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EU-weite Petition für verminderte MwSt auf eBooks

eu1Erst Spanien, dann Europa: Mittels einer Petition soll der europäische Rat für Wirtschaft und Finanzen (Ecofin) noch im Januar 2010 davon überzeugt werden, die EU-Staaten zur Anpassung der Mehrwertsteuer von eBooks auf Print-Niveau aufzufordern. Der höhere Mehrwertsteuersatz (in Deutschland 19% zu 7%) ist einer der Hauptgründe für den hohen Preis von digitaler Literatur.

Initiator der Eingabe ist Antoine Gallimard, Chef des zweitgrößten französischen Verlagshauses Gallimard. Im auch in deutscher Sprache vorliegenden Petitionstext sieht der Verleger einen niedrigen Verkaufspreis als ein wesentliches Erfolgskriterium für das Geschäft mit digitaler Literatur.

Einer der Schlüsselfaktoren bei der raschen Entwicklung eines legalen Angebots wird der Verkaufspreis des E-Books sein. Dieser muss so attraktiv ausgestaltet sein, dass der Leser an den Einsparungen bei den Druckkosten, die bei einem konventionellen Buch anfallen, angemessen beteiligt wird.

Die aktuelle Diskrepanz zwischen dem als “Kulturgut” geförderten Print-Buch und der deutlich stärker besteuerten digitalen Literatur wird als “diskriminierendes System” beschrieben – die Regierungen würden “die Entwicklung eines aufstrebenden Marktes, der höchst förderlich für die kulturelle Lebendigkeit und Vielfalt ist, behindern.

[Es sei] absurd zu sagen es finde eine Wandlung des Werkes statt je nachdem, ob es heruntergeladen, gedruckt oder sogar auf einer elektronischen Lesevorrichtung vorinstalliert wird. Wenn man sich auf einen solchen Standpunkt stellt, käme man im Gegensatz dazu, dass der ermäßigte Umsatzsteuersatz der Ausdruck der Macht einer Papierdemokratie ist und nicht der einer Kulturdemokratie. Das ist ganz klar Unsinn!

Der Franzose spricht weiterhin von “Feindlichkeit gegenüber dem kreativen Schaffen”, beschwört die Gefahr zunehmender Piraterie durch ein unattraktives legales Angebot. Folge: “Ein Rückgang der kulturellen Vielfalt.”

Entsprechend sind alle in der Buchbranche Engagierten – Verlage, Autoren, Verkäufer, Bibliothekare, … – zur Zeichnung der Petition aufgerufen. Eine Unterstützung ist noch bis zum 10. Januar möglich, kurz darauf soll das Dokument nebst Unterstützernamen an die EU-Wirtschaftspolitiker übergeben werden. 852 Literaturschaffende haben die Petition bereits unterzeichnet, darunter allerdings nur fünf Deutsche (gegenüber z.B. 14 Belgiern und rund 90 Italienern).

Der Petitionstext wird sicherlich nicht in allen hiesigen Verlagshäusern mit Begeisterung gelesen – zum Pricing von eBooks gibt es seit Monaten eine kontroverse Debatte, gegenwärtig bewegen sich eBooks zumeist auf Höhe der günstigsten erhältlichen Print-Ausgabe. Von einem verminderten Mehrwertsteuersatz auf eBooks würden die Verlage zwar direkt profitieren, allerdings gibt es die Befürchtung einer Kannibalisierung der lukrativen Hardcover-Verkäufe bei einem großen Erfolg von billigen elektronischen Büchern.

<via vfll>

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