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eBook-Shops: DRM meist nur zu erraten

smartpad-1Die Verlagslandschaft teilt sich schon seit längerem in drei Lager, was die (vermeintliche) Diebstahlsicherung von digitaler Literatur mittels Kopierschutz betrifft. Nachteil für Lesefreunde: Vor dem eBook-Kauf ist in den wenigsten Fällen ersichtlich, ob und ggfs. in welcher Form eine Datei verschlüsselt ist.

adobe_logoWährend insbesondere Großverlage vornehmlich auf das restriktive und Technik-Unerfahrene im Handling schnell überfordernde Adobe DRM setzen, begnügen sich andere Publisher mit einem digitalen Fingerabdruck im erworbenen eBook (etwa Kopie der Käuferdaten in die Fußzeile). Einige Verlage stellen ihre Inhalte sogar gänzlich ungesichert zum Verkauf, was sich auch ökonomisch auszuzahlen scheint.

Ob ein Buch mit digitalen Fußfesseln daherkommt, ist für viele Nutzer ein wichtiges Kriterium bei der Kaufentscheidung: Adobe DRM geschützte Literatur benötigt zur Verwaltung eine wenig komfortable Software, lässt sich nur begrenzt kopieren (im worst case muss ein eBook mehrfach erworben werden) und ist auf vielen Devices überhaupt nicht anzeigbar. Wer etwa ein Smartphone oder Tablet mit Android-Betriebssystem (wie das oben abgebildete 1&1 Smartpad) sein Eigen nennt, kann mit solcherlei verschlüsselten eBooks schlicht nichts anfangen. Auch einige eBook Reader wie das Ectaco jetBook oder die komplette Kindle-Familie kommen mit Adobe DRM nicht klar; liegt ein epub-eBook kopierschutzfrei vor, könnte es (teils infolge einer Konvertierung) problemlos auf all diesen Lesegeräten angezeigt werden.

librekaVor diesem Hintergrund ist es absolut unverständlich, dass kaum ein hiesiger eBook-Shop auf die Art und Weise der Verschlüsselung hinweist. Beispiel Gmeiner-Verlag (alle eBooks ohne DRM): Der Krimi Mondmilchgubel ist bei allen relevanten eBook-Shops im Sortiment – buecher.de, libri.de/buch.de, txtr.comCiando, Libreka. Einzig bei Libreka findet sich aber der Hinweis auf den “fehlenden” Kopierschutz; libri.de/buch.de und txtr.com weisen die Datei dagegen sogar implizit oder explizit als verschlüsselt aus – das Content Managment System scheint hier keine Differenzierung zu erlauben. Augenscheinlich DRM-frei wird “Mondmilchgubel” außerdem bei Beam eBooks verkauft – der Vergleich zu den anderen Plattformen hinkt allerdings, weil Beam ausschließlich unverschlüsselte Literatur im Angebot hat.

Ein weiteres Beispiel ist das digitale Sortiment von Bastei Lübbe – eines der wenigen großen Verlagshäuser, die ihre Kunden von hartem DRM verschonen (und ihre eBooks generell faire 20% unter Print bepreisen). Auch hier ist der Online-Shop vom Börsenverein das einzige Angebot, welches die eBooks als sauber ausweist. Auch im deutschen iBooks, wo Bastei Lübbe Launchpartner war, deutet nichts auf die Nicht-Verschlüsselung mit Apples proprietärem Fairplay-Schloss hin. Verlage haben auch im iBookstore die Wahl “Kopierschutz oder nicht”, die Entscheidung ist allerdings für den Nutzer nicht offensichtlich – einer der Gründe, weshalb man vom Shopping im iBookstore gegenwärtig eher absehen sollte.

Dass mit digitaler Literatur hierzulande momentan nur überschaubare Umsätze generiert werden, hat sicherlich primär andere Gründe als die mangelhafte Auszeichnung des Kopierschutzes. Dem Kunden klar zu kommunizieren, was er für sein Geld eigentlich kauft, wäre aber schon einmal ein Schritt in die richtige Richtung (gutes Nutzungserlebnis).

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Kommentare


Scotty 16. Juli 2010 um 22:27

In unserem Verlag setzen wir auch auf DRM Freie Bücher, auch die preise liegen 25% unter dem der Print-Ausgabe. Man fragt sich hier wirklich ob die Verlage nichts aus dem Desaster mit der Musikindustrie gelernt haben, wirklich traurig…

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Bigboo73 17. Juli 2010 um 14:44

meiner Meinung nach sind die niedrigen Verkaufszahlen in Deutschland einzig und allein der niedrigen Verfügbarkeit anzurechnen.

Wir befinden uns hier noch in der Zeit der “Early Adopters” und was lesen die meisten davon? Belletristik! Davon gibts zu wenig gutes/bekanntes.

Es ist teilweise nicht nachvollziehen welche wahnwitzigen Zeitspannen zwischen erscheinen eines Romans und verfügbarkeit als E-Book (wenn überhaupt) liegen. Desweiteren kommt noch hinzu das von Serien, ältere Romane nur als Buch und nur neuere Romane als E-Book verfügbar sind… totaler Quatsch! Wenn bitte vollständig umsetzen.

DRM ist sicherlich ein weiterer Hinderungsgrund, hält den technisch unbegabten Massenmarktnutzer davon ab E-Books zu kaufen weil er sich nicht noch eine Fremdsoftware herunterladen will (Adobe DE), ich persönlich finde das gar nicht so schlimm, habe mich damit arrangiert.

Ganz schlimm ist aber das einige wie z.b. Amazon ihr eigenes Süppchen kochen. Aber dann noch nichtmal in der Lage sind/sein wollen wenigstens flächendeckend E-books hier in Deutschland anzubieten. De fakto bekommt ja fast nix.

Ich kauf mir doch keinen Kindle nur weil der zufällig ein paar meiner Bücher anbietet die man über z.b. Libri nicht bekommt.

Ich verstehe auch nicht diese ganze Medienpräsenz rund um den Kindle hierzulande wenn er deutschen Kunden nichts bietet.

Ich gehe sogar soweit zu sagen das die Buchverlage sich viel katastrophaler verhalten wie einst die Musikindustrie obwohl sie aus deren Fehlern lernen könnten, machen sie die gleichen und fügen noch welche hinzu:

a. DRM
b. Verfügbarkeitslücken
c. zeitverzögerter Release
d. geschlossene Distributionssysteme

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Achim 17. Juli 2010 um 19:00

Für Android gibt’s doch mittlerweile die txtr-App. Und die kann doch DRM, oder? (Oder soll das in Zukunft können)

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Ralf 18. Juli 2010 um 10:33

Bezüglich der Auszeichnung wünschte ich mir ja auch noch einen Hinweis, ob es sich um reformierte oder normale Rechtschreibung handelt. Bei E-Books böte es sich ja an, die etwas älteren Titel wieder verfügbar zu machen, und da gibt es viel, das ich kaufen würde – man muß dieses Feld ja nicht freiwillig dem Untergrund überlassen. Bezüglich Neuerscheinungen habe ich die Hoffnung schon aufgegeben, daß es im von mir bevorzugten Genre irgendwann wieder besser wird und habe den Konsum weitgehend eingestellt. (Beim Lesen möchte ich mich nicht in regelmäßigen Abständen ärgern müssen. Wenn mir ein Verlag nicht das vekaufen will, das ich haben möchte, kriegt er eben kein Geld von mir – genauso wie bei DRM.)
Aber E-Books wären durchaus eine Chance, die Kundengruppe wiederzugewinnen, der es wie mir geht, denn selbst Neuerscheinungen könnte man ohne große Mehrkosten in verschiedenen Varianten anbieten. Man dürfte nur nicht ausnahmslos das machen wollen, was irgendwelchen Kultusministern gerade angenehm ist.

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Sebastian 18. Juli 2010 um 15:16

Ich denke, bei einem Thema wie DRM spricht keiner gerne drüber. Wenn der Kunde erst mal gekauft hat, ist dem Verkäufer egal, ob er es lesen kann, oder nicht. Dann wurde der Kauf ja getätigt. Von daher haben die Händler schlicht kein Interesse daran, den Kunden aufzuklären…

Ich selber habe inzw. den Kauf von DRM geschützten Titeln aufgegeben. Ich habe einen neuen Computer, und weigere mich, alle Titel erneut runter zu laden, und zu “authentifizieren”. Das ist mir _viel_ zu aufwendig…

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Odan 18. Juli 2010 um 23:46

Hallo,

fährt Baste Luebbe zweigleisig? Die Sinclair Romane scheinen nämlich ein DRM zu enthalten. Und aus der Homepage von Luebbe selber wird man auch nicht schlau. Und bei Beam-ebooks kann man deren Bücher soweit ich das gesehen habe auch nicht kaufen, obwohl es doch gerade da sinnvoll wäre, oder?

Na ich frage mal bei Luebbe morgen direkt nach, da ich den Geisterjäger doch gerne wieder lesen würde.

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Thomas Knip 19. Juli 2010 um 11:03

Einfache Lösung des Problems? Kein Kopierschutz. Oder höchster solch einer mit Wasserzeichen.

Amazon erlaubt es den Verlegern beim Anlegen jedes eBooks in deren Shop frei zu entscheiden, ob sie für dieses bestimmte eBook einen Kopierschutz nutzen möchten oder nicht.
Da fragt man sich, warum das hier nicht möglich ist.

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Odan 23. August 2010 um 14:32

Tja, könnte daran liegen, daß Verlage wie Heyne ich zitiere

“Vielen Dank Ihre Hinweise zum Umgang mit dem Thema DRM. Dass Bücher, die für eine Plattform gekauft werden, nicht auf anderen Endgeräten gelesen werden können, ist auch aus Autoren- und Verlagssicht nicht sinnvoll. Wir setzen uns deshalb – ohne damit auf jegliche Zugangskontrolle verzichten zu wollen – für stärkere Interoperabilität der Systemwelten ein.”

Das mit der Plattform und Interoperabilität (scharfes Wort) haben die nicht verstanden, das macht in der Regel Calibre und die Firmware.

Fraglich ist nur was Heyne mit “Zugangskontrolle” meint, nicht das die mal vor der Tür stehen und gucken, das gekaufte Bücher auch ja alle im Regal stehen. ;-))

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Odan 23. August 2010 um 14:33

Lieber Johannes, könntest Du nicht mal fragen, was Heyne damit meint?

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Wo man DRM-freie eBooks herbekommt | eBook-Fieber 18. März 2011 um 21:08

[…] e-book-news kooptech lesen.net […]

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Gernot 9. Juli 2011 um 12:00

Man hat scheinbar aus den Fehlern der Software- und Musikindustrie nichts, aber auch rein gar nichts gelernt!
Ich habe an und für sich kein Problem mit Kopierschutz – wenn er funktioniert und sich auch in der Anwendung des gekauften Produkts keine Einschränkungen ergeben. Aber das Adobe-DRM ist absoluter Schwachsinn, komplizierter gehts nicht mehr! Wie bereits in (Gott sei Dank)längst vergangenen Tagen bei Softwareprogrammen und Musik-CDs bedeutet auch hier der Kopierschutz, eine massive Einschränkung in der Nutzung des gekauften Produkts.
DRM dient derzeit meiner Meinung nach dazu, nicht gerechtfertigte und völlig überzogene Preise für ebooks zu sichern. Ich kann dem Argument, dass mit ebooks derzeit noch nichts zu verdienen sei, nichts abgewinnen. Setzt man den Preis, der derzeit in der Regel für ein ebook verlangt wird und der nur unwesentlich unter dem der Printausgabe liegt, in Relation zum tatsächlichen Aufwand bei der Produktion der Printausgabe, ergibt sich, dass der Preis fürs ebook um ein vielfaches zu hoch ist. Man müsste die Kosten für Material, Herstellung, Transport, Lagerung und Versand der Printausgabe vom Preis des ebooks abziehen. Solange man aber versucht, Bücher zu einem kaufmännisch nicht nachvollziehbaren Preis an den Mann zu bringen, darf man sich nicht wundern, wenn dadurch erst der Anreiz zum Raubkopieren geschaffen wird.
Aber zum Thema:
Ebook-Reader werden ohne Hinweis darauf verkauft, dass die meisten Bücher nur mit DRM verfügbar sind. Das darf nicht sein! Aber sonst würde man sie ja vermutlich auch verkaufen können;o)
Im Bestellvorgang der meisten ebook-Anbieter findet man keine verständlichen bzw auf die Einschränkungen des Adobe-DRM hinweisende Vermerke.
Und der absolute Hammer: Ein ebook-Anbieter, bei dem ich einige kommerzielle ebooks gekauft habe, hat auch die mitbestellten, copyrightfreien und kostenlosen ebooks aus dem “Projekt Gutenberg” (im Internet frei verfügbar) mit Adobe-DRM vergewaltigt. Der Wahnsinn hat scheinbar Methode.
Nett finde ich such den Hinweis eines anderen Anbieters, dass ebooks “selbstverständlich auch versandkostenfrei” seien. Toll, dass man für keinen Versand auch keine Versandkosten berappen muss!
Und was lernt man daraus? Einfach keine DRM-geschützten Bücher mehr kaufen. Ich kaufe nur mehr DRM-freie bzw personalisierte ebooks, alles andere hole ich mir in der Printversion in der Bücherei!

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