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Rückblick Sonntagsfrage: Piracy

piratenflagge_0„Hast du dir schon einmal ein illegales eBook heruntergeladen?“, fragten wir vor einer Woche im Rahmen unserer zweiten Sonntagsfrage. Trotz des „intimen“ Themas beteiligten sich immerhin 128 Besucher  an der Umfrage (eine kombinierte IP- und Cookie-Sperre verhinderte doppelte Teilnahmen). Vielen Dank!

Das Ergebnis der Befragung wird in manchem Verlagshaus für verärgerte Gesichter sorgen, denn trotz (oder wegen) restriktiver DRM-Verschlüsselungen vieler eBooks bedienen sich die Early Adopter digitaler Literatur nicht selten bei BitTorrent & Co. Über die Hälfte unserer Besucherschaft hat schon Erfahrung mit illegalen Buch-Downloads.

54% der Umfrageteilnehmer haben schon mindestens einmal ein eBook unrechtmäßig heruntergeladen, ein Drittel sogar innerhalb der letzten vier Wochen. Dem stehen 43% prinzipiell „ehrliche“ Nutzer gegenüber, was beim derzeitigen Angebot und Pricing von eBooks durchaus beachtlich ist.

Im Bezug auf die Fragestellung wurde berechtigter Weise angemerkt, dass wir Raubkopier eigentlich auch nach der digitalen Verfügbarkeit einer legalen Ausgabe hätten fragen müssen. Tatsächlich werden sich viele Lesefreunde aus der Not heraus in Tauschbörsen und -foren bedient haben, weil das Buch der Wahl (noch) nicht oder zumindest nicht in deutscher Sprache vom Verlag in digitaler Form verfügbar gemacht wurde.

Im Endeffekt hätten wir dann aber auch nach in Kauf genommenen Einschränkungen (Stichwort DRM) und maximal akzeptiertem Verkaufspreis fragen müssen. An diesem Punkt haben wir uns bewusst für eine möglichst einfache Fragestellung zur Erfassung des Status quo entschieden – an der Verlagsbranche ist es nun, die Kundschaft mit attraktiven Angeboten für sich zu gewinnen. Denn das die überwiegende Mehrheit der Anwender für fair bepreiste und komfortabel bereitgestellte Texte Geld auszugeben bereit ist, beweist nicht zuletzt der Erfolg von Amazons Kindle-Plattform.

Obwohl beispielsweise Dan Browns „The Lost Symbol“ (trotz DRM) innerhalb kürzester Zeit dutzendfach und auch im vom Kindle lesbaren Mobipocket-Format in Tauschbörsen zirkulierte, setzte sich die für $9,99 angebotene eBook-Ausgabe sofort an die Spitze der amazon.com Bestsellerliste und schlug sogar die Hardcover-Ausgabe. Auf den Punkt brachte es in einem Kommentar zur Umfrage Christoph Kaufmann, der selbst in seinem Online-Shop beam eBooks ein wachsendes Angebot „freier“ Literatur anbietet.

Im Moment bieten Raubkopien ja gegenüber gekauften eBooks oft sogar einen Mehrwert weil man Sie ohne DRM flexibler nutzen kann. Das ist doch Paradox.

Natürlich muß gegen Urheberrechtsverletzungen vorgegangen werden. Aber es sollte dem eBook Käufer nicht gleich automatisch der Vorsatz einer Straftat unterstellt werden.

So zieht man keine Kunden.

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Kommentare


mangochutney 1. November 2009 um 22:45

Die Umfragewerte haben mich doch überrascht und zwar positiv, denn es zeigt, wie viele Leute auf den Zug aufspringen.
Ich habe mir selber mal ein Buch als PDF herunter geladen um mal reinzuschauen, weil keine Bücherei in der Nähe war.
Tja, nach der Hälfte des Buches habe ich dann die ganze Serie gekauft, im Original und in zweifacher Ausführung (gebunden und kartoniert, letztere habe ich verschenkt). Diese Serie ist nach wie vor noch nicht in digitaler Form zu haben, was grotesk ist (jeder darf raten um welche Buchreihe es sich handelt).

Ich möchte dem Kommentar von Christoph Kaufmann etwas hinzufügen: Nicht nur die Formate müssen flexible Nutzung zulassen, sondern auch die Lesegeräte (ich möchte an den Bericht zum iRiver erinnern). An dieser nichtvorhandenen Flexibilität scheiterte bei mir bisher der Kauf eines eReaders, aber ich hoffe auf den neuen iRex und noch mehr auf den Que.

Antworten

Illegale eBook-Downloads: (Welche) Folgen? » Debatte » lesen.net 20. April 2010 um 09:56

[…] Raubkopiert werden zu einem sehr großen Teil Bestseller. Ohne eine Neiddebatte anzufachen, aber müssen wir uns wirklich um die finanzielle Zukunft etablierter Bestseller-Autoren ernsthaft Sorgen machen? Dann müsste man auch Büchereien schließen und Bücher mit einem RFID-Chip versehen, um das wiederholte Ausleihen unmöglich zu machen. Wie viele Exemplare eines Buchs werden anteilig ausgeliehen oder verliehen, und wie viele davon illegal heruntergeladen? Wie viele der heruntergeladenen Dateien werden tatsächlich gelesen? […]

Antworten

iPad beflügelt eBook-Piraterie » lesen.net 15. April 2015 um 15:54

[…] Gerade hier könnte man sich aber abschauen, dass eine Beschneidung von Bürgerrechten und verstümmelte Mediendateien ein weniger wirksames Mittel gegen Piraterie sind als fair bepreiste, offene und leicht zugängliche Angebote. Auch eine grundsätzliche legale Verfügbarkeit aktueller digitaler Literatur (in Deutschland längst noch nicht selbstverständlich) wäre den eBook-Umsätzen sicherlich nicht abträglich. […]

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