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eBook Warez: Rapidshare am Ende, Piraterie noch lange nicht

Lange Zeit war Rapidshare ein Synonym für Internetpiraterie, gerade auch für den illegalen Upload von eBooks (eBook Warez) erfreute sich der Schweizer 1-Click-Hoster großer Beliebtheit. In dieser Woche gab das Unternehmen sein Ende bekannt. Die Szene ist schon lange auf Alternativen ausgewichen, hat es dieser Tage aber auch nicht leicht.

Im Jahr 2004 ging Rapidshare ans Netz, 11 Jahre später ist die Party endgültig vorbei. Wie auf der Startseite rapidshare.com zu lesen ist, werden die Server Ende März abgeschaltet. Kunden werden gebeten, ihre beim Hoster gespeicherten Daten rechtzeitig zu sichern.

Lieblingsfeind der Buchindustrie

Aufgrund seiner langen Zeit exponierten Stellung bei der Verbreitung illegaler Inhalte und dem vergleichsweise offenen Auftreten (Schweizer Aktiengesellschaft) stand Rapidshare jahrelang im Fadenkreuz der Contentindustrie. Der Börsenverein stand hier in der ersten Reihe. So unterstützte der Lobbyverband der Buchbranche eine Klage der beiden Verlage Campus und De Gruyter gegen den 1-Click-Hoster. 2013, nach einem insgesamt dreijährigen Verfahren, entschied der Bundesgerichtshof letztinstanzlich, Rapidshare müsse Sorge dafür tragen, dass bestimmte eBooks der Verlage nicht mehr über den Dienst verbreitet werden könnten.

Zu diesem Zeitpunkt war der Anbieter schon längst uninteressant für Warez-Verbreiter. Spätestens mit Einführung eines Traffic-Limits für Downloads im Jahr 2012 (30 Gbyte pro Account täglich für zahlende Kunden, 1 Gbyte täglich für Basis-Accounts) brachte sich Rapidshare aus dem Geschäft. Für größere, aber generell auch für vielfach nachgefragte Dateien war der Dienst damit nicht mehr nutzbar. Ohne die lange Jahre zumindest tolerierte Nutzergruppe der Uploader und Downloader illegaler Inhalte fand Rapidshare offensichtlich kein tragfähiges Geschäftsmodell mehr.

Weiter gute Geschäfte mit illegalen Downloads…

“Die Zeiten sind vorbei, in denen man mit illegal zur Verfügung gestellten Inhalten problemlos Geld verdient hat”, tönte Börsenverein-Geschäftsführer Alexander Skipis 2013 im Zusammenhang mit dem angesprochenen BGH-Urteil. Die Betreiber von uploaded.net und Konkurrenten sowie der unzähligen Streaming-Hoster im Dunstkreis von kinox.to & Co. dürften das anders sehen, verdienen sie doch seit Jahren sehr gutes Geld mit exakt dem gleichen Geschäftsmodell (Verkauf von Premium-Zugängen an Privatnutzer, die schneller an illegale Downloads gelangen wollen, plus Werbeanzeigen).

…aber immer mehr Vollzugsmeldungen

“Problemlos” war das Geschäft auch in der Vergangenheit nicht, polizeiliche Hausbesuche bei Warez-Verbreitern gab es schon in den 1990er Jahren. Tatsächlich scheint aber die Strafverfolgung in den letzten drei Jahren zahlreicher oder zumindest erfolgreicher geworden zu sein. Im Bezug auf eBook Warez sei auf das durch juristischen Druck bedingte Aus der Buecherkiste, das in ähnlichem Zusammenhang stehende Ende von Torboox, die Schließung von boerse.bz (wo eBook Warez freilich nur eine untergeordnete Rolle spielten) und zuletzt die Razzia bei Uploadern von spiegelbest.me/ebookspender.me verwiesen. Inzwischen soll übrigens auch die eBook-Warez-Koryphäe “Spiegelbest” dingfest gemacht worden sein, berichtet das Fachblog tarnkappe.info, wo “Spiegelbest” zuletzt als Kolumnist tätig war.

Der “Warez-Sumpf” ist damit noch lange nicht trocken gelegt. Rapidshare (und dessen zeitweiliger Nachfolger Megaupload) sind längst durch Alternativen ersetzt worden, die boerse.bz ist unter neuem Namen und mit altem Datenbestand wiederauferstanden und populäre Webangebote der Szene bestehen seit Jahren (zumindest nach außen hin) unbeschadet. Doch es ist davon auszugehen, dass zumindest Neueinsteiger von den Vollzugsmeldungen abgeschreckt werden, und für Konsumenten wächst die Zahl an legalen Alternativen.

Legale Alternativen: eBooks hinken hinterher

So wird zwar im Filmbereich derzeit wohl mehr illegal gestreamt als jemals zuvor, doch legale Anbieter wie Amazon Prime Instant Video und insbesondere das vor kurzem gestartete deutsche Netflix-Angebot können mit Komfortfunktionen (verschiedene Sprachen, HD, Streaming über verschiedene Geräte, werbefrei, …) und einer breiten Bibliothek immer mehr einstige illegale Streamer für sich begeistern. Im Musikbereich gibt es Netflix, und bei eBooks hat sich in den letzten zwölf Monaten die Anbieterlandschaft deutlich vergrößert (Kindle Unlimited, Readfy, PaperC und Blloon vor der Tür). Qualitativ ist das Angebot innerhalb dieser eBook-Flatrates aber noch deutlich unterhalb ihrer Musik- und Film-Adäquate anzusiedeln. Ausgenommen vielleicht Skoobe (30 Tage kostenlos testen), das allerdings nur auf Smartphones und Tablets nutzbar ist.

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eBook Warez: Rapidshare am Ende, Piraterie noch lange nicht | Freies Internet 16. Februar 2015 um 14:33

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