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Buchmarketing muss nicht nervend sein [Kolumne]

In sozialen Netzwerken (und auch in unserem Forum) kommt man nicht an ihnen vorbei: Indie-Autoren, die ihren neuen Roman scheinbar ohne Rücksicht auf Verluste oder die Befindlichkeiten anderer publik machen wollen. Autorin Poppy J. Anderson fordert weniger Lieblosigkeit und mehr Engagement – der Leser sollte unterhalten und nicht einfach nur beschallt werden.

Im Zuge einer Neuveröffentlichung (nein, ich werde den Titel des Buches nicht nennen, um erst gar nicht in den Verdacht einer PR-Aktion zu kommen) habe ich mir vermehrt Gedanken um Marketingstrategien gemacht, die im Self Publishing unerlässlich sind. Schließlich kommt ein Indie-Autor nicht um die Frage herum, wie er es schaffen kann, sein Buch sichtbar zu machen und Leser zu erreichen. Anders als bei den schön dekorierten Schaufenstern florierender Buchhandlungen, die ohnehin mit Spitzentiteln renommierter Verlage bestückt sind, haben wir in der virtuellen Welt kein solches Schaufenster, wenn wir nicht gerade die vordersten Plätze im Kindle-Ranking belegen.

Wie also kann man sein Buch an den Mann bzw. an die Frau bringen?

In der letzten Zeit ist mir, aber auch einigen Kolleginnen und Kollegen, aufgefallen, wie penetrant manche Zeitgenossen ihr Buch bewerben. Ungefragt werden Buchlinks an Facebook-Pinnwände erfolgreicher Indie-Autoren gepostet, damit deren Follower auf die noch unbekannten Romane aufmerksam werden. Buchgruppen werden mit unerwünschten Werbeposts überschwemmt, wobei es sogar Autoren gibt, die zeitgleich in mehr als vierzig Gruppen ein und denselben Buchlink veröffentlichen. Und besonders beliebt schien zu Ostern nicht nur die Eiersuche gewesen zu sein, sondern das Werben unter dem Deckmantel eines Ostergrußes.

Leser reagieren schnell genervt

Buchmarketing ist eine heikle Sache, denn auch Leser sind schnell davon genervt, mit einfallsloser Werbung überschwemmt zu werden. Woher sollen sie auch ausgerechnet auf mein Buch aufmerksam werden, wenn sie täglich Dutzende ähnlicher Buchlinks bei Facebook sehen, die mit Sätzen werben wie „Mein neues Buch ist da! Bitte kauft es!“ oder „Am Wochenende noch nichts vor? Dann lest doch meinen neuen Roman!“?

Natürlich ist nichts gegen solche Posts einzuwenden, doch gehen sie über kurz oder lang in der Masse ähnlicher Posts anderer Autoren unter. Der Werbeeffekt ist damit gleich Null.

Buchmarketing wird nicht leichter

Ich möchte hier nicht für mich in Anspruch nehmen, das Patentrezept schlechthin zu kennen. Und ich will auch keine großen Reden schwingen, wie man es besser machen kann, sondern lediglich ein Resümee aus meinen Erfahrungen ziehen. Denn bei der stetig wachsenden Zahl neuer Bücher wird der Bereich des Buchmarketings immer wichtiger werden.

Um auf sein Buch aufmerksam zu machen, sollte man kreativ sein und sich etwas einfallen lassen. Das bloße Posten eines Buchlinks in möglichst vielen Gruppen dagegen ist einfallslos, wenn es nicht mit etwas Besonderem verknüpft ist. Aktionen, die die Leserschaft dagegen neugierig auf das Buch machen, zeigen nicht nur Engagement, sondern stechen hervor.

Marketing als Engagement für den Leser betrachten

poppy buchmesseZwar kosten solche Aktionen wie virtuelle Schnitzeljagden, betreute Leserunden oder gut organisierte Specials mit Buchtrailern, Gewinnspielen und Infos zum Buch viel Zeit, doch sie zeigen den Lesern, dass man sich ihretwegen Mühe macht. Auch ich möchte schließlich als Leser ernst genommen und nicht lediglich als Käufer bzw. Konsument betrachtet werden.

Ob es nun die bereits benannten virtuellen Schnitzeljagden oder Messeauftritte sind, zu denen man wie in meinem Fall Footballspieler, ein Maskottchen und Cheerleader mitschleppt, die dort nicht nur eigene Autogrammkarten verteilen, sondern mit den Leserinnen Fotos machen und mit ihnen Cupcakes in Football-Optik verputzen, ist einerlei. Wirklich wichtig ist meiner Meinung nach, Marketing nicht nur als Werbung für ein Buch und verkaufsfördernde Maßnahme zu betrachten, sondern insbesondere als Engagement für den Leser.

B_000006Über die Autorin: Poppy J. Anderson (Homepage, Wikipedia, Amazon) ist das Pseudonym einer deutschen Autorin, die seit Ende 2012 als Selfpublisherin Romane veröffentlicht, welche mittlerweile auch über Rowohlt verlegt werden. Die meisten ihrer Bücher schafften es auf Platz 1 der Bestsellerliste und haben sich insgesamt über eine Million Mal verkauft. Alle Kolumnen von Poppy J. Anderson auf lesen.net.

<Bildnachweis: Werbende Autorin von Shutterstock>

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Kommentare


Heute gelesen: Wenn Buchmarketing nervt – 28. April 2015 um 23:28

[…] lesen.net gibt die erfolgreiche Selfpublisherin Poppy J. Anderson ein paar Anregungen: Buchmarketing muss nicht nerven Lest mal […]

Antworten

Warum Buchempfehlungen nicht nerven (Kolumne) | Miss Eyre und Mops 29. April 2015 um 12:16

[…] solche vertritt Poppy J. Anderson in ihrer aktuellen Kolumne bei den Kollegen von lesen.net: „Buchmarketing muss nicht nervend sein“. Sie beschreibt, dass viele Autoren wie Lautsprecher für ihr neues Buch werben, wo immer es […]

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