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Das bedeuten die Namen der E-Reading-Anbieter

Kobo, Tolino, Kindle, Calibre – im E-Reading-Kosmos hat man es mit den immer gleichen Marken zu tun. Einige der Namen sind frei erfunden, bei anderen handelt es sich um fremdländische Begriffe, wieder andere sind kreative Wortspiele. Begriffserklärungen.

Sony: Inzwischen weitgehend aus dem E-Reading-Bereich verschwunden, verkaufte Sony unter anderem in Deutschland bereits eBook Reader, lange bevor der Kindle bei uns debütierte. Die Sony-Lesegeräten liefen alle unter der Marke PRS (von -505 bis zuletzt -T3), eine Abkürzung für Portable Reader System. „Sony“ selbst ist eine Zusammensetzung aus dem lateinischen Sonus (Klang) und dem Vornamen Sonny, der in den 1950er Jahren – zur Zeit der internationalen Neu-Firmierung – in den USA populär war.

Kindle: Der Marken-Name der erfolgreichsten eBook-Reader-Familie überhaupt ist ein englisches Verb und lässt sich mit „entfachen“ übersetzen, was nach dem Wunsch von Amazon auf die Gedanken beim Lesen zu beziehen ist. Wohl weil es sich um einen fremdländischen Begriff handelt, wurde „Kindle“ hierzulande jahrelang häufig falsch ausgesprochen, nämlich „Keindl“.

Amazon: Anfänglich sollte der Online Store Cadabra (kurz für Abracadabra) heißen, was klanglich allerdings allzu große Ähnlichkeit mit dem wenig positiv besetzten „Cadaver“ hatte. Ebenfalls aufgrund der negativen Besetzung wurde relentless.com (erbarmungslos) verworfen.  Letztlich hat Jeff Bezos sein 1994 gegründetes Unternehmen nach einem südamerikanischen Fluss benannt, weil der Amazonas als exotisch, groß und mächtig gilt – genau das, was Bezos mit seinem Geschäft im Sinn hatte. Der Amazon-Wahl vorgestellt war allerdings die Anforderung, der neue Firmenname müsse unbedingt mit einem A beginnen. In den 1990er Jahren fand man sich nämlich nicht mittels Suchmaschinen im heutigen Sinne im Web zurecht, sondern über Webkataloge, die in der Regel alphabetisch sortiert waren. Schon beim Namen wurde also eifrig optimiert.

Entwurf für Außenwerbung

Entwurf für Außenwerbung

Tolino: Zur Namensgebung haben sich Thalia (mythische Figur) & Co. nie explizit geäußert – hier brauchte es einfach nur eine griffige, international nutzbare Marke. Charakteristisch für die Marke Tolino ist ein sehr abstrakter türkiser Schmetterling, der sich auch auf jedem eBook Reader der Gerätefamilie findet. Fast wäre es dazu aber gar nicht gekommen – im Gespräch war auch noch ein (etwas unheimlich aussehendes) papiernes Flügeltier sowie ein stilisiertes Bücherregal. Die Alternativ-Entwürfe lassen sich noch heute auf der Seite der verantwortlichen Agentur in Augenschein nehmen.

Kobo: Die internationale Nummer 2 hinter Amazon heißt Kobo – ein Anagramm von Book. Kobo rückt mehr und mehr an seinen japanischen Konzern Rakuten heran, der sich mit „Optimismus“ übersetzen lässt und bei uns eigentlich auch immer falsch ausgesprochen wird (richtig: „Rakten“).

Skoobe: Der deutsche eBook-Flatrate-Anbieter, ein Gemeinschaftsunternehmen von Holtzbrinck und Bertelsmann (beides Familiennamen), hat die vielleicht offensichtlichste Wortschöpfung gewählt. Man muss dem Namen nur den Spiegel vorhalten.

Calibre: Das Schweizer Taschenmesser  der eBook-Verwaltung hieß ursprünglich libprs500, angelehnt an den Sony Reader PRS-T500 (siehe oben), einen im Herbst 2006 auf breiter Basis in den US-Handel gekommenen eBook Reader. Das war natürlich wenig einprägsam und auch nicht sonderlich trefflich, nachdem immer mehr Formate (anfänglich nur das Sony-Format lrf) und Geräte unterstützt wurden. Mitte 2008 erfolgte die Umbenennung in Calibre. Den Namen bekam Chefentwickler Kovid Goyal laut eigener Angaben von seiner Frau Krittika in die Bücher diktiert. Er hat nichts mit dem Durchmesser von Munition zu tun, sondern betont das „libre“ im Sinne von frei und Open Source. Ca ist das Kürzel von Kalifornien, der Heimat von Goyal. Trotzdem hätte der Entwickler den Namen seiner Software gerne „Cali-ber“ ausgesprochen, nicht „Ca-Libre“.

Buchhändlerbörse (um 1840)

Buchhändlerbörse (um 1840)

Börsenverein: Für Branchenangehörige wahrscheinlich seit jeher bekannt und für Buchhandelazubis Stoff der ersten Stunde in der Berufsschule, für junge Quereinsteiger aber befremdlich: Warum ist der Lobbyverband (und dessen Hauspublikation) nach einem Ort benannt, den man heutzutage üblicherweise mit Aktienhandel assoziiert? Der Börsenverein gründete sich im Jahr 1825 in Leipzig zur besseren Organisation der auf der dortigen Buchmesse stattfindenden Handelsveranstaltung Buchhändlerbörse. In der hier zu findenden ersten Börsenordnung sind dann auch als Aufgaben definiert, „der Börsen-Vorstand hat zuvörderst auf zweckmässige Einrichtung des Börsenlocales zu sehen; darüber zu wachen, dass sich Ungeeignete nicht eindrängen (…)“. Wenn man so will, führt der Verband 190 Jahre später noch genau die gleichen Aufgaben aus („audible“=hörbar).

lesen.net: Als ich im Frühjahr 2009 über einen Namen für dieses Projekt nachdachte, gab es die grundsätzliche Wahl zwischen einer marktüblichen „Keyword-Domain“ (in der Art tolle-ebooks-auf-ebook-readern.de) oder einem wirklichen Markennamen. Die Entscheidung fiel auf Letzteres. lesen.net soll das verbindende Hobby der Besucher dieser Seite vereinen mit einem durch das „.net“ ausgedrückten progressiven Anspruch. Soviel die Theorie – in der Praxis ist es schon ein Erfolg, zumindest in der Fachpresse nur noch selten versehentlich lesen.de geschrieben zu werden. Unser Firmenname 4pub GmbH (Kommentar der IHK: „Wollen Sie Kneipen aufmachen?“) steht übrigens kurz für „for publishing“ und hat den praktischen Nebeneffekt, das wir in Ausstellerkatalogen und ähnlichem noch vor Amazon zu finden sind. Und vor dem AAVAA Verlag.

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