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Carlsen lektoriert Amazon aus Kinderbuch

Bildschirmfoto 2013-04-25 um 15.24.31Der Kampf der lokalen Buchhändler gegen Amazon treibt immer seltsamere Blüten. Jetzt sieht sich der Carlsen Verlag dazu gezwungen, einen in einem Kinderbuch verschenkten Amazon.de-Gutschein nachträglich aus dem Text zu entfernen – erzürnte Buchhändler „konnten nur mit dem Kopf schmütteln“.

Dem berichtenden Börsenblatt nach wird im neuen Band der Kinderbuchreihe „Conni“ der Protagonistin ein höchst fragwürdiges Geschenk gemacht. In der Originalfassung heißt es: „Mandy hat mir neben ihrer Karte, auf die sie unzählige Kreuze und Os – für jede Menge Hugs and Kisses – gekritzelt hat, einen Amazon-Gutschein geschickt, den ich online einlösen kann. Spitze!“

Reaktion einer unabhängigen Buchhandlung in Hochheim: „Wir können hier (…) nur mit dem Kopf schütteln“. Man trommele in Schulen und Kindergärten für das Buch „und bekommen jetzt so etwas zu lesen. Was hat sich das Carlsen-Lektorat dabei gedacht?“ Aufgeschreckt von der Kritik versicherte man beim Harry-Potter-Verlag flink, man sehe sich „klar als Unterstützer des stationären Sortiments“; die Autorin soll den Verlag bereits gebeten haben, in der nächsten Ausgabe aus dem Amazon-Gutschein einen „Geschenkgutschein“ zu machen. Buchhändler können die „fehlerhaften“ Exemplare derweil an den Zwischenhändler zurückschicken.

Der „Skandal“ knüpft nahtlos an eine Reihe ähnlicher Vorfälle an. Zuletzt richtete sich lautstarker Protest des Buchhandels in Richtung der Kreissparkassen. Deren Verfehlung war es, als Preise bei einem Gewinnspiel drei Kindles auszuloben.

Ob lautes Wehklagen über die vermeintliche Unterstützung von Amazon („Die Buchhändler ärgern sich:“ hat schon fast Potenzial zur Meme) die Lage und das Ansehen des Sortiments nachhaltig bessert, erscheint zweifelhaft. Immerhin zeigen die amüsierten wie unterhaltsamen Kommentare vieler Buchhändler zur „Conni“-Meldung, dass längst nicht alle Sortimentler beim Reizwort Amazon in Schnappatmung verfallen.

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Kommentare


Hektor 25. April 2013 um 19:49

Mein Mitleid mit den Buchhändlern und Verlagen hält sich immer mehr in Grenzen.
Warum?
Wenn da stände sie hat ein Thalia oder Weltbild Gutschein bekommen, wäre der Protest auch so groß?

Das Benehmen ist ja schlimmer als im Kindergarten.

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Juergen 26. April 2013 um 12:17

Unserem Land muss es blendend gehen, wenn man es schafft mit so einem Furz Wellen zu schlage.

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Buchhändler 26. April 2013 um 18:57

@Hektor
Ja, Thalia und Weltbild gehören zum Feindbild, besonders Thalia, Sie scheinen sich nicht im Buchhandel auszukennen. Muß man natürlich nicht, um ein Kommentar abzugeben. Außerdem gehts auch um product placement in Kinderbüchern ansich.

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Buchhändler 26. April 2013 um 19:08

… außerdem ist der Originaltext der Büchhändlerin falsch zitiert, vielleicht mal auf den Link zum Börsenblatt klicken, bevor Sie in „Schnappatmung“ verfallen.

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Martin 28. April 2013 um 06:02

Ist schon witzig – wobei ich hier eher von seinem sehr sehr dummen Fehler vom Lektor sprechen möchte. Wobei im dritten oder vierten Band von Harry Potter auch von einer Play-Station die Rede ist.

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Reiner Unsinn 28. April 2013 um 13:02

Zitat:
„…einen Amazon-Gutschein geschickt, den ich online einlösen kann. Spitze!“

Bei solchen product placements kann ich gar nicht soviel essen, wie ich kotzen möchte!

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