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Lesebrille fürs E-Reading: Große Schrift ist nicht genug

Ein wesentlicher Vorteil beim Lesen auf digitalen Geräten ist die Anpassbarkeit des Schriftbildes. Vor allem die Veränderbarkeit der Schriftgröße ist ein klares Komfort-Plus gegenüber bedrucktem Papier. Ohne zusätzliche Hilfsmittel bei der Lektüre geht es häufig allerdings trotzdem nicht.

Fast 2/3 der Erwachsenen tragen Brille

Mehr als 40 Millionen Deutsche tragen eine Brille, hat das Meinungsforschungsinstitut Allensbach im Jahr 2012 ermittelt. Das ist gut die Hälfte der Bevölkerung, bei den Erwachsenen sind es sogar knapp zwei Drittel. Generell gilt: Umso höher das Alter, desto höher der Brillenträgeranteil.

In den letzten Jahrzehnten gibt es aber auch unter Jüngeren einen deutlich gewachsenen Brillenträgeranteil. Im Jahr 1952 trugen gemäß der Studie gerade einmal 13 Prozent der 20-29-jährigen eine Brille, heute sind es fast 30 Prozent. Grund: Nie war scharfes und präzises Sehen für so viele Menschen so wichtig wie heute – auch, weil noch nie so viel gelesen wurde.

Variable Schriftgröße kein Ersatz für Lesebrille

Das schließt Digital-Leser natürlich nicht aus. Im Gegenteil, gerade viele Besitzer von eBook Readern sind statistisch gesehen älteren Semesters und leiden damit häufig an nachlassender Sehkraft, häufig im Verbund mit altersbedingter Weitsichtigkeit (ab etwa 35 Jahren). Und lesen ist nun einmal ein Hobby, das eine scharfe Sicht gerade im Nahbereich unabdingbar macht.

Grundsätzlich gilt: Bei Weitsichtigkeit sind variable Schriftgrößen ein netter Komfortbonus, die Lesebrille ersetzen sie aber nicht. Denn das Auge hat ja grundsätzliche Probleme damit, nahe Objekte scharf zu stellen – unabhängig davon, wie groß sie sind. Viele Kurzsichtige schrauben auf ihren dedizierten Lesegeräten und in Lese-Apps hingegen sehr wohl die Schriftgröße hoch und setzen die Brille zum Lesen dann ab.

Mehrfach-Brillen vs. Gleitsichtbrille

Auch in unserem Forum wurde das Thema in den letzten Jahren naturgemäß häufiger diskutiert (etwa hier und dort). Ein immer wieder angesprochenes Problem von dedizierten Ein-Stärke-Lesebrillen sind die unterschiedlichen Sichtabstände. Während Bücher und natürlich auch eBooks typischerweise rund 40cm Abstand zwischen Auge und Text geschmökert werden, ist die Entfernung bei PC-Bildschirmen rund doppelt so groß. Smartphones hingegen sind zumeist sogar noch etwas näher am Auge als eBook Reader, nämlich etwa 30cm.

Aus diesem Dilemma gibt es zwei Auswege: Mehrere Ein-Stärke-Brillen für verschiedene Anlässe sowie Gleitsichtbrillen mit mehreren Sehfeldern von Nah bis Fern. Gleitsichtbrillen sind wesentlich aufwändiger in der Herstellung und entsprechend teuer, außerdem erfordern sie Gewöhnung. Dafür erspart man sich häufige Brillenwechsel.

Digital-Brillengläser versprechen „weniger Sehstress“

Brillen- und Gläser-Hersteller haben die Zeichen der digitalen Zeit erkannt und bieten inzwischen einige angepasste Produkte. Dazu gehören die so genannten Digital Brillengläser von Zeiss, eine Gleitsichtbrille mit der Zielgruppe „30-45-jährige, die viel mit digitalen Geräten arbeiten“. Die Gläser sollen das Auge vor allem in der Nah- bis Mitteldistanz unterstützten und „digitalen Sehstress“ abgebaut helfen.

Zeiss trat im vergangenen Jahr mit dem Angebot an mich (und weitere leseaffine Fachseiten) heran, die Digital-Brillengläser als Testmuster zu erhalten und bei Gefallen einen Testbericht darüber zu schreiben.

Zeiss Digitalglas an mir

Zeiss Digital-Brille an mir

Ich – damals 30, inzwischen 31 Jahre alt und damit am unteren Ende der Zielgruppe – suchte daraufhin zum ersten Mal seit meinem Führerscheintest einen Optiker auf. Dieser stellte dann tatsächlich eine Stabsichtigkeit in Höhe von 1,5 Dioptrien fest und gab entsprechende Brillengläser in Auftrag. Kostenpunkt für die gesamte Brille: Stolze 900 Euro, davon allein 700 Euro für die Gläser.

Dass es bis heute noch keinen dedizierten Testbericht zur Brille auf lesen.net gegeben hat, hat einen einfachen Grund: Ich trage sie nicht. Ich fand die Gleitsicht im Alltag und vor allem beim Sport (Tennis) extrem gewöhnungsbedürftig, und den Wechsel mit/ohne Brille untertags machten die Augen nicht mit. Die typischen Brillen-Nachteile (beschlagene Gläser, Vorbeisicht) waren mir die – definitiv vorhandene, aber eher moderate – Sichtverbesserung bislang in Summe einfach nicht wert.

Andererseits werden die Augen nicht besser, und das Gleitsichtkonzept überzeugt definitiv. Wer weiß, vielleicht wird die Brille in den nächsten Jahren noch einmal reaktiviert und von mir dann auch regelmäßig getragen. Weitere Testberichte der Zeiss-Digitalgläser (aus der gleichen Aktion) finden sich etwa bei der Self Publisher Bibel und bei Lousy Pennies.

Gute Lesebrille jeden Euro wert

Fürs E-Reading ist eine solche Gleitsichtbrille ohnehin eine absolute Luxus-Option und alles andere als notwendig. Eine Lesebrille vom Grabbeltisch des Drogeristen sollte es auch nicht sein, aber schon für 50-150 Euro gibt es bei Optikern – stationär wie im Netz – schicke und absolut alltagstaugliche Eine-Stärke-Brillen. Im Verbund mit Komfort-Optionen bei der Schriftanpassung steht damit einem scharfen und unterhaltsamen digitalen Lese-Erlebnis nichts mehr im Weg.

<Bildnachweis: Brillen von Shutterstock>

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