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Pornografie bei Kobo und Amazon: Brauchen wir eine Vorzensur?

Das Auftauchen von harter Pornografie in ihren eBook-Stores bewegte Selfpublishing-Anbieter dazu, im großen Stil Titel zu löschen. Die Aktion wirft die Frage auf, wie viel Kontrolle die Anbieter überhaupt noch über die Bücher haben, die sie verlegen.


Seit man letzte Woche pornografisches Material im Kinderbuchbereich des eBook Stores von WH Smith entdeckt hat, sind Medien und Buchbranche in Großbritannien in heller Aufruhr. Es handelte sich bei den Büchern durchweg um Selfpublishing-Titel, die hart an der Grenze der Legalität standen oder diese bereits überschritten hatten (beispielsweise Kinderpornografie und/oder Inzest).
Als Reaktion darauf schloss der Buchhändler seine Website auf unbestimmte Zeit, um das gesamte Material zu entfernen.

Kobo: eBooks in Quarantäne

Da der WH Smith eBook Store von Kobo bestückt wird, hat man dort Anfang der Woche ebenfalls großflächig Titel aus dem Programm genommen. Erst gut 48 Stunden nach der Löschaktion meldete sich der Leiter des Selfpublishing-ArmsKobo Writing Life“, Mark Lefebvre, bei den Autoren der Plattform: „Wir haben unverzüglich gehandelt um das Problem zu lösen, das einige wenige Autoren durch die Missachtung unserer Richtlinien verursacht haben“.
Das Vorgehen bei Kobo sieht so aus, dass betroffene Titel aus dem Store entfernt und vorerst in Quarantäne gesteckt werden, bis sie durchgesehen und auf Kobos Richtlinien hin überprüft wurden. Lefevbre versprach, dass Titel, die diesen Vorgaben entsprechen, schnellstmöglich wieder zum Verkauf angeboten wurden.

Dieser Rundumschlag trifft auch gänzlich unbeteiligte Selbstverleger. Wie The Digital Reader erfahren hat, wurden Titel aus zahlreichen Genres von der Website entfernt. Das stimmt mit einer Meldung des eBook-Vertriebsdienst Draft2Digital überein: Hier wurden alle Titel des Anbieters von Kobo gesperrt, da sich einzelne fragwürdige eBooks darunter befanden. Ähnlich sei wohl auch bei anderen Verlagen und Distributoren verfahren worden.

Großreinemachen auch bei Amazon und Barnes&Noble

Kobo steht mit seinem Pornografieproblem nicht alleine da: Auch Amazon und Barnes&Noble haben begonnen ihre Kataloge zu durchsuchen und Inhalte zu entfernen, gehen dabei aber weniger drastisch vor. Sie filtern lediglich nach bestimmten Stichwörtern, was unschuldige Autoren aber auch nicht schützen dürfte. 2010 hat Amazon schon einmal auf dieselbe Weise versucht, unerwünschte Inhalte von seiner Plattform zu entfernen und trat dabei mehr als einem Autor auf den Schlips.

Vorzensur als Lösung?

Dass die eBook Händler den großflächigen Kahlschlag als Aufräum-Methode anwenden, zeigt vor allem eins: Sie sind nicht mehr wirklich Herr über ihre Publikationen, weder inhaltlich noch in der Masse. Obwohl alle Händler Richtlinien haben, die den Verkauf von illegaler Pornografie verbieten, konnten diese Titel solange problemlos angeboten werden, bis zufällig Journalisten darüber stolperten. Und ist das Problem einmal aufgedeckt, sind die Händler mit der Menge der Titel, die sie vertreiben, so überfordert, dass nur die Löschung großer Mengen von eBooks auf Verdacht eine bezahlbare Lösung darstellt. Kobo ist deshalb insofern noch zu loben, da dort scheinbar noch eine Überprüfung der Quarantänetitel per Hand stattfindet.

Amazon und Barnes&Noble hingegen bedienen sich der Stichwort-Suche, weil sie automatisiert (= kostengünstig) vonstatten geht. Unschuldige Autoren, die im Netz hängen geblieben sind, werden sich schon melden und erst dann ist Mitarbeitereinsatz (= teuer) nötig. Außerdem hat Amazon auf seinen Produktseiten den Link „Ist der Verkauf dieses Produkts für Sie nicht akzeptabel?“ platziert, mit dem der Händler es dem Kunden überlässt, unmoralische Artikel zu entdecken und der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien zu melden.

In seinem Statement versprach Kobo Writing Life-Chef Lefebvre außerdem, die Richtlinien zu überarbeiten und zukünftig Schutzmaßnahmen einzuführen, die die Publikation fragwürdiger Titel unterbinden soll. Wie diese aussehen sollen, erläuterte er jedoch nicht. Fest steht allerdings, dass eine Durchsicht von Hand nicht mit kostenlosem Verlegen vereinbar ist. Eine Stichwortschranke hingegen wäre sicherlich von der Zielgruppe schnell ausgehebelt und würde zudem viele Unschuldige treffen.

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Kommentare


samy 15. Oktober 2013 um 17:42

„Vorzensur“ Aha. Wie wäre es einfach damit, dass Amazon und Co die Regeln die selbst vorgeben auch umsetzen? Vorzensur ist das nicht, nicht mehr als wenn ein Verlag einen Titel ablehnt oder ein Einzelhändler eine Marke nicht verkauft.

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Bernd 15. Oktober 2013 um 18:25

Vorzensur ist außerdem eine etwas unglückliche Wortwahl. Ob Amazon & Co es wollen oder nicht, sie stehen mit in der Verantwortung der über sie verbreiteten Angebote.

Beispiel Kinderpornografie im Strafgesetzbuch:

§ 184b
VERBREITUNG, Erwerb und Besitz kinderpornographischer Schriften
(1) Wer…
1. VERBREITET,
2. öffentlich ausstellt, anschlägt, vorführt oder sonst ZUGÄNGLICH MACHT oder
3. herstellt, bezieht, LIEFERT, VORRÄTIG HÄLT, ANBIETET, ….,

wird mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft.

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samy 16. Oktober 2013 um 08:18

Das mag alles im Gesetz stehen, aber es interessiert leider niemanden. Titel die Kinderpornographie enthalten, werden immer wieder thematisiert. Aber interessiert, dass eine Familienministerien, einen Justizminister oder auch nur einen Staatsanwalt? Das Gesetz ist leider nicht das Papier wert auf dem es gedruckt ist. Ja, in England wird es übetrieben mit dem Pornofilter der nebenbei noch das Internet von allem unerwünschten filtert. Aber hier geschieht genau das Gegenteil. Lehnt sich jemand gegen so etwas auf wird gleich von Zensur und Bücherverbrennung gesprochen…

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Markus 16. Oktober 2013 um 09:47

Warum muß Sex aus der Literatur verschwinden ? Wir sind inzwischen wieder sehr prüde geworden finde ich.
Haben Bücher und Zeitschriften erotische bzw. pornografische Inhalte kann man sie doch mit einer Altersfreigabe kennzeichnen. Ist doch ganz einfach.

Wir dürfen auch nicht vergessen wie alt ist denn ein Kunde bei Amazon und Co. wenn er dort ein Buch per Bankeinzug kauft ?

Mindestens volljährig!

Der ganze Zensur Druck ( auch bei Youtube ) kommt doch nur aus den USA und da besonders von den Republikanern her.

Deren Kinder sollen Sexualkunde haben am Vorbild der Bienen und der Bibel.

Denkt mal zurück an die schönen und freizügigen 70er und 80er Jahre. Wir damaligen Kinder sind schon recht früh über das Kinderfernsehen und der Bravo usw. mit Erotik in Kontakt gekommen. Hat uns das geschadet ?

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Bernd 16. Oktober 2013 um 10:41

Sex verschwindet sicher nicht aus der „Literatur“ solche eBooks wie:

– Big Boobs Bondage (Bondage Victims)
– Milf : Hot Milf Bekommt Für Die Kamera Wild
– Karupted Nackte Frauen – XXX MILFS (Sex Bilder (Arsch, Titten, Muschi))
– Hochschulesex : Junge Babes Mit Heißen Körper In Der Schule
– Das Chat Girl gevögelt

finden sich nach wie vor bei Amazon en masse und ganz oben in der Amazon-„Leihbücherei“.
Bei Kinderpornographie oder ähnlichen Grenzüberschreitungen sollte der „Spaß“ dann aber allerspätestens aufhören.

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Now let us all clutch our pearls and hyperventilate | Cora Buhlert 19. Oktober 2013 um 05:20

[…] since the general news site Spiegel Online as well as the publishing news sites Buchreport and Lesen.net all report about the erotica purge. The comments at all three sites are pleasantly anti-censorship […]

Antworten

Michael Georgi (@Seelenwaage) 20. Oktober 2013 um 13:09

Es kommt nicht auf das Medium an, sondern wie wir darüber denken!
In Asien ist Sexualität was ganz normales wie Ernährung.
Sexstellungungen finden sich an Öffentlichen Gebäuden, in Ägypten wurde den Penis oder der Vagina gehuldigt als das was es ist.
Wunderschöne Organe die Leben erst ermöglichen.
Nur im Westen wird es verteufelt.
Nun wenn wir Sexualität verteufeln, dann lehnen wir uns selber ab.

Jetzt kommt die Literatur ins Spiel.
Soll sie nicht das Leben abbilden als Ratgeber oder Geschichten über Themen die uns bewegen?
Ich finde das es ein Frechheit ist da zu Zensieren.
Bei Kinderpornografie ist es so ein Sache.
Den Kinder sind mit 14 Jahren da wo Kinder früher 18 Jahren erst waren durch den Fleischkonsum.
Das Gehirn leider nicht.
Wo ist da der Unterschied zwischen einer 17 und 18 Jährigen?
Es gibt da viel zu tun um Sachlich mit den ganzen Thema umzugehen.

Ich sehe zwei Dinge, die Politik geht das Thema nicht wirklich an und die Wirtschaft Zensiert wie oft Christlichen Träger es sich vorstellen.
Was mir fehlt ist ein gesundes Mass und eine Neutrale Wertung des Themas.
Meine Werte sind zwischen Germanischer Mythologie und Tao angesiedelt und ich finde es unfair das einfach über mein Kopf hinweg bestimmt wird, was ich zu sehen bekomme.

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