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Deutsche Hörbuch-Verlage prüfen Klage gegen Audible

Für Amazon bahnt sich neuer Ärger mit der deutschen Verlagsbranche an. Die Hörbuch-Tochter Audible will Verlage zur Bereitstellung ihrer Inhalte für eine Hörbuch-Flatrate zwingen. Andernfalls verlieren sie ihre Präsenz beim Quasi-Monopolisten. Die Verlage prüfen nun eine Kartellbeschwerde, der Börsenverein wäre im Boot. Allein: Es fehlen attraktive Alternativen.

Die derzeitige Dominanz von Amazon auf dem deutschen Online-Hörbuchmarkt ist noch wesentlich größer, als es sie im E-Reading jemals war. Geschätzte 9 von 10 Hörbuch-Downloads entfallen auf Audible. Absolut ist der Download-Anteil bei Hörbüchern zwar noch relativ gering, trotzdem führt für Hörbuchverlage eigentlich kein wirtschaftlicher Weg an Audible vorbei.

Zwingende Direkt-Belieferung inklusive Flatrate

Diese Marktmacht macht sich Amazon jetzt zunutze. Wie der Spiegel berichtet, wurde zum einen dem Zwischenhändler Bookwire gekündigt. Wer seine Hörbücher bislang über diesen Dienstleister ausliefern ließ, muss jetzt direkt einen Vertrag mit Audible machen. Zum anderen wurde aber auch einigen Hörbuchverlagen, die bereits bei Audible waren, gekündigt.

In beiden Fällen haben Verlage nach Angaben des Spiegel neue Lieferverträge zu unterschreiben, die eine Bereitstellung der Hörbücher im Rahmen von Flatrate-Modelle gestatten. Ein solches Modell gibt es bereits: Kindle Unlimited inkludiert schon heute mehr als 2.000 Hörbücher, was freilich nur einen winzigen Teil des Audible-Sortimentes ausmacht. Um hier ein größeres Angebot zu schaffen – und vielleicht auch um die Bahn für ein gänzlich neues Angebot freizumachen – setzt Amazon Verlagen hier relativ eindeutig die Pistole auf die Brust.

Das wollen sich die Verlage allerdings nicht gefallen lassen. Laut Spiegel prüfen sowohl einige Hörbuch-Publisher als auch deren Lobbyveinigung, der Börsenverein, eine Beschwerde beim Bundeskartellamt. Börsenverein-Chef Alexander Skipis: „Wenn Audible kleinen Hörbuchverlagen damit droht, ihre Titel auszulisten, ist das angesichts seiner Marktmacht aus meiner Sicht rechtlich sehr fragwürdig“.

Quasi-Monopolist nicht ohne Grund

Sollte es zu einer solchen Kartellbeschwerde kommen, wird diese allerdings erst einmal keine unmittelbaren Konsequenzen haben. Eine abschließende Entscheidung von Bundeskartellamt oder EU-Kommission wird kaum noch in diesem Jahr fallen. Genug Zeit für andere Anbieter also, um an attraktiven Angeboten zu feilen. Denn die Marktmacht von Audible entstand nicht ohne Grund, wie auch die Resonanz auf diese Meldung in unserem Forum illustriert (siehe unten). Gerade für Fans ungekürzter Hörbücher gibt es in Deutschland eigentlich keine Alternative zur Amazon-Tochter.

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