Blinkist lesen kann. Aber lohnt sich das auch?

Blinkist im Test

App-Ansicht eines Blinks

Um einen ersten Eindruck von Blinkist zu gewinnen, existiert eine 24 Stunden-Testversion, die freie Auswahl an Themengebieten und Blinks bietet. Die Anmeldung geht schnell und ist unkompliziert. Direkt nach Eingabe der E-Mail-Adresse werde ich ohne weitere Umwege auf die Seite mit den 19 verschiedenen Themengebieten weitergeleitet. Davon suche ich mir erst einmal drei aus. Ich entscheide mich für “Persönliche Entwicklung“, “Produktivität & Zeitmanagement“ und “Biographie & Geschichte“. Anschließend darf ich mir so viele Titel wie ich will in meine Bibliothek speichern.

Ich entscheide mich für das Buch “Der Neandertaler und wir“ von Svante Paböö. Die erste Seite verrät mir, was für mich drin ist: “Deine ältesten Verwandten kennenlernen“. Darauf folgt eine kurze Erklärung für den Anlass des Buches: prähistorische Erkenntnisse über die Menschheit mit Hilfe von DNA. Darauf folgen noch ein paar Stichpunkte, die mit Inhalten wie “Warum Wissenschaftler früher an Faultierknochen leckten“ auch unterhaltsame Fakten anpreisen. Ich bin durchaus angefixt und springe auf die nächste Seite. Es folgen sämtliche Erkenntnisse zu DNA der letzten 40 Jahre, an denen der Autor und Mitbegründer des Max-Planck-Instituts Svante Paböö beteiligt war. Auf insgesamt nur elf Seiten ist das sonst 384 Seiten starke Buch zusammengefasst, und ich habe zumindest das Gefühl alle wichtigen Infos gelesen zu haben. Auch die Schreibweise ist simpel aber präzise gestaltet und ich benötige kein großes Vorwissen zu DNA oder Evolution, um den Inhalt zu verstehen.

Mein Gefühl nach einem “Blink”

Player für Audio-Blinks

Es bleibt ein etwas unbefriedigenderes Gefühl zurück: Kann es nicht sein, dass etwas vergessen wurde? Wurde vielleicht ein wichtiger Aspekt missverstanden? Bei mir bleibt das Bedürfnis zurück, das Buch komplett zu lesen. Das liegt aber vermutlich auch daran, dass es sich nicht um irgendeinen abgekupferten Ratgeber handelt. “Der Neandertaler und wir” umfasst die Ergebnisse des Forschers selbst und ich würde doch gerne wissen, wie er die so wichtiges wissenschaftlichen Erkenntnisse über unsere früheren Verwandten in seinen eigenen Worten beschreibt.

Um sich zu einem bestimmten Thema quer ein paar Titel durchzulesen, ist Blinkist aber gut geeignet. Für eine Hausarbeit oder Bachelorarbeit sind die Zusammenfassungen ideal und machen dem Leser ganz direkt und ohne Umwege klar, ob sich das Buch eignet oder ein Kauf sich erst gar nicht lohnt. Grundkenntnisse zu bestimmten Themen lassen sich mit Blinkist auch schnell aneignen und der Nutzer kann sich in nur ein paar Stunden durch zehn oder mehr Fachbücher klicken.

Im Bezug auf die Gestaltung sind sowohl Webansicht als auch App sehr übersichtlich. In den Blinks selbst kann die Schriftgröße nach Bedarf angepasst werden. Mit einem Klick kann man von der schriftlichen Version zur Audio-Version wechseln. Der Player ist mit dem Titelbild des Blinks hinterlegt und überzeugt durch eine übersichtliche Aufmachung. Blinkist ist durch und durch schlicht und anwenderfreundlich. Allerdings ist die “Entdecken”-Seite der App meiner Meinung nach etwas zu voll. Die Navigation erlaubt sowohl das Scrollen von oben nach unten, als auch von links nach rechts, um möglichst viele Titel auf eine Seite zu bekommen. Da kann man bei einem etwas kleineren Display schnell die Orientierung verlieren.

Blinkist Test: Mein Fazit

Johanna Wendel

Blinkist hat viele sinnvolle Anwendungsbereiche. So lässt sich auf dem Weg zur Arbeit problemlos ein Blink lesen oder in der “Premium”-Variante auch hören. Wer das zur Routine werden lässt, hat für zukünftige Partybesuche an Gesprächsstoff vorgesorgt. Außerdem fasst Blinkist endlos lange Ratgeber zusammen, die ohnehin meist auf ein paar wenige Kernaussagen heruntergebrochen werden können. Wer auf der Suche nach einem Hausarbeitsthema ist und sich der Durchblick durch ein Thema noch als schwierig gestaltet, kann sich in sehr viel kürzerer Zeit mehr Wissen draufschaffen.

Wer ein Buch wirklich lesen möchte, ist bei Blinkist aber naturgemäß nicht richtig. Keine ausgefallenen Formulierungen, keine persönliche Note des Autors, darauf muss verzichtet werden. Deshalb hält sich das Start-up aus Berlin auch fern von Romanen, denn die reine Handlung macht einen Roman meist nicht lesenswert. Abgesehen davon hat Blinkist aber definitiv einen erheblichen Nutzwert und ist auf dem besten Weg zu einem wirklichen “Essential”.

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