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„Kindle Worlds“-Bilanz nach einem Jahr: Warten auf den Durchbruch

Unter großer medialer Anteilnahme ist vor einem guten Jahr Kindle Worlds gestartet. Inzwischen ist es still geworden um die Amazon-Plattform, die sich nichts weniger auf die Fahne schrieb als die Kommerzialisierung des Massenphänomen Fan Fiction. Die Meinungen zur Entwicklung von Kindle Worlds gehen weit auseinander.

Fan Fiction war lange Zeit ein Phänomen eingeschworener Communities. Diese publizierten in eigenen, privat zusammengestellten Zeitschriften – genannt Fan-Zines – Geschichten aus ihren Lieblingswelten. Durch das Internet und Plattformen wie FanFiktion.de ist Fan Faction nun auch einem breiteren Publikum bekannt geworden. Mit „50 Shades of Grey“ hat Fan Fiktion sogar ihren ersten eigenen Bestseller hevor gebracht. Entsprechend hoch waren die Erwartungen, als Amazon vor gut einem Jahr seine Plattform Kindle Worlds ins Netz stellte. Nach zwölf Monaten und der Ausweitung auf mittlerweile 26 Welten stellt sich die Frage, wie erfolgreich Amazon darin ist, diesen Bereich zu kommerziell zu erschließen.

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Kindle Worlds

Kindle Worlds

Ausgelöst wurde die aktuelle Diskussion durch ein Papier der US-amerikanischen Juristin Rebecca Tushnett, in dem sie festhält, dass „Kindle Worlds“ bisher nur in sehr geringem Maße genutzt wird. GigaOm greift dieses Papier auf und zieht daraus die Schlussfolgerung, dass Kindle Worlds bislang eher als Misserfolg zu verstehen ist. Es sei Amazon nicht gelungen, die Communities auf seine Plattform zu lotsen und eine entsprechende Anzahl an Geschichten an dieser Stelle anzubieten.

Daily Dot diskutiert Gründe hierfür und beobachtet in erster Linie eine Diskrepanz zwischen den Bedingungen, die Kindle Worlds stellt, und den Interessen der Fans. Insbesondere das Mindestalter von 18 Jahren, das Verbot erotischer Texte und die Pflicht, sich nur innerhalb eines Universums zu bewegen, würden viele Fan-Fiktion-Autoren abhalten – zumal mit Wattpad eine attraktive Alternative bereitsteht.

Unternehmerische Ziele

Digital Reader argumentiert jedoch, dass die Zufriedenheit der Community und die Anzahl der veröffentlichten Geschichten kein angemessenes Maß für den Erfolg der Plattform darstellen. Es sei Amazon nie darum gegangen, der Community etwas zu bieten, sondern vielmehr darum, neue Lizensierungswege für etablierte Marken zu erschließen und damit schlussendlich Geld zu verdienen. Auch Tushnett diskutiert in ihrem Papier die Ziele der Verlage und Amazon und unterscheidet dabei drei zentrale Aspekte:

  • Kontrolle über den Inhalt der bislang unregulierten Fan-Fiktion
  • Kommerzialisierung der bislang kostenlosen Texte
  • Konkurrenz zu etablierten Prozessen der Veröffentlichung von Romanen in etablierten Universen

Rechtliche Grauzone

Gerade der erste Punkt spielt dabei für die Community eine zentrale Rolle. Fan-Fiktion hat sich immer dadurch ausgezeichnet, dass rechtlich geschützte Figuren oder Welten genutzt werden, um darin neue Geschichten zu erzählen. Daher steht sie grundsätzlich im Konflikt mit dem Urheber- und dem Markenrecht. Gerade in Deutschland ist dies ein Problem, da es hier keine weit gefassten Ausnahmen wie das US-amerikanische „Fair Use“ gibt.

Doch auch in den Vereinigten Staaten bewegen sich Fan-Fiktion-Autoren immer in einer rechtlichen Grauzone. Gerade erfolgreiche Autoren, die ihre Fan-Fiktion gerne dazu nutzen würden, ein wenig Geld zu verdienen, hatten dazu bislang keine Möglichkeit. So konnte beispielsweise die Autorin LJ Smith ihre erfolgreiche „Vampire Diaries“-Reihe „Evensong“ nur durch Kindle Worlds fortsetzen.

Erfolgreiches Experiment?

Kindle Worlds ist es also noch nicht gelungen ist, zu einer zentralen Plattform für die Veröffentlichung von Fan-Fiktion zu werden. Es bietet erfolgreichen Autoren aber die Möglichkeit, ihre Geschichten zu vermarkten. Die Frage nach dem unternehmerischen oder strategischen Erfolg ist ohne eine Aussage von Amazon oder einem der beteiligten Verlage aber nicht zu beantworten. Es muss sich noch zeigen, ob eines oder mehrere der von Tushnett genannten Ziele im Laufe der Zeit erreicht werden können. Bis dahin bleibt Kindle Worlds ein spannendes Experiment, das versucht ein bislang unkontrollierbares Phänomen einzufangen und marktgängig zu machen.

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Kommentare


6 Tipps für erfolgreiche Fan Fiction – schreiben.netschreiben.net 2. Oktober 2014 um 15:00

[…] Grundsätzlich sollten sich interessierte Autoren im Vorfeld aber gründlich über etwaige “Brand Guidlines” und die praktische Politik des Lizenzinhabers informieren. Auf der sicheren Seite ist man nur, wenn man mit Erlaubnis oder sogar direkt beim Lizenzinhaber publiziert. Amazon bietet in den USA seit einem Jahr mit Kindle Worlds eine eigene Self-Publishing-Plattform mit bislang einigen Dutzend lizensierten Welten. Der ganz große Durchbruch des Projektes steht allerdings noch aus. […]

Antworten

Aus dem Netz in die Öffentlichkeit: Der Aufstieg der Fanfiction » lesen.net 20. März 2015 um 12:42

[…] zu produzieren und sogar zu verkaufen bietet zur Zeit Amazons Kindle Worlds, allerdings nur mit mäßigem Erfolg. Mittlerweile 26 von den Rechteinhabern freigegebene Buch- oder Serien-Welten stehen den […]

Antworten

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